Das Projekt „Baumhaus“ plant ein Mehrgenerationenhaus mit 25 Wohnungen für Singles, Paare, Wohngemeinschaften, Senioren, Studenten und Berufstätige. Zwei der Wohnungen sollen für alleinerziehende Geflüchtete reserviert werden. Foto: pr

OTHMARSCHEN. Den Betroffenen rennt buchstäblich die Zeit davon: Ursprünglich Anfang dieses Jahres wollten die Mitglieder der Altonaer Baugenossenschaft Baumhaus ihr neues Zuhause am Othmarscher Kirchenweg beziehen. Doch nach langwierigen Abstimmungsproblemen mit Ämtern und weiteren Baubeteiligten, sowie dem drohenden Wegfall der staatlichen Förderung könnte das seit Langem geplante Projekt auf der Zielgerade scheitern.
„Es ist immer noch kein Spatenstich geschehen“, berichtet Sprecherin Rosa Thoneick. Die Folgen beschreibt sie als drastisch – vor allem in finanzieller Hinsicht: „Alle haben längst ihre Anteile eingezahlt“, so Thoneick weiter. Inzwischen pochten die Banken bereits auf Rückzahlung der bewilligten Darlehen – ohne dass die Kreditnehmer in der Zwischenzeit Einnahmen verbuchen konnten. „Wir sind nervlich ziemlich am Ende“, sagt die Sprecherin.

Auf dem Gelände des Sportplatzes neben der Loki-Schmidt-Schule möchte die vor vier Jahren gegründete Genossenschaft, die sich aus jungen Familien, Paaren, Singles, Senioren, Studenten und Berufstätigen zusammensetzt, ein sogenanntes „Mehrgenerationenhaus“ in Massivholzbauweise nach KfW-40-Standard errichten. Das bedeutet, dass der Primärenergiebedarf höchstens 40 Prozent von dem eines gewöhnlichen Neubaus betragen darf. Die KfW-55-Förderung hatte die Bundesregierung bereits zu Jahresbeginn gestrichen – doch auch für „KfW 40“ sieht es inzwischen düster aus.
Gleichzeitig hapert es an der Grundstückserschließung: Dafür ist eigentlich die Investorenfirma Otto Wulff zuständig, die ebenfalls auf dem Areal bauen möchte. Doch weil die Schulbehörde die Fläche zwischenzeitlich für einen Erweiterungsbau beanspruchte, ging es auch hier nicht weiter.

Krisengipfel und Unterstützung gefordert
Gemeinsam mit zwei weiteren Hamburger Kleingenossenschaften wendet sich das Projekt „Baumhaus“ nun in einem Appell an die Stadt Hamburg. Gefordert wird eine direkte, finanzielle Unterstützung, sowie ein „Krisengipfel“ unter Beteiligung von Politik, Verwaltung und der Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB).
„Als Kleingenossenschaften wollen wir bezahlbaren Wohnraum mit geförderten Mieten schaffen, vor allem für Menschen mit geringen und mittleren Einkommen“, sagt Tilo Schmidtsdorff, Vorstand einer der beteiligten Baugenossenschaften. „Wir sind jetzt dringend auf die schnelle Unterstützung der Stadt Hamburg angewiesen, um nicht zu scheitern.”

Das sagt die Behörde: 21 Millionen Euro extra
Laut Daniel Posselt, Sprecher der Stadtentwicklungsbehörde (BSW), hat der Hamburger Senat mit der Einführung des „IFB-Basis-Effizienzhaus-Zuschusses“ auf den Förderstop durch den Bund reagiert. „Seit Mai diesen Jahres unterstützt dieses ergänzende Förderangebot die besonders vom Förderstop betroffenen Neubauvorhaben im sozialen Wohnungsbau mit bereits geplanten energetisch anspruchsvollen Standards (Effizienzhaus 55 und 40)“, erklärt Posselt. Der Senat stelle hierfür zusätzliche rund 21 Millionen Euro aus dem Hamburger Haushalt bereit. „Damit ist sichergestellt, dass die höheren Energieeffizienz-Standards in der sozialen Wohnraumförderung weiterhin wirtschaftlich umgesetzt werden können“, sagt der BSW-Sprecher. Einen Krisengipfel halte er für nicht notwendig, da man mit den betroffenen Kleingenossenschaften bereits in engem Kontakt stehe. „Angesichts der aktuellen Herausforderungen besteht ein intensiver Austausch innerhalb der Verwaltung und der hamburgischen Investitions- und Förderbank sowie dem Senat, um Lösungsstrategien zu entwickeln“, so Posselt abschließend.

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