Robert Hemmleb (Presse), Christine Laufert (Geschäftsführung, Mi.) und Christine Dorau (Nachbarschaftsarbeit) vor dem Ziegelsteinbau im August-Lütgens-Park. Foto: cvs

Altonaer aus der Hausbesetzerszene gründeten
Kulturzentrum im ehemaligen Krankenhaus

Ch. v. Savigny, Altona

Im Jahr 1982 wurde Helmut Kohl deutscher Bundeskanzler, auf den Straßen demonstrierten Zigtausende gegen die Rüstungspolitik des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan, und eine 17-jährige Deutsche gewann mit ihrem Lied „Ein bißchen Frieden“ den ersten Platz beim „Eurovision Song Contest“. Währenddessen tat sich in Hamburg eine Gruppe aus der damaligen Hausbesetzerszene zusammen, um auf dem Gelände des früheren Altonaer Krankenhauses das Kulturzentrum HausDrei – benannt nach einem ehemaligen Krankenhausgebäude – zu gründen.

In diesen Tagen feiert die Einrichtung ihr 40jähriges Bestehen. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist das vom HausDrei mitorganisierte Straßenkunst-Festival „Stamp“, das aus diesem Anlass erstmals an der Hospitalstraße über die Bühne geht.

Vom anfänglich rein ehrenamtlich geführten Treffpunkt hat sich das HausDrei im Laufe der Jahrzehnte zu einem professionellen Bürgerzentrum entwickelt, das regelmäßig Kultur-, Kino- und Musikveranstaltungen anbietet. Offene Werkstätten für Metall, Holz und Ton können von jedermann genutzt werden. Einen großen Anteil nimmt die Kinder- und Jugendarbeit ein (offene Treffs, Sozialberatung). Interessenten aller Altersklassen treffen sich mehrmals wöchentlich zum Chorsingen, Malen, Fotografieren, Yoga oder Tischtennisspielen.

Die kontaktarme Corona-Zeit hat das HausDrei relativ gut überstanden, indem es sein gesamtes Programm auf den Vorplatz verlegte. „Konzerte, Theater, Lesungen – alles umsonst und draußen“, erinnert sich Geschäftsführerin Christine Laufert. Zuweilen auch unter großen Schwierigkeiten: „Manchmal hatten wir gerade erst angefangen, als der Regen losging und wir ganz schnell wieder abbauen mussten.“ Trotzdem habe sich der Aufwand unterm Strich sehr gelohnt. „Wir sind im Stadtteil viel bekannter geworden und haben viele neue Impulse für unsere Arbeit bekommen“, so Laufert.

Weil aus Pandemiegründen in den vergangenen zwei Jahren kaum Geld in die Kassen floss, wird derzeit verstärkt nach Einnahmequellen gesucht. Die Raumvermietung soll wieder losgehen, der monatliche Flohmarkt (nächster Termin: Sonntag, 12. Juni) ist bereits gestartet. Über das Bundesprogramm „Neustart Kultur“ konnten Gelder für die Nachbarschaftsarbeit und für ein „Gender- und Diversitäts-Förderprogramm“ eingeworben werden.

Im HausDrei arbeiten derzeit zehn Festangestellte, davon zwei in Vollzeit. Dazu kommen rund zehn weitere Honorarkräfte und Ehrenamtliche. Die Einrichtung wird institutionell (das heißt regelmäßig und projektunabhängig) von der Kulturbehörde und vom bezirklichen Jugendamt gefördert.

>> https://haus-drei.de

 

Programm

– sa/so 2./3. Juli: Straßenkunst-Festival „Stamp“
– fr 29. Juli bis sa, 3. September: Sommer im Hof (Open Air Kino, Konzerte, Lesungen, Spiele im Park, Nachhaltigkeits- und Kreativworkshops, Jamsessions)
– sa 3. September: Tag der offenen Tür CVS

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