Vor ihrem „Coronabeet“: Sönmez Ugurlu (l.) und Helmut Behr. Foto: Dirk Andresen

Wie die Freunde Helmut Behr und Sönmez Ugurlu für mehr Menschlichkeit und Artenvielfalt sorgen

Dirk Andresen, Eimsbüttel

Mehrere Minuten luschert die ältere Dame in das knallbunte Gewirr aus Blüten, Stängeln, Gräsern und Blumen. „Das gibt es doch nicht“, kichert sie begeistert, „da ist tatsächlich eine Libelle.“ Erstaunlich genug, bedenkt man, dass das bestaunte Biotop nicht in einer idyllischen Seenlandschaft, sondern direkt am Asphalt der Methfesselstraße 63 liegt.

Auf zwölf Meter Länge und zwei Meter Breite haben auf dem dort vor gut zwei Jahren noch öde-sandigen Seitenstreifen Helmut Behr (73) und sein türkischer Freund Sönmez Ugurlu (57) eine „Coronabeet“ als Zeichen der Solidarität eingerichtet. Jeder durfte mitgärtnern, Ratschläge geben, Hand anlegen, helfen – nicht nur im Beet.

Wir sind wirklich sowas wie ein neuer Kommunikations-Hotspot
in Eimsbüttel
Sönmez Ugurlu,
CoronaBeet-Initiator

Helmut Behr: „Wir wollten, dass in Zeiten, in denen viele immer einsamer und isolierter wurden, Freundschaften entstehen, dass aus Gesprächen Sympathie und Zuneigung wachsen kann. Dieses Beet sollte zu einem Zeichen der Hoffnung und des Zusammenhalts werden. Ich denke, dass ist uns wirklich gelungen.“

Hunderte von Eimsbüttlern machen in dem kunterbunten Garten inzwischen mit. Behr: „Manche bringen Blumen und andere Pflanzen, andere nehmen einfach eine Hacke und helfen beim Gärtnern. Dann sieht man wieder jemanden, der anderen die Insekten erklärt – genau so haben wir uns das gewünscht.“ Sönmez Ugurlu ergänzt grinsend: „Wir sind wirklich sowas wie ein neuer Kommunikations-Hotspot in Eimsbüttel.

Ein weiterer sehr löblicher und zukunftsweisender Aspekt bei dem Projekt: Auch im Kampf für die Artenvielfalt leistet das Coronabeet beste Dienste. Helmut Behr staunt selbst nicht schlecht: „Inzwischen haben wir viele Pflanzen im Beet, die Insekten anziehen. Lupinen, Stockrosen, Malven, Sonnenhut, Ehrenpreis, Kornblumen. Ein Paradies für alles, was kreucht und fleucht. Und jetzt offenbar sogar für Libellen.“

Und ein kleiner, aber sehr feiner Garten, in dem zwischen Betonwänden und Asphaltsträngen Freundschaft, Solidarität und jetzt auch noch die Artenvielfalt wächst und gedeiht – was will man mehr!

 

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