Karl-Heinz Letz vor dem Fahrradhäuschen am Stellinger Weg. Foto: Dirk Andresen

Fahrraddiebstahl: Grüne und Velo-Gemeinde fühlen
sich von Parteien und Behörden im Stich gelassen

Dirk Andresen, Eimsbüttel

Dieser Frust, diese Wut und Hilfslosigkeit ist vielen Hamburgern nur allzu bekannt: Morgens frischgeduscht und gutgelaunt die Treppe runter, flugs aufs Fahrrad und ab zur Arbeit – wenn der geliebte Drahtesel denn noch da ist! Denn Fahrraddiebe betreiben in Hamburg schlimmer und dreister denn je ihr schmutziges Gewerbe. Gute Fahrräder sind sehr teuer – und Keller-Stellplätze knapp. Jetzt nerven in Eimsbüttel auch noch Behörden die gestresste Velo-Gemeinde mit rüden Anweisungen und drohen Parteien sogar, sichere Stellplätze in den 236 in Eimsbüttel stehenden achteckigen Fahrradhäuschen des Typs „Ottensen“ zu vernichten. Können Sie nicht glauben – dann lesen Sie mal …

Wir brauchen jetzt sichere
Fahrradstellplätze – und keine Knüppel zwischen die Beine
Karl-Heinz Letz,
Mieter eines Radstellplatzes

Um den vielen nach einem sicheren Stellplatz suchenden Radfahrern unbürokratisch und schnell zu helfen, wollten die Grünen in der Eimsbütteler Bezirksversammlung per Antrag erwirken, dass Initiativen und Begehren von Bürgern zum Errichten von Ottensen-Fahrradhäuschen als Sondernutzung ab sofort und bis Anfang 2024 wohlwollend zu prüfen und auch zu genehmigen sind. SPD, CDU und FDP stimmten aber – auch das pikant genug – gemeinsam gegen den Antrag. Die Grünen werfen speziell ihrem Senats-Koalitionspartner SPD vor: „Diese Blockadehaltung steht im deutlichen Widerspruch zum hamburgweiten Bündnis für den Rad- und Fußverkehr, das gerade von allen sieben Hamburger Bezirken und diversen Landesbehörden unterschrieben wurde“, wettern sie per Presseerklärung. Dieses Bündnis habe die Genehmigung des bisherigen Ottensen-Typs bis zur geplanten Einführung von neueren, moderneren Häuschen, die laut Behörde noch bis Mitte 2024 dauern kann, ausdrücklich empfohlen.

Der SPD-Fraktionschef in der Bezirksversammlung, Gabor Gottlieb, erklärt dazu: „Wir wollen nicht noch mehr Geld in eine alte Generation von Radhäuschen stecken. Fakt ist: Die Grünen hatten einfach keine Mehrheit für ihren Antrag.“ Fakt ist leider aber auch, dass in Eimsbüttel und ganz Hamburg weiter jede Menge Drahtesel geklaut wurden und werden.

Deshalb mietete sich der Eimsbüttler Karl-Heinz Letz bereits im Jahr 1997 einen Stellplatz im damals nagelneuen Radhaus im Stellinger Weg 32a. Und hat deshalb jetzt jede Menge Ärger mit dem Bezirksamt, dass inzwischen sogar mit dem Abriss des Häuschens droht.

Letz: „In einem Schreiben wurde mir erklärt, dass kein Verantwortlicher für dieses Fahrradhaus bekannt sei und sollte bis Ende Juli keiner gefunden werden, zeitnah der Termin des Rückbaus des Häuschens bekannt gegeben werde. Unfassbar, wie sollen wir mitten in den Sommerferien, wo eh kaum jemand erreichbar ist, einen Verantwortlichen benennen. Dabei wird nicht mal im Ansatz erklärt, wofür dieser Mensch denn die Verantwortung übernehmen soll.“

Auch die Argumente mit den ab 2024 geplanten neuen, modernen Häuschen überzeugt Letz überhaupt nicht: „Wir brauchen jetzt sichere Fahrradstellplätze – und keine Knüppel zwischen die Beine.“

 

Das sagt das Bezirksamt

Bezirksamtssprecher Kay Becker kann Karl-Heinz Letz in Sachen Fahrradhäuschen am Stellinger Weg beruhigen: „Der Wunsch Ihres Lesers ist verständlich und auch unsere Mitarbeiterin hatte ja zum Ausdruck bringen wollen, dass die Nutzer keine Sorge haben müssen, dass das Fahrradhäuschen kurzfristig abgerissen wird. Wir werden die Frist deshalb zunächst nun bis Ende August verlängern und dann einen möglichen Rückbau mit Frist von weiteren vier Wochen ankündigen. Im Ergebnis landen wir dann bei Ende September, so dass den Nutzern genug Zeit bleibt.“ EW

1 KOMMENTAR

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    vielen Dank für die ausführliche Berichterstattung über unser vom Abriss bedrohten Fahrradhauses am Stellinger Weg.
    Die Fristverlängerung bis nur 14 Tage nach Ende der Sommerferien und die Aussage des Bezirksamtsprechers Kay Becker, wir müssten keine Sorge haben, dass das Fahrradhaus kurzfristig (!) abgerissen wird, unterstreicht noch einmal die Willkür des Amtes. Die Interessen der Anwohner und Nutzer spielen für diese Bürokraten nicht wirklich eine Rolle.
    Mit freundlichen Grüßen
    Karl-Heinz Letz

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