Frühaufsteher: Das Kitzretterteam mit Jäger und Drohnenpilot Maz Rashid (vorne kniend)startet im ersten Morgenlicht. Foto: Rashid

Von B. Neumann/ G. Pöpleu

Konzentriert blickt Jäger Maz Rashid auf den Monitor der Wärmebilddrohne. Immer wieder tauchen auf dem Bild helle Flecken auf. Wärmesignale, die von Maulwurfshügeln oder Holzstücken stammen können – oder aber von einem Rehkitz, von Junghasen oder Wiesenvogelgelegen. Schon 14 Mal war der Kitzretter-Obmann der Bezirksjägergruppe Altona in diesem Frühjahr mit seinen Teams unterstützt vom Verein Kitzrettung Hamburg unterwegs, um Rehkitze und andere Jungtiere vor den Messern der Mähtraktoren zu retten.
In diesem Jahr organisieren die Altonaer Jäger erstmals für den gesamten Hamburger Westen das Absuchen der Felder vor dem Mähen mit der Wärmebilddrohne. Um vier Uhr haben sie sich im ersten Morgenlicht zwischen den Knicks der Sülldorfer und Rissener Feldmark getroffen. Mit leisem Surren steigt die Drohne 80 Meter hoch, fliegt dann auf vorher programmiertem Kurs das Feld ab, das später gemäht werden soll. Die Helfer folgen der Drohne am Boden durch das hohe Gras. Rashid und sein Co-Pilot erkennen auf den Monitor einen verdächtig hellen Punkt – ein Rehkitz? Rashid stoppt die Drohne und dirigiert jemanden aus dem Bodentrupp per Funk zum Fundort.

Mit dicken Handschuhen und viel Gras wird das Mini-Reh in eine Box gesetzt. Die Helfer achten darauf, die Kitze nicht direkt zu berühren, damit die Mutter sie wieder annimmt. Foto: JGP.Altona

Tatsächlich liegt dort ein Rehkitz regungslos und durch sein geflecktes Tarnkleid fast unsichtbar im Gras. Eigentlich ein guter Schutz gegen Füchse oder Raubvögel, Bei einem Mähtraktor jedoch eine tödliche Falle, denn deren Fahrer könnte das Tier ebenfalls kaum erkennen. So sind in der Feldmark immer wieder Rehkitze durch Mäher getötet worden.
Das gerade gefundene Kitz hat Glück: Es wird mit einem Kescher abgedeckt, damit es nicht wegspringen kann, und in eine mit Gras ausgekleidete Gitterbox an den Feldrand gesetzt. Nach dem Mähen werden die Kitze wieder an den Fundort gesetzt, so dass sich Mutter und Kind über leise Fieplaute wiederfinden können.
Dann geht es weiter zum nächsten Feld. Gegen 8 Uhr ist „Feierabend“, denn dann lässt die Sonnenwärme die Temperaturunterschiede zwischen Tier und Gras verschwimmen – Kitze sind für die Wärmebildkamera nicht mehr erkennbar. Rashids Suchergebnis bekommt der Landwirt als Protokoll, kann so seine Sorgfalt dokumentieren. Gegen Ende Juni ist die „Kitzrettungssaison“ beendet. Die jungen Tiere sind dann so groß, dass sie die Wiesen bei Gefahr selbstständig verlassen können.
Eingemottet wird die Drohne dann aber nicht. Bis zum nächsten Frühjahr müssen weitere Piloten ausgebildet und Einsätze geprobt werden. Und Maz Rahid hat noch größere Pläne: mit den Landwirten und Jagdpächtern zusammen wird er Versuche starten, wie man auch die Wiesenbrütergelege sicher und systematisch aus der Luft aufspüren könnte, um sie dann deutlich zu markieren. Denn bislang sind die Nester am Boden ebenso wie die Junghasen eher noch Zufallsfunde.

Das sagen Tierschützer
Einige Tierschützer fordern, man könne Wiesen später mähen, wenn die Kitze groß genug wären, um sich in Sicherheit zu bringen. Das lässt Jäger Rashid nicht gelten: „Für die Landwirte ist jeder Ballen Heu wertvolles Futter für Tiere. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Ernährung der Menschen. Alles Gras, das hier bei uns nicht gemäht wird, muss von woanders herkommen. Und dort geht es den Rehen nicht besser als bei uns“.
Und betreiben die Jäger bei der Kitzrettung nicht „Greenwashing“ für die eigentliche Jagd, verschleiern also nur „üble“ Taten durch die Kitzrettung? „Es geht uns hier um ganz elementaren Tierschutz“, sagt Rashid. Denn zu den Grundsätzen der Jagd gehöre für jeden Jäger die „Weidgerechtigkeit“. „Das heißt: Wir versuchen, Tieren Leid und Schmerzen zu ersparen wo immer wir es können.“

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