Durch falsch eingestellte Heizungsanlagen geht viel Wärme verloren. Foto: Panthermedia

Bei Saga-Wohnungen mit Einrohrsystemen können Heizkosten nicht verbrauchsabhängig festgestellt werden. Mieter sparen Energie, aber keine Kosten

Olaf Zimmermann, Hamburg-Süd

Schon mit kleinen Maßnahmen können Mieter ihrem Geldbeutel und der Umwelt etwas Gutes tun. So spart allein die Absenkung der Raumtemperatur um einen Grad laut Verbraucherzentrale sechs Prozent der Heizenergie. Das klingt einfach und schnell gemacht. Aber nicht für Saga-Mieter im Neuwiedenthaler Wümmeweg. Hier können Mieter sogar komplett aufs Heizen verzichten, ohne dass dies entsprechende Auswirkungen auf ihre Heizkosten hat. Die Heizkosten werden nicht verbrauchsabhängig, sondern nach Wohnfläche ermittelt.

Klassische Einrohrheizungen sind einfach und günstig im Aufbau, haben aber den Nachteil, dass die Heizkörper schlecht reguliert werden. Es ist häufig zu warm oder zu kalt. Das mindert die Effizienz und sorgt für hohe Heizkosten. Foto: c
CSchirp/Wikimedia

Wie kann das sein? Die 1966 errichteten Wohngebäude im Wümmeweg werden über ein Einrohrsystem mit Fernwärme beheizt. In den Wohnungen sind „aufgrund der baulichen Gegebenheiten der Heizkörper keine Wärmemengenzähler an den einzelnen Heizkörpern vorhanden“, teilt Saga-Sprecher Gunnar Gläser mit.

Eine Modernisierung sei mit großem Aufwand verbunden. Gläser: „Hier ist es nicht damit getan eine Heizung zu tauschen. Vielmehr müssen sämtliche Steigleitungen und Rohrsysteme sowie Heizkörper ausgetauscht werden. Im Rahmen unseres Modernisierungskonzeptes käme zeitgleich eine energetische Modernisierung der gesamten Gebäudehülle und Dachflächen hinzu, um tatsächlich eine deutliche energetische Verbesserung an den Gebäuden zu erzielen.“

Doch auch ohne komplette Modernisierung muss der Verbrauch der Mieter einzeln erfasst werden, sagt Rolf Bosse, Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg. „Indem die Saga die Heizkosten nicht auch verbrauchsabhängig verteilt, verstößt sie gegen die Heizkostenverordnung.“ Deshalb könnten Mieter ihren über die Wohnfläche zugewiesenen Heizkostenanteil um 15 Prozent kürzen. Denn schließlich könne auch ein Einrohrsystem mit Erfassungsgeräten für den Wärmeverbrauch ausgestattet werden.

Wir Mieter sind energiebewusst,
die Saga nicht
Saga-Mieterin aus
dem Wümmeweg

Erst falls weniger als 34 Prozent der im Heizsystem verbrauchten Wärme durch Heizkostenverteiler erfasst würden, weil sie zum Beispiel schon über Zuleitungsrohre abgegeben wird, sei der Wärmeverbrauch zwischen den einzelnen Wohnungen zu verteilen. Dann werde es durch Zu- und Abschläge kompliziert. „Insofern ist mir schleierhaft, weshalb die Saga nicht in der Lage sein soll, die Wohnungen des Quartiers nach den Bestimmungen der Heizkostenverordnung abzurechnen“, so Bosse.

Und falls der Anteil aktuell doch unter 34 Prozent liegt: Um die über die Rohre abgegebene Wärme zu reduzieren und damit den Anteil der erfassten Wärme zu erhöhen gebe es viele technische Möglichkeiten, wie ein hydraulischer Abgleich, die Absenkung der Vorlauftemperatur, die Auswahl geeigneter Pumpen und die Dämmung der Heizrohre sind Maßnahmen, die die Saga unbedingt umsetzen sollte, fordert Bosse.

Aktuell sind mehr als 75 Prozent der Gebäude der Saga energetisch modernisiert. Jährlich sollen bis zu zwei Prozent hinzukommen. Mit Einrohrheizungssystemen sind weniger als 1.000 der 137.000 Saga-Wohnungen ausgestattet. Einen Termin, wann die Heizungen der Wohnungen im Wümmeweg modernisiert werden, gibt es nicht.

„Schon 2016 wurde uns eine neue Heizung versprochen“, erinnert sich eine Mieterin. „Die war aber wohl zu teuer und ist nie gekommen. Wir Mieter sind energiebewusst, die Saga nicht.“

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here