Auf dem Weg in den Gerichtssaal. Werner und Rozalia B. müssen kein Bußgeld zahlen. Foto: DPA/Daniel Reinhardt

Medienauflauf im Harburger Amtsgericht an der Buxtehuder Straße. Das Verfahren gegen das Harburger Rentner-Ehepaar Rozalia (87) und Werner (86) B. beschäftigte Zeitungen, Radiostationen und Fernsehsender. Warum?
Im Juni 2021 war Werner B. mit seiner im Rollstuhl sitzenden, an Demenz leidenden Ehefrau im Binnenhafen unterwegs, als die Frau ein dringendes Bedürfnis verspürte. In der Bäckerei Wedemann, hier schaut das Ehepaar mehrmals in der Woche vorbei, konnte Rozalia B. die Toilette benutzen.
Als sich beide wenig später in der Bäckerei einen Kaffee trinken wollten, nahm das Unheil seinen Lauf. Ein Kontrolleur des Ordnungsamt schaute vorbei und überprüfte, ob alle Gäste vorschriftsmäßig das Corona-Kontaktformular ausgefüllt hatten. Für das Rentner-Ehepaar hatte eine Bäckereimitarbeiterin die Namen eingetragen, die Adresse fehlte. Werner B. hatte in der Hektik nicht dran gedacht: „Das mit dem Zettel hab ich nicht ganz mitgekriegt.“ Resultat: Der Kontrolleur verhängte ganz nach Vorschrift ein Bußgeld. Werner und Rozalia sollten jeweils 178,50 Euro zahlen, legten dagegen aber Widerspruch ein.
Amtsrichter Bernd Plake sprach Werner B. frei. Der Gesetzgeber habe nicht festgelegt, wann das Kontaktformular auszufüllen sei. Das Verfahren gegen Rozalia B. soll wegen ihres Gesundheitszustands eingestellt werden.
„Der Richter war gut, da kann man nicht meckern“, freute sich Werner B. nach der Urteilsverkündung – und gab eifrig Interviews.

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