Ortstermin an der Kieler Straße: Juliane Lietsche zeigt auf den Dreck hinter dem Zaun. Foto: Dirk Andresen

Von Dirk Andresen. Juliane Lietsche schaut auf die zerdepperten Flachmänner und Berge von Müll, die auf dem öffentlichen Durchgang zwischen der Kieler Straße und der Alten Volksparkstraße in Stellingen verstreut sind. „Früher war das hier ein Schandfleck“, sagt die 74-jährige Rentnerin verbittert, „ jetzt ist es das größte Drecksloch von ganz Stellingen“.

Ihre Wut ist nachvollziehbar. Seit Jahren verschandeln zwei völlig verkommene, halb verfallene und total versiffte Gebäude, in denen lange auch Obdachlose gehaust haben sollen, direkt an der Ecke Kieler Straße/Volksparkstraße die Gegend. Das zwischen den Häusern liegende Areal war früher einmal ein schmucker, gepflegter öffentlicher Durchgang zur Kieler Straße, ist inzwischen aber völlig heruntergekommen. Laub und Müll machen verborgene Treppenstufen zu gefährlichen Stolperfallen, riesige verfaulte Pappschilder liegen überall auf dem völlig verdreckten Gehweg. Die Straßenbeleuchtung geht schon lange nicht mehr. „Hier traut sich abends oder gar nachts kaum einer ’raus“, sagt Juliane Lietsche.

Nach Wochenblatt-Bericht kam die Stadtreinigung

Ihr Kampf gegen den „Dreck next door“ begann schon vor Jahren. Nur einmal, nachdem das Elbe Wochenblatt im vergangenen Jahr über die unhaltbaren Zustände berichtet hatte, wurde „hier von der Stadtreinigung sauber gemacht. Das war’s – seitdem haben sich die Zustände nochmal zugespitzt“, so Juliane Lietzsche.

Eine immer schlimmer werdende Rattenplage komme seit kurzem noch dazu. Ein Polizist habe ihr schließlich geraten, über das Bezirks- oder Grundbuchamt den Besitzer des Grundstückes zu ermitteln und diesen mit den Folgen der völligen Verwahrlosung seines Besitzes zu konfrontieren. Lietsche: „Das habe ich dann auch gemacht. Aber die beim Grundbuchamt blieben stur, Anspruch auf Auskunft hätte ich nur, wenn ich den Besitzer anzeigen wolle.“

So weit ist die kämpferische Seniorin jetzt tatsächlich. „Ja, ich werde Anzeige erstatten, wegen der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Nach all dem Ärger kommen da schließlich auch existenzielle Dinge für unsere Familie ins Spiel. Stellen Sie sich mal vor, wir wollen unser Haus hier verkaufen und ein potenzieller Käufer sieht dieses Riesendrecksloch neben unserem Grundstück. Das kauft zu vernünftigen Konditionen so doch kein Mensch mehr.“

Vertreiben lassen will sich Juliane Lietsche jedenfalls weder von unappetitlichen Nagern noch von sturen Amtsschimmeln: „Auch wenn viele Nachbarn genau so empört sind wie ich und trotzdem nichts tun: Ich wohne hier seit 69 Jahren – und ich will hier auch noch die letzten 20 Jahre meines Lebens glücklich sein.“

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