Die kleinen Wohnungen wurden von den Mietern um Dachbodenräume erweitert. Bisher duldete die Saga das. Foto: cvs

SÜLLDORF. Geht es nach dem Willen der Saga, muss sich ein Großteil der Bewohner der Siedlung Op‘n Hainholt/ Fuhlendorfweg neuerdings mit deutlich weniger Wohnraum als bisher zufrieden geben. Denn das kommunale Wohnungsunternehmen hat den Mietern der sogenannten „Oberwohnungen“ (gemeint sind die im ersten Stockwerk) die Nutzung ihrer Dachböden mit sofortiger Wirkung untersagt.
Hintergrund ist nach Aussage des Vermieters „fehlender Brandschutz“. Ein entsprechendes Schreiben an die Mieter wurde bereits im April geschickt. Für die Betroffenen kommt die Nachricht bisweilen einer Tragödie gleich: „Man zerstört die Existenz der Leute, die teilweise viel Zeit, Geld und Mühe in den Ausbau gesteckt haben“, sagt Anwohner Frank Westerfeld (Name geändert).
Das Problem: Die Wohnungen in der ab 1952 entstandenen Siedlung (rund 1.700 Bewohner) sind im Allgemeinen klein – mehr als 60 Quadratmeter sind die Ausnahme. Oft wohnen hier Familien mit kleinen Kindern. Um die Platznot zu lindern, hatte die Saga nach einer Sanierung vor 23 Jahren zugesagt, die Dachgeschosse zur Mitnutzung freizugeben.
Nach Aussage der Mieter wurden gemeinsam mit der Saga Heizungs- und Wasseranschlüsse verlegt, die angekündigte schriftliche Bestätigung blieb jedoch aus. Etliche Bewohner haben sich „ihre“ Dachböden seither aufwendig hergerichtet, teils sogar mit Schlaf- und Badezimmer. An einigen Stellen wird ihnen der Zutritt nun sogar durch neue, von der Saga angebrachte Schlösser verwehrt. Eine weitere Anwohnerin, die aus Sorge vor Repressalien anonym bleiben möchte: „Die Saga hätte anbieten können, das mit dem Brandschutz irgendwie zu regeln. Aber da ist gar nichts gekommen. Ich finde das unfair!“

Thema beschäftigt auch die Bürgerschaft
Laut Saga geht es im Wesentlichen um einen fehlenden zweiten Rettungsweg, also beispielsweise ein Dachfenster. Offenbar ist ein solches nicht überall vorhanden. „Die Mieter wurden schriftlich darauf hingewiesen, dass die Nutzung der Dachböden zu Wohn- und dauerhaften Aufenthaltszwecken nicht gestattet ist“, erklärt Saga-Sprecher Gunnar Gläser. Den betroffenen Mietparteien seien Gespräche „zur Prüfung etwaiger Lösungsmöglichkeiten“ angeboten worden.

Anke Frieling. Foto: PR

Inzwischen beschäftigt das Thema auch die Bürgerschaft: „Die Saga muss praktikable Brandschutzlösungen entwickeln und einen Ausbau der Dachgeschosse ins Auge fassen, anstatt kurzerhand den Zugang zu den Dachböden zu unterbinden“, sagt Anke Frieling, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. „In Zeiten extremen Wohnraummangels und nicht vorhandener Alternativen bringt die Saga ihre Mieterinnen und Mieter vor Ort in echte Nöte, anstatt konstruktive Lösungen zu entwickeln.“ Ein entsprechender Antrag der CDU wurde von der rot-grüne Koalition im Hamburger Rathaus jedoch abgelehnt.

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