Hier steht die Zukunft: ein Teil der neuen Fußball-Jugendabteilung . Foto: PR

Waldemar Düse, Moorburg. Der Moorburger TSV wird stolze 125 Jahre alt. Gefeiert wird das Vereinsjubiläum an diesem Wochenende 18./19. Juni auf dem Sportplatz Moorburger Elbdeich. Die Besucher erwartet ein umfangreiches Programm, bei dem auch die Freiwillige Feuerwehr, der Schützenverein Moorburg und der Verein Elbdeich tatkräftig unterstützen. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

Dass 125 Jahre eine lange Zeit sind, ist eine Binsenweisheit. Manchmal reicht schon eine kleine Anekdote, um zu erkennen, was sich innerhalb eines solchen Zeitraums alles verändert. Ein Blick in die Vereinschronik: Im März 1897 finden sich 36 Turner, zwei „Zöglinge“ – so eine damals gängige Bezeichnung für Kinder und Jugendliche – und 38 passive Mitglieder zusammen, um einen Turnverein zu gründen, die „Moorburger Turnerschaft Gut Heil“. Nachdem sie unter großen finanziellen Opfern Turngeräte gekauft haben, kratzen sie ein Jahr später eine noch größere Summe zusammen, um sich eine . . . Vereinsfahne zuzulegen. Das Leben ist eben Veränderung. Noch so eine Binsenweisheit. Bald werden auch Leichtathletik-, Faustball- und Fußball-Abteilungen gegründet.
1913 wird die damalige gesellschaftliche Spaltung auch in Moorburg durch die Gründung einer Arbeiter-Turnerschaft sichtbar, die der sozialdemokratisch/kommunistisch orientierten Arbeiter-Sportbewegung angehört.
Über diese Grenzen hinweg arbeiten beide Vereine seit 1920 in einem gemeinsamen Ausschuss zusammen, um einen Sportplatz zu errichten, der 1921 erstmals benutzt werden kann. Nach der gewaltsamen Zerschlagung der Arbeiter-Sportbewegung schließen sich die Mitglieder der Arbeiter-Turnerschaft 1933 dem TV Gut Heil an. Seit dem 18. Juli 1952 trägt der Verein den Namen Moorburger TSV von 1897.
1962 müssen die Erdmassen des Sportplatzes benutzt werden, um den in unmittelbarer Nähe während der Großen Sturmflut von 1962 gebrochenen Elbdeich wieder zu flicken. 1964 wird der neue Sportplatz eingeweiht.
Trotz der Unsicherheiten über die Zukunft Moorburgs ist der Blick des Vereins in die Zukunft gerichtet. Seit 2020 wird neben Turnen und Fußball auch Cricket (!) angeboten, Kickboxen und Badminton runden das Vereinsangebot ab. Durch Zuzüge selbst aus „Szenevierteln“ Hamburgs verfügt der Verein mittlerweile wieder über eine Fußball-Jugend-Abteilung, bestehend aus 40 Kindern. Ein Dorfverein, der die Bedürfnisse „seiner“ Dorfbewohnenden aufnimmt, ist der Moorburger TSV geblieben. Vielleicht das größte Kompliment.

Interview mit MTSV-Vereinschef Peter Renck

EW: Herr Renck, wird der Moorburger TSV auch noch sein 150jähriges Jubiläum feiern?
Renck: Ich bin kein Hellseher, aber optimistisch. Moorburg gehört zwar weiterhin zum Hafenerweiterungsgebiet, aber die Stadt hat ja schon vor Längerem sämtliche Häuser gekauft und 72 von ihnen in Erbpacht vergeben. Auch das geplante Wasserstoff-Kraftwerk ändert nichts an unserer Situation. Wir planen jedenfalls für die Zukunft.

EW: Was lässt sie so hoffnungsvoll in die Zukunft blicken?
Durch die Neubaugebiete im Süderelbe-Raum ergeben sich für uns auch neue Möglichkeiten in Form möglicher neuer Partnerschaften und Sportarten. Wir haben beispielsweise die Schulen angeschrieben und hoffen auf eine positive Resonanz. Darüber hinaus planen wir neue Angebote wie Bogenschießen und Walking-Football.

EW: Wie sieht die Situation in Moorburg selbst aus?
Durch die Zuzüge aus anderen Stadtteilen Hamburgs haben wir eine neue Jugend-Abteilung aufbauen und auch zwei Väter als Trainer und Betreuer gewinnen können. Die neuen Kinder spielen alle Fußball. Ein gegenläufiger Trend zum Rest des Süderelbe-Raums, in dem sich offensichtlich das Interesse der Kinder weg vom Fußball verlagert.

EW: Wie will der Verein seine Zukunftsfähigkeit sichern?
Wir müssen ein Dorfverein für die Moorburger und Moorburgerinnen sein, ihre Bedürfnisse aufnehmen und versuchen, sie in Angebote zu übersetzen. Weiterhin das Umfeld durch eine enge Zusammenarbeit beispielsweise mit dem Verein Moorburger Elbdeich in der alten Schule stärken.

EW: Für die Arbeit an der Zukunft braucht es Handelnde. Wie sieht es damit aus?
Wir haben großes Glück gehabt, dass wir unsere ehemalige Verbandsliga-Fußballerin Ivonne Petrich für uns gewonnen haben. Weil ich nach 20-jähriger Vorstandstätigkeit perspektivisch zurückziehen möchte, brauchen wir für die Vorstandsarbeit unbedingt Zuwachs.

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