Im Doppel-Parklet: Initiator Stefan Köttgen (zweiter v. l.) und seine Nachbarn Laura Fisser und Niklas Ziegenrücker. Andreas Tintemann (l.) unterstützt das Projekt, das er in seiner Straße auch gern umsetzen würde. Foto: Maren Langenbach

Das erste Parklet Hamburgs steht am Eppendorfer Weg

Maren Langenbach, Eimsbüttel

„Das haben Sie sehr schön gestaltet, ich erfreue mich jedes Mal daran, wenn ich auf dem Weg zum Sport vorbei laufe“, sagt eine Anwohnerin, die mit dem Fahrrad an dem begrünten Parklet vorüberschiebt. Stefan Köttgen freut die Reaktion auf seine kleine Oase – ein Fleckchen Grün zum Verweilen und Genießen für alle. Direkt vor ihrem Mehrfamilienhaus im Eppendorfer Weg 169 haben er, seine Frau Jutta Mörstedt und sechs weitere Parteien aus ihrem Haus einen Platz für Insekten und Blumenliebhaber geschaffen, wo vorher zwei Parkplätze waren.

Auf 24 Quadratmetern haben die Naturschützer Pflanzkästen gebaut und aufgestellt, Holzbänke gekauft, und heimische Blumen, Pflanzen und Kräuter wie die Glockenblume, Mohn, Salbei und Blaukissen sowie säckeweise Erde zu einem bunten Ganzen verbunden. „Es ist wie der berühmte Platz unter der Dorflinde, wo sich die Gemeinschaft trifft. Nur, dass wir uns in der Stadt und unter einem Ahorn befinden“, sagt Stefan Köttgen mit Blick auf die in U-Form stehenden etwa ein Meter hohen Pflanzkästen, deren blühendes Innenleben, bestehend aus 30 verschiedenen Pflanzen, gerade viele Insekten anlockt.

Initiatorin Jutta Mörstedt teilt sich das Gießen der Blumen mit den anderen Mitstreitern des Projekts. Foto: Maren Langenbach

Die drei Bänke, die zur Sicherheit angekettet sind, stehen nebeneinander im Inneren des Halbrunds. Die Idee hinter dem Doppel-Parklet, das von Landschaftsgärtnerin Wanda Rudolph geplant wurde: „Die Menschen für den Schutz der Natur und der Insekten, für den Erhalt der Artenvielfalt sensibilisieren, und gleichzeitig eine Begegnungsstätte schaffen, auf einer Fläche, die sonst nur von Autos genutzt werden würde“, weiß Jutta Mörstedt. Gemeinsam mit ihrem Mann ist sie im Nabu Hamburg aktiv und pflegt noch weitere Grünflächen, durch die sie auch Schulklassen führt. Außerdem möchten das Ehepaar und ihre Mitstreiter Menschen im Stadtteil einladen, die Bänke zum Klönschnack, zum Verweilen und zum Natur Genießen zu nutzen.

„Es ist das erste derartige Parklet in Hamburg, wir sind also Vorreiter“, so Köttgen stolz. Über Nachahmer würden sich die Naturexperten freuen, die seit Februar an dem Projekt, das ausschließlich aus nachhaltigen Materialien besteht, gearbeitet haben. „Jeder kann es ebenfalls in seiner Straße umsetzen“, so der pensionierte Lehrer, der von den um zwei Parkplätze „ärmeren“ Autobesitzern nur selten Kritik für das Projekt erntet.

„Es bedarf natürlich einiger Vorbereitung, Anträge müssen zum Beispiel bei der Stadt eingereicht werden, und auch die Pflege des Ganzen muss gewährleistet sein.“ Auch sind die genaue Platzierung auf dem Fußweg, die Höhe der Holzkästen, sowie die Außenmaße festgelegt.

Das Bezirksamt Eimsbüttel unterstützt das Projekt, das zunächst für ein Jahr genehmigt wurde, mit 2.000 Euro. Eine Verlängerung ist möglich. „Ich bin begeistert und habe hier gern mitgeholfen“, betont Andreas Tintemann. Er wohnt in der Nachbarschaft und würde gern in seiner Straße auch ein Parklet bauen.

>> Kontakt per E-Mail an stefankoettgen@gmx.de

Parklet

Es begann 2013 in San Francisco. Dort wurde eine Sitzgelegenheit auf einem Parkplatz gebaut und Parklet genannt. Andere Städte in den USA zogen nach. In Deutschland folgten Stuttgart (2015) und ein Jahr später Berlin. EW

 

 

 

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