Gut gelaunt am Steuer: So wie diesen Fahrer kennt man die Lenker des Sammeltaxendienstes ioki im Hamburger Westen. Foto: Wolfgang Köhler/VHH

Als das ioki-Sammeltaxi im Elbe Kino Medienvertretern aus ganz Deutschland vorgestellt wurde, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ ausführlich über dieses Beispiel für Mobilität der Zukunft. Doch mit den E-Taxen ist es rund um die Osdorfer Landstraße bald vorbei: Verkehrssenator Anjes Tjarks gab am Montag in einer Pressemitteilung bekannt, dass ioki in Osdorf und Lurup zum Jahresende eingestellt wird. Im Gegenzug wird das Angebot des Sammeltaxidienstes Moia auf dieses Gebiet ausgedehnt.

Die Deutsche Bahn, die hinter ioki steckt, hatte Osdorf und Lurup 2018 im Elbe zum Versuchsgebiet erklärt, weil moderne Datenanalyse in diesen schlecht an Bus und Bahn angebundenen Stadtteilen den größten Bedarf ermittelt hatte. Der moderne Shuttleservice, den Kunden über eine App auf ihrem Smartphone buchen können, wurde zur Erfolgsgeschichte. Die E-Autos, die britischen Taxis nachempfunden sind, gehören im Westen zum Stadtbild.

Die Entscheidung, künftig Moia statt ioki in Osdorf und Lurup fahren zu lassen, wird von Anke Frieling (CDU) scharf kritisiert. Die Bürgerschaftsabgeordnete fordert: „ioki muss bleiben.“ Der Dienst, der von den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) angeboten wird, habe wenigstens eine kleine Erleichterung gebracht, der angedachte Ersatzdienst Moia sei für Fahrgäste deutlich teurer. Für ioki müssen die Nutzer den HVV-Tarif plus einem Euro Aufschlag zahlen.

Die VHH hatten ioki nach 2018 auch auf Billbrook ausgeweitet. Mehr als 730.000 Fahrgäste, die in den vergangenen vier Jahren rund 4,2 Millionen Kilometer zurückgelegt haben, wurden gezählt. „Nun freuen wir uns, das in Lurup/Osdorf und Billbrook Gelernte in Harburg weiter auszubauen und weiter zu entwickeln“, wurde Toralf Müller (Geschäftsführer VHH) in der Mitteilung des Senats zitiert.

Das klingt fast so, als habe das Versuchskanichen nun seine Schuldigkeit getan. Dabei haben insbesondere die VHH viel dafür getan, damit Osdorfer und Luruper das Angebot annehmen. So wurden Schulungen in Senioreneinrichtungen angeboten und 50 Fahrer eingestellt, über die keine Beschwerden zu hören waren. Nun könnten die Chauffeure nur noch in Harburg oder in Ahrensburg und Rahlstedt eingesetzt werden, wo ioki weiter oder zukünftig läuft.

Osdorf und Lurup bleiben nach der Senatsentscheidung die Todeszone des Hamburger Nahverkehrs. Hier wurde eine U-Bahn beerdigt, mehrere Stadtbahnverbindungen abgeblasen und Schnellbuslinien ersatzlos eingestellt. Und bei der seit einigen Jahren unter dem Arbeitstitel S32 geplanten S-Bahnline ist zuletzt wieder Friedhofsruhe eingekehrt.

Moia: Damit die elektrischen Busse überhaupt nach Osdorf und Lurup fahren, muss Geld vom Staat gezahlt werden. Es gibt Geld aus dem Topf des Bundesverkehrsministeriums für das Modellprojekt „Auf dem Weg zum Hamburg-Takt“. Momentan laufe, so der Senat, der Genehmigungsprozess.

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