Das Consus-Motto „Mehr Altona pro Quadratmeter“ wird der Konzern wohl kaum mehr in die Tat umsetzen können.

Holsten-Areal: Fragwürdiger Investor darf nicht bauen, will aber auch nicht an die Stadt verkaufen

Matthias Greulich, Altona

Die Recherchen von Christoph Twickel werfen ein denkbar ungünstiges Licht auf das Geschäftsgebaren der Adler Group. In „Immobilienpoker – Die dubiosen Geschäfte eines Wohnungskonzerns“, an dem der Altonaer Journalist und sein Kollege Michael Richter acht Monate gearbeitet haben, wird geschildert, dass der Konzern offenbar im großen Stil seine Handwerkerrechnungen nicht bezahlt habe. Der Film des NDR und des rbb lief am Montag in der ARD, wo er auch in der Mediathek abrufbar ist. Die Adler Group hatte sich auf Anfragen des Senders nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Zum undurchsichtigen Firmengeflecht von Adler zählt auch die Consus Real Estate AG, die auf dem Holsten Areal 1.300 Wohnungen bauen will. Alles sollte schon 2021 fertig sein, doch läuft derzeit noch der Abriss der Brauereigebäude.

Es stehe viel Unsinn in der Zeitung, so der Consus-Manager

Beim Hamburger Immobilienforum, das vor zweieinhalb Wochen im Hotel Hafen Hamburg stattfand, verwies Thomas Fründt (Consus-Bereichsleiter für das Holsten-Areal) jeden Zweifel an seinem Unternehmen in das Reich der Fabel. Es stehe viel Unsinn dazu in der Zeitung. Fründt warnte Hamburg, an eine Enteignung des Grundstücks zu denken. Dazu gebe es keinen Grund.

Vor dem Hotel demonstrierten Mieter für bezahlbaren Wohnraum. So forderten unter anderem der Hamburger Mieterverein und die Linke, Consus das Grundstück zu entziehen. Die Stadt und der Bezirk Altona haben bereits die Reißleine gezogen: Das Bebauungsplanverfahren für das Holsten-Areal ist seit Ende Mai ausgesetzt. Das gilt auch für den städtebaulichen Vertrag mit Consus, über den das Bezirksamt monatelang verhandelt hatte.

Im Twickel-Film sagt die Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), dass gegen die Adler Grup ein Bilanzkontrollverfahren laufe. Als „Peinlichkeit für den Finanzplatz Deutschland“, bezeichnete Melanie Bergermann („Wirtschaftswoche“), die Vorgänge um Adler. Die Journalistin hatte den Wirecard-Skandal mit aufgedeckt.
Das Holsten-Areal wird in den Bilanzen mit 328 Millionen Euro angegeben. Diesen „Mondpreis“ werde Hamburg nicht bezahlen, so Finanzsenator Andreas Dressel. Ein Kaufangebot der Stadt habe der Konzern bislang abgelehnt.

Das Problem sei, so Twickel in einem Kommentar auf „Zeit online“, dass jeder für die Stadt halbwegs vernünftige Verkaufspreis das Adler-Kartenhaus endgültig zusammenbrechen ließe. Dann würden die Adler Geldgeber, und auch die Vonovia, die 20 Prozent der Adler-Aktien hält, viel Geld verlieren. „Also machen alle weiter wie bisher“, so Twickel. Das sei der eigentliche Skandal.

 

Share Deals

Die Initiative „Knallt am dollsten“ fordert schon länger, dass das städtische Vorkaufsrecht auch bei sogenannten „Share Deals“ gelten müsse. Bei diesen erfolgt der Unternehmenskauf durch den Erwerb von Anteilen der zum Verkauf stehenden Gesellschaft. So kam auch die Adler Group an das Grundstück, als sie dessen Eigentümer Consus übernahm. Die fällige Grunderwerbssteuer sparte Adler ebenfalls. Diese Umgehungsgeschäfte könnten per Gesetz reguliert werden. Dafür sprach sich auch Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg im Twickel-Film aus.

www.ardmediathek.de

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