Viel los auf dem Eidelstedter Wochenmarkt (Symbolfoto): Ganz in der Nähe lag ein hilfloser Mann und die meisten gingen vorbei. Foto: Archiv

Unfassbare Gleichgültigkeit: Nur Arzthelferin Anke Stuht aus Eidelstedt half Bewusstlosem nach schwerer Kopf-OP

Dirk Andresen, Eidelstedt

Wie ignorant und egoistisch können Menschen eigentlich sein? Mit dieser Frage sah sich die Eidelstedterin Anke Stuht jetzt auf dem Wochenmarkt am Eidelstedt Center konfrontiert. Hilflos lag dort ein Mann mittleren Alters – und fast alle Marktbesucher gingen schnurstracks an dem Bewusstlosen vorbei. Von Hilfe keine Spur. Interesse an einem Mitmenschen, der in Gefahr ist – soll der doch selber sehen … Anke Stuht: „Ich bin immer noch sprach- und fassungslos.“

Der Mann wurde als Säufer und Penner beschimpft
Anke Stuht,
Arzthelferin

Dann erzählt sie die traurige Geschichte: „Der Mann lag dort ohne Bewusstsein. Als ich auf ihn zuging, kam dann auch noch ein andere Herr und meinte, dass der Hilflose nach Alkohol riecht. Schließlich wählte er den Notruf und ich hörte etwas von Ausnüchterungszelle.“ Aber die couragierte 57-Jährige ist als Arzthelferin medizinisch geschult, „ich sah plötzlich, dass der am Boden liegende krampfte.“ Doch noch immer sah sich keiner der Vorbeieilenden und Herumstehenden genötigt, irgendwie helfend einzugreifen. Anke Stuht: „Stattdessen wurde der Mann als Säufer und Penner beschimpft.“
Die Geschichte hätte sehr böse ausgehen können, wenn nicht in diesem Augenblick eine weitere Passantin eingegriffen hätte, „Sie sagte, dass sie Ärztin sei, bat mich ihr zu helfen und untersuchte den Mann, der zwischenzeitlich etwas zu sich gekommen war“, so Anke Stuht.

Anke Stuht. Foto: pr

Die Ärztin hatte inzwischen eine große OP-Wunde am Hinterkopf des Mannes entdeckt, die zuvor wegen dessen Kleidung nicht zu sehen gewesen war. Sie musste wegen des kritischen Zustands des Patienten sogar eine Herzdruckmassage vornehmen. Anke Stuht: „Schließlich kam endlich der Notarztwagen, die Besatzung dankte uns für die geleistete erste Hilfe und sagte, dass wir das vorbildlich gemacht haben.“

So sehr sich Anke Stuht über das berechtigte Lob freut, eines will ihr nicht in den Kopf: „Ich bin einfach nur wütend, dass so viele Menschen überhaupt kein Mitgefühl haben.“ Und Igor aus Litauen, als der sich das Opfer bei der späteren Feststellung der Personalien entpuppte, dürfte einfach nur heilfroh sein, dass neben vielen Gleichgültigen auch ein Schutzengel zur rechten Zeit seinen Weg kreuzte.

 

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1 KOMMENTAR

  1. Meine Schwägerin! Tausend Dank, Du Liebe! Unfassbar, wie andere Menschen sich verhalten. Wo sind bloß Mitgefühl und Nächstenliebe geblieben? Haben denn alle ihre Kinderstube vergessen? Wer von den Menschen, die das mitangesehen haben, möchte, dass man sie selbst achtlos liegenlässt, wenn sie einmal in einer solchen Lage wären? Vermutlich niemand! Dieser Mann wäre wahrscheinlich gestorben, hätte sie nicht eingegriffen und wäre die Ärztin nicht hinzugekommen.
    Ich hoffe, dass sich der ein oder andere Zeuge, sollte er/sie dies lesen, mächtig schämt und insgeheim Besserung gelobt! Diese Welt MUSS wieder besser werden.

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