„Engel der Obdachlosen“: Susanne Groth. Foto: stahlpress medienbüro

Von Jörg Marwedel. Theresa aus Mexiko hatte es sich so gut wie möglich eingerichtet unter der Antonibrücke nahe dem Fischmarkt. Sie hatte sich dort mit einer Matratze, Blumen und einer Lichterkette gemütlich gemacht. „Es war immer ordentlich“, sagt Susanne Groth vom Verein „Leben im Abseits“. Trotzdem hat das Bezirksamt Altona einen „Platzverweis“ gegen die Obdachlose ausgesprochen.

Bezirksamtssprecher Mike Schlink sagte der Obdachlosenzeitung „Hinz&Kunzt“, es seien dort „fünf Kubikmeter Müll, Kartons und Flaschen“ entsorgt worden. Die aber, so Groth, seien nicht von Theresa verursacht worden. Vielmehr seien solche Platzverweise „Machtspiel und Willkür der Polizei und Behörden“. Aber so eine Räumung sei ja nur eine „Problemverlagerung“, aber keine Lösung.

Geschätzt 2.000 obdachlose Menschen leben in Hamburg

Der Verein „Leben im Abseits“ versucht auf vielfältige Weise das Leben der Menschen, die auf der Straße wohnen, ein wenig zu verbessern. Die Zahl der Obdachlosen wurde 2021 auf 2.000 geschätzt, es waren vermutlich deutlich mehr und die Zahl steigt weiterhin. Die Journalistin Susanne Groth hat den Verein 2016 gegründet, nachdem sie mit dem Düsseldorfer Fotografen Markus Connemann 30 Gäste des „CaFée mit Herz“ auf St. Pauli interviewt hatte und daraus das Buch „Abseits – Vom Leben am Rande der Gesellschaft in Hamburgs Mitte“ gestaltet hatte.

Denn der Besuch in der Obdachlosen-Institution habe sie damals „tierisch mitgenommen“. Alle Einnahmen aus dem inzwischen 1.400 mal verkauften Buch gehen direkt ans „CaFée mit Herz“. Weitere Titel kamen dazu: „Unter dem Radar“ und die Broschüre „Abseits-Fibel“.

Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit ist aber nur ein Teil der Arbeit des Vereins, der von vielen Stiftungen, dem Hamburger Spendenparlament und auch dem FC St. Pauli unterstützt wird. Susanne Groth, die früher aus Kriegsgebieten berichtete, erhält seit 2019 von der Reimund C.-Reich-Stiftung ihr Gehalt und ist jeden Tag auf der Straße unterwegs. Der Verein arbeitet auch mit der Davidwache zusammen.
Seit Mai 2021 gibt es ein Projekt mit dem Ottenser Hotel „Schanzenstern“, das sechs Obdachlosen jeweils ein Zimmer zur Verfügung stellt. Mit Hilfe eines Sozialarbeiters wird versucht, diesen Menschen wieder eine Perspektive zu geben und neue Strukturen zu erarbeiten. 16 Menschen haben davon schon profitiert. Sie konnten wieder eigene Unterkünfte beziehen.

Ein anderes Projekt, ebenfalls seit Mai 2021, ist der gebührenfreie Personalausweis für Wohnungslose. Der Verein hat mit Hilfe des Straßensozialarbeiters und Linken-Politikers Johann Grasshoff diese Regelung durchgesetzt. Auch die CDU und FDP stimmten in Altona dafür. „Mit einem Ausweis steht und fällt alles“, sagt Susanne Groth.

Bei den Bürgern, sagt die gebürtige Wedelerin, habe ein Umdenken stattgefunden. Die seien aufmerksamer geworden, bei der Politik gehe das langsamer. Immerhin hat der Verein „Leben im Abseits“ schon manche Auszeichnung bekommen – zum Beispiel den „Bürgerpeis“ des Bezirks Mitte sowie den Annemarie-Dose-Preis, der nach der Gründerin der Hamburger Tafel benannt ist. Das habe sie schon etwas stolz gemacht, sagt Susanne Groth, obwohl sie sonst mit diesem Wort so ihre Probleme habe.

>> www.leben-im-abseits.de

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