Auf Initiative des Vereins zur Erforschung der Geschichte der Juden in Blankenese wurden drei neue Stolpersteine verlegt. Foto: Cornelia Strauß

Von Julia Vellguth

BLANKENESE. Stolpersteine erinnern als Denkmale an das Schicksal der Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Meist werden die kleinen Gedenktafeln vor dem letzten frei gewählten Wohnhaus des NS-Opfers in den Gehweg eingelassen. Auf Initiative des Vereins zur Erforschung der Geschichte der Juden in Blankenese wurden nun drei neue Stolpersteine
verlegt.
An der Oesterleystraße 77 erinnern zwei Stolpersteine an das Schicksal der gebürtigen Polin Maria Nividowa und ihrer einjährigen Tochter Ludmilla. In der Blankeneser Landstraße 90 wurde ein Stolperstein in Erinnerung an den jüdischen Bürger und Geschäftsmann Waldemar Freundlich verlegt, der im Nationalsozialismus ermordet worden ist. Sein heute über 90-jähriger Sohn musste aufgrund der weiten Zugreise aus Köln, noch dazu in Coronazeiten, seine Anwesenheit bei der Verlegung des Stolpersteins absagen. „Für diese drei Personen, die unter der Herrschaft der Nationalsozialisten umgebracht wurden, wird hiermit eine weitere Form des Gedenkens in Blankenese sichtbar, die allen Menschen leicht zugänglich ist”, so Professor Friedemann Hellwig, Vorsitzender des Vereins zur Erforschung der Geschichte der Juden in Blankenese.
Zum Leben Waldemar Freundlichs hatte die 2016 verstorbene Mitbegründerin des Vereins, Sabine Boehlich, bereits im Jahr 2004 ausführlich recherchiert, so dass Vereinsmitglied Rolf Starck den Lebenslauf Freundlichs bei der Verlegung des Stolpersteins vorstellen konnte.
Der Verein zur Erforschung der Geschichte der Juden in Blankenese lädt am Sonntag, 17. Juli, 12 Uhr, am Mahnmal für die jüdischen Opfer der Deportation aus dem Steubenweg 36, heute Grotiusweg 36, zu einer Gedenkfeier. Wie jedes Jahr wird hier der 17 von dort Deportierten gedacht, dazu auch der mehr als 50 jüdischen Jugendlichen, die sich zu unterschiedlichen Zeitpunkten im selben Haus auf die erhoffte Einwanderung (Alija) nach Palästina vorbereitet hatten, aber von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Die Feier wird musikalisch von Iris Paiska auf der Klarinette, begleitet.

Waldemar Freundlich

Waldemar Freundlich war ein jüdischer Kaufmann. Foto: privat

Waldemar Freundlich wurde am 6. August 1879 geboren und emigrierte 1938 nach Holland, wo er im Juni 1942 in Westerbork interniert und im Juli 1942 nach Auschwitz deportiert wurde. Ende September 1942 wurde er dort ermordet.
Mit seiner Frau Ilse und seinen beiden Kindern Elfriede und Jürgen lebte Waldemar Freundlich seit 1930 an der Blankeneser Landstraße 90. Zuvor hatte er mehr als zehn Jahre auf Java gelebt. In Hamburg handelte Freundlich ab 1933 mit Tee, Kaffee, Kakao, Gewürzen und Chemikalien.
Waldemar Freundlich war vielseitig interessiert, besonders an Geschichte, Kunstgeschichte und Botanik. Er und seine Frau liebten Musik und Wagner-Opern, ihren Kindern brachten sie Englisch und Französisch bei.
1937 musste Waldemar Freundlich sein Geschäft aufgeben, 1938 emigrierte er nach Holland. Seine Ehefrau und die Kinder blieben in Blankenese. Bis 1940 erhielten sie regelmäßig Briefe von Waldemar und erfuhren erst nach Ende des Krieges davon, dass er nach Auschwitz deportiert worden war.

Maria und Ludmilla Nividowa

Von Maria uns Ludmilla Nividowa gibt es kein Foto. Foto: Hellwig

Maria Nividowa wurde am 8. Februar 1925 in Gorki (Polen) geboren. Sie war verheiratet und vermutlich russisch-orthodoxen Glaubens. Verschleppt nach Hamburg musste sie seit Februar 1944, im ersten Monat ihrer Schwangerschaft, für die Deutsche Arbeitsfront im DAF-Lager Waltershof Zwangsarbeit leisten. Im März 1944 wurde die 19-Jährige nach Blankenese zur Zwangsarbeit bei Fritz Dorn in der Oesterleystraße versetzt, dem Direktor der Neuen Sparkasse von 1864. Marias Tochter Ludmilla kam in der Frauenklinik Finkenau am 12. Oktober 1944 zur Welt. Elf Tage später wurden Maria und Ludmilla Nividowa in das Ausweichkrankenhaus Wintermoor verlegt. Am 4. Januar 1945 wurde Ludmilla mit der Diagnose „eitrige Lungenentzündung“ in das Krankenhaus Wintermoor eingeliefert, wo sie einen Tag später verstarb, angeblich an einer „Rippenfellentzündung”. Das Schicksal der Mutter Maria Nividowa ist unbekannt.

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