Im November 2021 wurde Tanja Chawla (46) zur Vorsitzenden des DGB Hamburg gewählt. Foto: DGB Hamburg

Das sagt die Tanja Chawla (Vorsitzende DGB Hamburg) zur Holsten-Baustelle

M. Greulich, Altona

Was auf der Baustelle an der Holstenstraße passiert ist, sei kein Einzelfall, sagt Gewerkschafterin Tanja Chawla (Vorsitzende DGB Hamburg) im Interview.

Elbe Wochenblatt: Ist eine solche Kette von Subunternehmern häufig auf Baustellen in Hamburg anzutreffen?
Tanja Chawla: Leider ist davon auszugehen, dass eine Ketten-Vergabe an Subunternehmen, wie es im vorliegenden Fall die Situation ist, immer wieder anzutreffen ist. Dabei geht es nicht zuletzt darum, die Preise für den Auftrag zu drücken – und damit in der Konsequenz auch die Löhne der beschäftigten Arbeitnehmer*innen.

Der jetzige Vorfall bestätigt die
desaströsen Zustände auf dem Holstenareal, das aktuell noch dem finanziell angeschlagenen
Investor Adler Group und seinem
Projektentwickler
Consus Real Estate gehört
Tanja Chawla,
Vorsitzende DGB Hamburg

Je länger Aufträge in einer Kette von Subunternehmen weitergegeben werden, desto größer wird die Gefahr, dass irgendwo in der Kette jemand nicht zahlt. Das war auch hier der Fall. Am Ende tragen die Arbeitnehmer*innen die Folgen. Bei städtischen Aufträgen arbeiten wir zurzeit mit dem Hamburger Senat an einem echten Tariftreuegesetz, um so dem Hamburger Ruf als Stadt der guten Arbeit gerecht zu werden. Hier müssen wir jetzt einen Gang zulegen

EW: Was erwartet der DGB Hamburg vom Hamburger Senat jetzt konkret auf der Holsten-Baustelle?
Chawla: Der jetzige Vorfall bestätigt die desaströsen Zustände auf dem Holstenareal, das aktuell noch dem finanziell angeschlagenen Investor Adler Group und seinem Projektentwickler Consus Real Estate gehört. Das ganze Bauprojekt auf dem Areal, auf dem eigentlich 1.300 neue Wohnungen entstehen sollten, stockt seit Jahren. Der Hamburger Senat hatte deswegen schon vor dem Vorfall Interesse bekundet, das Holsten-Areal zurückzukaufen. Der DGB Hamburg begrüßt dies. Die Stadt braucht dringend mehr Wohnungen, auch in niedrigeren und mittleren Einkommenssegmenten. Baugrund, insbesondere in so guter Lage, sollte nicht zum Spekulationsobjekt verkommen. Gleichzeitig muss die Stadt sicherstellen, dass auf den Baustellen in Hamburg Arbeitnehmer*innenrechte eingehalten werden. Dazu braucht es konsequente Kontrollen.

1 KOMMENTAR

  1. Die Problematik der Sub, Sub, Sub…Unternehmen ist seit Jahrzehnten den Politikerinnen und Gewerkschaftlerinnen bekannt. Nicht nur in der Baubranche, sondern auch in vielen Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen werden dadurch Mindestlöhne und Qualitätsanforderungen unterwandert. Bis hin zu Zustände, die stellenweise an Sklaverei erinnern. Der letzte „Techniker“, der meine Rauchmelder tauschen sollte, kam ohne Werkzeug, Leiter und Deutschsprachkenntnisse. Der chirurgische Bereich ist zum Glück noch nicht so stark betroffen. Ich wünsche allen weiterhin viel Glück.

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