Günter Zint 2010 in der Großen Freiheit, wo sich der Star-Club (und später das Sex-Theater „Salambo“) befand. Foto: Archiv/RS/Stahlpress

Günter Zint über das Sankt Pauli Museum, seine Stiftung und den bevorstehenden 81. Geburtstag – ein Interview

Jörg Marwedel, St. Pauli

Am 27. Juni feiert der „Gebrauchsfotograf“ (Eigenbeschreibung) Günter Zint seinen 81. Geburtstag. Und zwar in Nissis Kunstkantine am Dalmannkai 6 in der Hafen City. Dort findet gerade die Ausstellung „Kiezromantik und urban Stories“ bis zum 18. August statt mit Bildern von ihm selbst sowie Janick Zebrowski und Alain Marie. Aber den Beatles-, Star-Club-, 68er-, Anti-Atomkraft- und St. Pauli-Fotografen beschäftigen noch andere Dinge: Wie geht es weiter mit dem von ihm gegründeten Sankt-Pauli-Museum und seiner neuen Stiftung, die mehr als sechs Millionen von ihm geschossene geschichtsträchtige Fotos betreut? Elbe Wochenblatt-Mitarbeiter Jörg Marwedel sprach mit ihm.

Wunsch-Location altes Schwimmbad Spielbudenplatz: Hinter der Fassade befindet sich seit Jahrzehnten – nichts. Foto: RS / Stahlpress

EW: Nachdem das Sankt-Pauli-Museum Ende 2020 wegen der Pandemie schließen musste und zumindest in einer Ausstellung im Schwedenspeicher in Stade fortbestand, hatten Sie große Hoffnung, das Museum am Spielbudenplatz auf der Reeperbahn wieder auferstehen zu lassen. Wie ist der Stand?
Günter Zint: Es gibt schlechte Nachrichten. Obwohl Udo Lindenberg das Grundstücks-Gutachten bezahlen wollte, hat der Besitzer Rolf Mahnke es jetzt an Corny Littmann verpachtet. Der will wohl neben seinem Schmidts Tivoli Partys feiern lassen. Dort, wo mal St. Paulis alte Schwimmhalle war. Mahnke ist ein Spekulant, Littmann war mal links, inzwischen ist er link. Wir haben jetzt ein heimatloses Heimatmuseum.

EW: Und wie geht es weiter?
Zint: Die Ausstellung wandert erstmal weiter nach Lüneburg. Und wer eine Olivia-Jones-Kieztour bucht, kann in einem Showroom in der Schmuckstraße noch ein paar Schmuckstücke sehen.

EW: Aktuell haben Sie gerade nahe Gorleben mit den Autoren das Buch „50 Jahre Anti-AKW-Bewegung“ vorgestellt, das wesentlich von Ihren Fotos lebt.
Zint: Ja, da ist alles drin, was wir erlebt haben. Ich sage immer, das Objektiv an meiner Kamera ist das einzige, was an mir objektiv ist. Ich war immer auf beiden Seiten – einerseits Journalist, aber auch Betroffener. Günter Wallraff, für den ich die Fotos für seine Undercover-Bücher gemacht habe, sagt: Du warst immer Teil der Bewegung.

EW: An wie vielen Büchern haben Sie mitgewirkt?
Zint: Ich bin selbst überrascht – zu etwa 1.750 Büchern habe ich etwas beigetragen. 92 Bücher sind unter meinem Namen erschienen. „Gegen den Atomstaat“ hatte 30 Auflagen und mehr als eine Million Exemplare. Für mich das schönste Buch ist das 1984 erschienene „Die weiße Taube flog für immer davon“. Dass waren Porträts, die Menschen mussten sich darin selbst beschreiben. Viele Bücher werden jetzt wohl zum bevorstehenden 80. Geburtstag meines Freundes Günter Wallraff neu aufgelegt.

EW: Neuerdings gehören ihre Fotos der Günter-Zint-Stiftung. Das heißt, Ihr Lebenswerk ist gesichert.
Zint: Das habe ich Andreas Heller, Udo Lindenberg und Jan-Philipp Reemtsma zu verdanken. Reemtsma riet mir, mich mit der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur in Verbindung zu setzen. Jetzt habe ich sieben bis acht wissenschaftliche Mitarbeiter, dazu Eva Decker aus dem Sankt-Pauli-Museum als Freie. Udo Lindenberg, mit dem ich das Museum 1988 gründete, ist auch weiter dabei. Das ist eine Freundschaft, die nicht rostet. Udo ist politisch und mit der Kohle immer korrekt gewesen.

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