„Makas bleibt hier“: Mit Pfeifen, Trommeln und Protestbannern demonstrierten Geschäftsleute und Anwohner mehrfach in der Thielenstraße und Umgebung. Fotos: pr

Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg. Es war zwar eine kleine, aber dennoch nicht zu übersehende Kundgebung: Rund 60 lautstarke Demonstranten zogen innerhalb der vergangenen drei Wochen mehrfach durch die Thielenstraße und Umgebung, um ihrem Ärger über den gemeinsamen Vermieter, das Wohnungsunternehmen Vonovia, Luft zu machen.
Der Grund: Etliche von ihnen hatten keine Verlängerung ihrer gewerblichen Mietverträge bekommen. „Den Leuten wird einfach die Lampe ausgeknipst“, sagt Xuki Saini, Sprecher der lokalen Geschäftsleute. Durch ihre Vermietungspolitik sorge die Vonovia dafür, dass sich bald nur noch die Reichen eine Ladenfläche im Quartier leisten könnten. „Aber die lassen ja nicht mit sich reden“, schimpft Saini über das Unternehmen.
Betroffen vom De-Facto-„Rausschmiss“ sind nach Auskunft des Sprechers mehrere Betriebe in der Thielenstraße, darunter eine Pizzeria, eine Kneipe, ein Wettbüro sowie der türkische Kulturverein Makas e. V., deren Verträge gerade ausgelaufen sind oder zum Jahresende auslaufen. Hintergrund ist offenbar die geplante Sanierung des Wilhelmsburger Bahnhof- und Korallusviertels (siehe Infotext).
Um etwas zur Verschönerung des Viertels beizutragen hatten die betroffenen Geschäftsleute nach eigener Auskunft angeboten, die von ihnen genutzten Räume selbst zu sanieren – dies sei von der Vonovia allerdings abgelehnt worden. Ein gemeinsames Gespräch mit den Mietern und zwei Vonovia-Vertretern im örtlichen Stadtteilbüro in der Thielenstraße habe nichts gebracht. „Es hieß nur: Ihr könnt euch nach der Sanierung wieder neu bewerben!“, schimpft Saini. „Aber dann kann sich das keiner von uns mehr leisten!“
Die Vonovia schildert die Situation allerdings anders: Bei Makas e. V. etwa habe es Mietrechtsverstöße gegeben. Ein Spielautomat soll aufgestellt worden sein, ebenso wurde – so der Vorwurf – Alkohol ausgeschenkt, wozu allerdings die Lizenz gefehlt habe. Das Ganze sei kein offener Kulturverein für jedermann, sondern ein reiner Männerclub, an dem sich Frauen „noch nicht einmal vorbeitrauten“.
Bei einer weiteren Einrichtung, dem „Café Werner“ in der Korallusstraße, sollen Räume seit Jahren ohne Absprache untervermietet worden sein. Keines der beiden Lokale trüge zur Attraktivität des Viertels bei. „Wir möchten das Mietverhältnis nicht mehr weiterführen, da wir unsere Gewerbevermietungen aus den Quartieren heraus und an den Bedarfen der Menschen vor Ort ausrichten“, sagt Vonovia-Sprecher Christoph Schwarz zum Thema „Café Werner“.
Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirksamts Mitte: „Das gemeinsame Gespräch wurde seitens des Bezirksamts ermöglicht, nachdem der Verein im Stadtteilbüro sein Anliegen vorgetragen hatte. Es handelt sich jedoch um eine privatrechtliche Mietangelegenheit, auf die das Bezirksamt keinen unmittelbaren Einfluss hat.“

 

Hintergrund
Im Wilhelmsburger Bahnhofs- und Korallusviertel sollen innerhalb der nächsten Jahre mehr als 800 Wohnungen saniert oder neu gebaut werden. Haupt-Investorin und Bauherrin ist die Vonovia SE.
Da es sich gleichzeitig um ein öffentlich gefördertes RISE-Gebiet handelt (RISE steht für „Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung“), hat das Bezirksamt vor Ort ein Bürgerbüro eröffnet, in dem sich Anwohner und andere Interessenten informieren können.
Adresse und Öffnungszeiten: Thielenstraße 11, dienstags 10-12 Uhr, donnerstags 15-17 Uhr, Tel 428 54 33 83.

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