Inzwischen fast völlig zugewachsen: die ehemalige Apotheke am Eichenplatz. Foto: cvs

Eichenplatz: Bezirksamt genehmigt dreistöckigen Neubau von Eigentumswohnungen: Warum starb die Linde ab?

Ch. v. Savigny, Osdorf

Seine Zeit ist endgültig abgelaufen: Das Rotklinkergebäude am Eichenplatz 16, das zwischen 1937 und 1973 die damalige Osdorfer Apotheke beherbergte, wird abgerissen und durch einen Neubau mit elf Eigentumswohnungen ersetzt. Nachdem das Altonaer Bezirksamt zuvor einen Entwurf mit vier Geschossen (zwei Sockel- und zwei Staffelgeschosse) abgelehnt hatte, wurde der neue Bauantrag mit nur noch einem Staffelgeschoss nun genehmigt. Zur Planung gehört auch eine Tiefgarage. Bauherr ist die Immobiliengesellschaft Nobtus. Wann die Bauarbeiten starten, steht noch nicht fest.

Zwei Stockwerke plus Staffelgeschoss: So soll das neue Wohnhaus am Eichenplatz aussehen. Grafik: Nobtus

Gegen das umfangreiche Bauvorhaben hatte sich bis zuletzt eine benachbarte Eigentümergemeinschaft gewehrt (das Wochenblatt berichtete). Durch den „Klotz“ werde die Umgebung verschattet, und ob der Eichenplatz – bislang eine ruhige Sackgasse – den zu erwartenden Zuwachs an Autoverkehr verkraften könne, sei mehr als fraglich.

Vom Fenster seines Arbeitszimmers aus konnte Klaus Jarr, Anwohner und Sprecher der Eigentümergemeinschaft, seit fünf Jahren den Verfall der alten Apotheke beobachten. „Monatelang ließ man eine Balkontür und eine Dachluke offen, sodass Regen, Hagel oder Sturm jederzeit Zutritt hatten“, berichtet er. Und noch etwas hat Jarr festgestellt: Die rund 30 Meter hohe und etwa 100 Jahre alte Krimlinde im Südosteck des Grundstücks habe dieses Jahr mit einem Mal keine Blätter mehr getragen.

Wer ist Schuld am Absterben der Linde?

Die Linde zwischen 2014 und 2022, aufgenommen jeweils im Mai: Spätestens beim Anblick des Fotos ganz rechts wird klar, dass hier etwas nicht stimmen kann. Fotos: Jarr

Die Schuld schiebt der Anwohner auf eine beauftragte Baufirma, die im April 2021 Baggerarbeiten am Fuß des Baumes durchgeführt habe. Tatsächlich zeigt ein von ihm aufgenommenes Foto zwei Angestellte, die offenbar mit einem Minibagger zugange sind.
Bei einem Ortstermin berichten weitere Anwohner dem Wochenblatt, der Linde sei vermutlich „das Wasser abgegraben worden“, um die Bauarbeiten zu beschleunigen.

Beweisen lässt sich dieser Vorwurf nicht. Niclas Hartmann, Projektmanager bei der Nobtus, spricht von „Pflegearbeiten“: „Es ist im Allgemeinen üblich, dass im Vorfeld des Bauantragsverfahrens ein Gutachten des bestehenden Baumbestandes durchgeführt wird“, so Hartmann. Von möglichen Grabungen erwähnt er nichts. Interessant ist in diesem Zusammenhang der Genehmigungsbescheid des Bezirksamts. Unter dem Stichwort „Naturschutzrechtliche Auflagen“ heißt es dort: „Der verbleibende Baum- und Heckenbestand ist zu erhalten und vor Beginn sowie während der gesamten Bauzeit zu schützen.“

Sven Hielscher, Bauexperte und CDU-Fraktionsvorsitzender in Altona, verteidigt das Bauvorhaben, das auch unter der Bezeichnung „B-Plan Osdorf 40“ bekannt ist. Die Zugeständnisse, welche die Politik gemacht habe, seien insgesamt nur „minimal“. „Auch Eigentum kann zur Linderung der Wohnungsnot beitragen“, so Hielscher auf den Vorwurf, bei dem Neubau handle es sich um ein reines „Investitionsobjekt“.

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