In Lurup und Osdorf gab es zwischen 2019 und 2021 insgesamt 425.000 Fahrgäste. Foto: ioki

HVV verbessert sein Angebot: E-Shuttle-Service bedient
zwei Jahre lang einen Teil des Bezirks – Ausweitung nach
Süderelbe vorerst nicht geplant

Olaf Zimmermann, Hamburg-Süd. In manchem Harburger Quartier ist der Weg zur nächsten Bushaltestelle weit. Zum Beispiel in der Mergell-Siedlung, im Kleefeld, im Kanzlershof, in der Sophienstraße oder der Großen Straße. Doch ab dem 1. Januar 2023 weitet der HVV sein Angebot in Harburg aus. Der ioki Hamburg Shuttle startet.
Die elektrisch betriebenen ioki-Fahrzeuge bringen ihre Fahrgäste zum Bahnhof, zur nächsten Bushaltestelle oder einfach drei Straßen weiter zum Arzt. Kosten pro Fahrt: HVV-Ticket plus Zuschlag (aktuell ein Euro). Entdeckt ein ioki Shuttle auf der Strecke Kunden, die in die gleiche Richtung möchten, werden diese mitgenommen.
Den Preis dafür, dass die weißen ioki-Fahrzeuge in Harburg eingesetzt werden, zahlen die Menschen in Osdorf und Lurup. Dort wird der ioki-Betrieb eingestellt und durch die für Fahrgäste deutlich teureren Moia-Shuttles ersetzt.

Welches Gebiet in Harburg wird von dem ioki Shuttle-Service bedient? Die Stadtteile rund um die Innenstadt von Harburg. Das Gebiet wird im Norden von der Süderelbe, im Westen von der Stadtteilgrenze Heimfeld und der A7 und im Süden/Osten von der Landesgrenze zu Niedersachsen begrenzt. Mit der Bezirksversammlung wurde das Einsatzgebiet nicht abgestimmt.

Auch in Süderelbe, etwa im Schnuckendrift, Ringheide, Talweg oder Waldfrieden, sind die Fußwege zu Bushaltestellen weit. Ist eine Ausweitung des ioki Shuttle-Angebots auf Süderelbe vorgesehen? „Zum jetzigen Zeitpunkt nicht“, sagt Christina Sluga, Sprecherin der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein. Die VHH sind für den ioki-Betrieb zuständig (siehe Infokasten).

Was kostet eine Fahrt im ioki Shuttle? Das wird im laufenden Genehmigungsverfahren noch geklärt. In Osdorf und Lurup zahlen Fahrgäste aktuell das HVV-Ticket plus einen Euro Zuschlag. Eine leichte Erhöhung des Zuschlags wird erwartet.

Wie bestellt man ein ioki Shuttle? Mit dem Smartphone die ioki-App laden, ein persönliches Konto anlegen, Ziel angeben.
Die Shuttles sehen von innen aus wie ein Londoner Taxi. Es gibt drei Sitze in Fahrtrichtung und drei Klappsitze gegenüber. Auch ein großer Kinderwagen oder Rollstuhl passen hinein.

Weil ioki nur per App funktioniert, werden viele ältere Menschen abgeschreckt. Warum kann ein ioki Shuttle nicht per Telefon bestellt werden? „Aufgrund der systembedingten Dynamik ist das Zwischenschalten einer telefonischen Buchungszentrale zwar technisch möglich, aber nicht zielführend“, sagt VHH-Sprecherin Sluga.

Wann genau wird ioki Hamburg in Harburg starten? Der Betrieb wird zum 1. Januar 2023 aufgenommen und stufenweise hochgefahren. Christina Sluga: „Im Sommer 2023 wird das komplette Zielgebiet bedient.“

Wie viele ioki Shuttles werden im Einsatz sein? Gestartet wird mit 30 Fahrzeugen. Bis zum Sommer wird die Zahl auf 40 erweitert.

Wird der ioki-Betrieb in Harburg bezuschusst? Vom wem? Mit wie viel? „Die Finanzierung von ioki erfolgt wie im ÖPNV üblich: zunächst werden Fahrgeldeinnahmen realisiert. Soweit die Kosten für die Leistung diese übersteigen, trägt die öffentliche Hand den Defizitausgleich. Dieses Prinzip gilt bisher und wird auch für das geplante ioki-Angebot in Harburg so gelten“, so die VHH-Sprecherin.
„Wie hoch das Defizit in Harburg ausfallen wird, hängt letztlich davon ab, wie gut das Angebot angenommen und zu welchem Tarif ioki zu buchen sein wird. Beides wird im Rahmen des noch laufenden Genehmigungsverfahrens abschließend geklärt.“

Auf wie viele Jahre ist der ioki-Einsatz in Harburg angelegt? Christina Sluga: „Der Verkehr soll für mindestens zwei Jahre angeboten werden und anschließend evaluiert werden.“

Werden für Senioren Schulungen zur ioki-Nutzung angeboten? „Ja“, so die VHH-Sprecherin, „Schulungsangebote für Senioren und Seniorinnen sind in Planung.“

Was verdienst ein ioki Hamburg-Fahrer? Die DB-Tochter ioki hat keine eigenen Fahrer. „Alle Fahrer der ioki Hamburg-Verkehre in Lurup/Osdorf und Billbrook sowie später dann in Harburg sind bei der VHH-Tochter Orthmann’s Reisedienst angestellt und erhalten eine faire und pünktliche Vergütung nach Tarifvertrag (OVN HH) inklusive Zuschläge für Nachtarbeit und Mehrarbeit“, sagt Sprecherin Sluga. „Der Bruttostundenlohn ab 01.01.2023 liegt bei 14,02 Euro.“

ioki Hamburg Shuttle

Der „ioki Hamburg Shuttle“ wird gemeinsam von der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH) und der DB-Tochter ioki auf die Straße gebracht. Dabei ist die VHH die Betreiberin des Shuttles. ioki hat das Projekt entwickelt und stellt die App zur Verfügung.
Das „ioki Hamburg Shuttle“ ist ein Verkehrsmittel im HVV und soll den bestehenden Angebot an Bahnen und Bussen ergänzen.

Weite Wege zum Bus

In welchen Bereichen des Bezirks ist die Busanbindung schlecht? Nachgefragt bei SPD-Verkehrsexperte Frank Wiesner: „Relativ weite Fußwege zu bestehenden Bushaltestellen gibt es in den südlichen Bereichen von Neugraben-Fischbek und Hausbruch, im westlichen Eißendorf, im südlichen Marmstorf, im östlichen Langenbek, in Randbereichen Rönneburgs und im nördlichen Wilstorf. Die genannten Quartiere im Kerngebiet Harburgs werden alle neu mit dem ioki bedient.
Dazu kommen noch weitere bessere Anschlüsse, zum Beispiel für Alteneinrichtungen wie an der Grumbrechtstraße, Eichenhöhe oder Am Frankenberg. Auch manches topografisch schwierige Wohnquartier – Beerenhöhe, Reeseberg, Harburger Schlossinsel – kann durch ioki deutlich besser erschlossen werden.“

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