Eine Art Kulturzentrum in Osdorf: Der Heidbarghof. Foto: JÖM

Von Jörg Marwedel

Die Vorsitzende Astrid Brockmann hat schon im April im Mitteilungsblatt des Bürger- und Heimatvereins BHV Osdorf die Situation als „dramatisch“ bezeichnet. Nachdem „zahlreiche Aufrufe“ zu ehrenamtlichem Einsatz „ungehört verhallt“ seien, müsse man davon ausgehen, dass der Verein 2023 aufgelöst werde. Etwa 500 Mitglieder wären betroffen. Eine Entscheidung, ob es mit dem überalterten Verein weiter gehe, falle nach der Sommerpause.
Hinrich Langeloh junior, dessen Vater den Verein vor 58 Jahren gründete, ist empört. Langeloh senior wäre „entsetzt, wie seine Erben mit diesen Institutionen umgehen“, sagt er. Denn auch der Heidbarghof der Elisabeth-Gätgens-Stiftung in der Langelohstraße, der eine Art Osdorfer Kultur-Zentrum war und dem Langeloh senior ebenfalls vorstand, ist – nicht nur wegen Corona – in eine schwere Krise geraten.

Nach dem Jazz-Frühschoppen mit der Old Merry Tale Jazzband am 8. Mai wurde im Heidbarghof schon die Sommerpause ausgerufen. Man sei „noch in der Findungsphase“, sagt Vorstandsmitglied Maren Gebauer nach dem Abschied des langjährigen ehrenamtlichen Geschäftsführers Hinrich Langeloh junior im Dezember 2021.

Im September gibt es ein neues Programm
Aber im September werde ein neues, abgespecktes Programm mit Lesungen, Theater und zwei bis drei Konzerten vorgestellt. Viele ältere Osdorfer seien bei dem bisher von Folkmusik dominierten – von Langeloh organisierten – Programm nicht auf ihre Kosten gekommen, sagt sie. Einen Nachfolger für die Kulturarbeit der Stiftung gibt es aber bisher nicht.
Beim Bürgerverein fehlt es vor allem an jungen Leuten. Als Langeloh vorschlug, das vom ihm geförderte junge Kulturfestival „Crossdorf“ mit dem Bürgerverein zusammenzubringen, lehnte der Vereinsvorstand ab. Die beiden Gruppierungen würden nicht die gleichen Ziele verfolgen. Man wolle sich nicht „vereinnahmen“ lassen, teilte Astrid Brockmann mit. Aber eines sei auch klar: „Viele unserer Mitglieder können nicht mehr.“ Sie seien nicht mehr fit genug, um Aufgaben zu übernehmen.
Beide Organisationen, die bisher eng zusammenarbeiten, müssten sich „einer Generalüberholung unterziehen“, fordert Hinrich Langeloh. „Der BHV bietet seit 30 Jahren immer das gleiche an und wundert sich, dass es keinen Nachwuchs gibt.“ Um neue, engagierte Mitglieder anzuziehen, müsste man auch Themen wie Mobilität oder Nachhaltigkeit diskutieren.
Nicht auszuschließen, dass Hinrich Langeloh das Erbe seines Vaters doch noch zu retten versucht und sich zur Wahl als BHV-Vorsitzender stellt. Denn eine Auflösung des Vereins entscheidet nicht der Vorstand, sondern eine Versammlung. Auch ein Meeting zur Rettung des BHV ohne Vorstand sei nicht ausgeschlossen, sagt er. Wenn beide Institutionen keine Zukunft mehr hätten, habe „Osdorf abgewirtschaftet“.
Zumindest das jährliche Festival „Crossdorf“, das auch vom Bezirksamt Altona finanziell unterstützt wird, will Hinrich Langeloh trotzdem weiterentwickeln. Mit „noch mehr Kooperationen, neuen Orten und neuen Ideen“, kündigt er an.

 

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