Pastor Torsten Morche freut sich über das geborgene Altona Stadtwappen
Pastor Torsten Morche freut sich über das geborgene Altona Stadtwappen

Grabungen in Altona geben Geheimnisse preis.

Es hätte niemand vermutet, dass unter der Grünfläche zwischen Königstraße und der Hauptkirche St. Trinitatis Altona sich eine „Altona Sensation“ befindet, die es vorher so im Stadtteil noch nicht zu sehen gab. Zwar hatten Archäologen schon im Januar 2021 auf dem Gelände Schürfproben gemacht, um zu sehen, was sich dort unter der Erde befindet, bevor das geplante „Trinitatis Quartier“ gebaut werden kann, aber als es dann im März 2022 mit Archäologischen Grabungen losging, die von dem Archäologiebüro AchOn durchgeführt werden, kamen auch die Profis nach und nach aus dem Staunen nicht mehr heraus, als sie mit kleinster Feinarbeit und viel Geduld ein kleines „Pompeji“ freilegten. Damit hatte keiner gerechnet: Diverse Keller, unerwartet gut erhalten, entlang der ehemaligen Kibbelstraße, die den Bombenangriff Operation Gomorrha 1943 überstanden haben und uns nun ihre Geschichte erzählen. Anhand eines Adressbuches von 1836 konnten sogar konkrete Gebäudereste mit einem Tischlermeister, einem Schuhmachermeister, einem Schneidermeister und Arbeitern in Verbindung gebracht werden. Verschiedene Gebrauchsgegenstände, die gefunden wurden, wie z.B. Flaschen, Geschirr, Besteck, Zeugnisse von Handwerk und auch Souvenirs gaben Auskunft darüber was den Bewohnern damals wichtig im Leben war. Aber auch, was die Menschen in jenen Bombennächten erleiden mussten, wenn man anhand geschmolzener Gegenstände sehen kann, wie z.B. Flaschen und Gläser sich bei großer Hitze verformten. Wie wird es wohl damals gewesen sein, in der Kibbelstraße zu leben, als alles noch intakt war, oder auch wenn Schutz vor dem Bombenhagel im Keller gesucht wurde? Gibt es heute noch Zeitzeugen, die darüber berichten können? Das wäre ein wahrer Schatz, um den Gebäuderesten wieder ein wenig Leben einzuhauchen. Was passiert mit den von den Archäologen umfassend dokumentierten Fundsachen? Pastor Morche von der Hauptkirche St. Trinitatis könnte sich vorstellen, dass einige der Fundstücke später Platz in den Neubauten finden könnten. Bezirksamtsleiterin Dr. Stefanie von Berg würde sich auch darüber freuen, wenn einiges davon im Rathaus Altona zu sehen wäre. Für Grabungsleiter Jan Bock wäre es eine schöne Vorstellung, wenn die freigelegten Ruinen, Überdacht und für Besucher begehbar gemacht würden. Aber leider ist der Fundus nicht für die Ewigkeit und muss Platz für die geplanten Neubauten machen. Durch umfangreiche Berechnungen, Messungen, Fotos, Dokumentationen, Filmaufnahmen, von unten und von oben aus der Luft bleibt alles Erhalten. Nichts geht dadurch Altona verloren. Freigelegt wurden nicht nur die Kellerruinen, sondern auch mehrere Bestattungen und zwei Grüfte des alten Friedhofs (17.-19. Jahrhundert). Die gesammelten Gebeine kommen nach ihrer gründlichen Untersuchung auf den Friedhof Diebsteich und werden dort ihren Ruheplatz bekommen. Ein besonderes Highlight war es, als ein Relief aus Sandstein mit dem Stadtwappen Altonas geborgen wurde. Wo kam es her? Vom damaligen Rathaus Altona? Das war zu weit weg. Für die Archäologen war es ein Rätsel, wo es wohl einstmals angebracht war. In einem alten Buch fand ich den Beleg, dass das schöne Altonaer Stadtwappen vom Nordportal der Hauptkirche von 1742 stammt, darüber die dänische Krone, – das Geheimnis ist gelüftet. Die Arbeiten werden voraussichtlich bis zum Winter 2022 andauern.
Wer mehr über die Ausgrabung sehen und wissen möchte, findet das auf YouTube Altonello-TV: https://www.youtube.com/watch?v=UVhGa324hBk&t=978s
Siehe auch: www.hauptkirche-altona.de// Kirchenstraße 40, 22767
Zeitzeugen aus den Kriegs- und Nachkriegstagen werden dringend gesucht. Wer etwas zu berichten hat, bitte im Pastorat der Hauptkirche St.Trinitatis melden. (040 389 34 77)

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here