Der Moorhof wurde bisher als konventioneller Milchviehbetrieb bewirtschaftet. Foto: JÖM

Von Jörg Marwedel

Ist eine Pferdepension ein landwirtschaftlicher Betrieb, genau wie ein Milchbauernhof? Um diese Frage dreht sich der Konflikt um den weiteren Bestand des Milchviehbetriebes auf dem Rissener Moorhof (das Elbe Wochenblatt berichtete). Denn nur in diesem Fall darf ein Pferdebetrieb auf dem Gelände des Moorhofes betrieben werden. Pferdehalter Breuer geht jetzt mit einem umfangreichen Konzept in die Offensive.
Das Ehepaar Breuer hatte während der Auseinandersetzung um den Milchviehbetrieb Jaacks (siehe Infotext unten) sogar Drohbriefe erhalten. Vor einer Woche stellten sie ihr Konzept für die geplante Pferdepension vor. Auf dem Flipchart standen Stichworte wie Verkehr, Naherholung oder Baulärm. Melanie Breuer sagte, dass „das Tierwohl und der Landschafts- und Naturschutz an erster Stelle“ bei diesem Projekt stehe. Man denke an 45 Pferde, vielleicht später einmal an 60, sagte die Pferdewirtin. Die Tiere sollen nicht nur mehr Auslauf bekommen als woanders. Es wird auch einen neu errichteten Boxenstall geben, der für jedes Pferd 20 Quadratmeter Platz vorsieht.
Sogar ökologisches Futter soll selbst hergestellt werden, die Tiere sollen durch moderne Technik überwacht werden, Photovoltaik oder strombetriebene Fahrzeuge wird es auch geben. Auch beste Trainingsmöglichkeiten sollen auf dem Hof entstehen, etwa in einer neuen Bewegungshalle.

Planen auf dem Moorhof-
Gelände eine moderne Pferdepension für bis zu 60 Pferde: Melanie und Lars-Oliver Breuer. Foto: JÖM

Zusätzlicher Verkehr durch Pferdebesitzer?
Zieht der Betrieb nicht viel Verkehr der Pferdebesitzer auf dem Klövensteenweg nach sich? Melanie Breuer glaubt das nicht, schließlich sei „kein Turnier-Stall“ geplant, der zu erwartende Verkehr sei überschaubar.
Dass überhaupt so viele Menschen etwas gegen den Pferdehof hätten, habe ihn überrascht, sagt Geschäftsmann Breuer – und verortet die Gegner auch unter den 17 Pferdepensionen im Klövensteen, die nicht scharf auf weitere Konkurrenz seien.

Breuer hatte die Familie Jaacks mit über 300 Kühen bis 31. Dezember 2021 auf dem Moorhof wohnen lassen. Doch eine Einigung ist immer noch nicht in Sicht. Als Ende April der Gerichtsvollzieher den Hof räumen wollte, kam Jaacks noch einmal davon: Er hatte den Hof nämlich mit seiner Frau Swantje gepachtet – die war in dem Schreiben
aber nicht aufgeführt. Der Gerichtsvollzieher musste wieder abziehen.
Die neuen Besitzer wollen nun nicht mehr warten. Es könnte also doch noch vor Gericht weitergehen. Unterstützung kommt von Katarina Blume, Fraktionsvorsitzende der FDP in der Bezirksversammlung Altona. Sie wollte vom Bezirksamt wissen, ob es nicht doch ein Grundstück in der Nähe für die Familie Jaacks gäbe. Antwort des Amtes: Man könne keine Flächen anbieten, weil es keine gebe. Blume glaubt das nicht, ist davon überzeugt, dass es „im Hamburger Speckgürtel genug Landwirte gibt, die ihren Hof gerne abgeben würden“.

Hintergrund: Der Streit um den Moorhof
Landwirt Hauke Jaacks und seine Familie hatten auf dem von ihm 2004 gepachteten Hof auf städtischem Land Milch erzeugt. Bis Unternehmer Lars-Oliver Breuer und seine Frau Melanie den Hof von der Stadt kauften, um daraus eine Pferdepension zu machen. Jaacks erhielt die Kündigung des Pachtvertrages.
Jaacks hat lange um den Verbleib auf dem Hof gekämpft. Er schleppte sogar die Jersey-Kuh Savira zu einer Demo vor das Hamburger Rathaus, um sein Lebenswerk zu retten. Über 180.000 Menschen sprachen sich bei der Internetplattform change.org für den Erhalt des konventionellen Milchbauernhofes aus. Doch die Gesetze sprachen offenbar gehen ihn: Der Verkauf des Geländes an Pferdehalter scheint rechtlich okay zu sein.

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