Die Brauerei als Baustelle: Ob das Holsten-Quartier gebaut wird, scheint derzeit offen. Foto: mg

Das Bezirksamt Altona hat beim Holsten-Quartier die Geduld mit dem Investor verloren. Der Bezirk fordert von der Adler Group „eine aktuelle Finanzierungszusage der Bank über das gesamte Bauvorhaben einzureichen – unter Berücksichtigung der Marktlage und eines realistischen Realisierungsbetrags für das gesamte Holsten-Quartier“.

Im Altonaer Rathaus hatte man den seit Freitag, 22. April, vorliegenden Bericht der Wirtschaftsprüfer KPMG zur wirtschaftlichen Situation der luxemburgischen Adler Group genau studiert. Immerhin verhandelt die Behörde seit Monaten mit dem Projektentwickler Consus, der zu Adler gehört. Immer wieder waren in Medien Berichte über die angebliche katastrophale Situation durchgestochen worden. Daher hatte Adler eine Untersuchung durch KPMG veranlasst.

Die Wirtschaftsprüfer fanden laut „Handelsblatt“ durch aus Entlastendes. Aber auf Seite 116 zitiert das Bezirksamt in seiner Pressemitteilung den KPMG-Bericht der zum Ergebnis kommt: „Der Vorwurf, dass Adler nicht über die finanziellen Mittel verfügt, die Projektentwicklungen umzusetzen, kann auf Basis der uns in der Sonderuntersuchung zur Verfügung stehenden Unterlagen nicht widerlegt werden.“

Schwerer Rückschlag
für Bezirksamt

Bislang habe sich die Adler Group „betont positiv in Bezug auf das Projekt und die Realisierung des Holsten-Quartiers gegenüber dem Bezirksamt dargestellt“. Doch diesen Beteuerungen schenkt man im Bezirk ohne Finanzierungszusage keinen Glauben mehr.

Für das Bezirksamt Altona bedeutet diese Entwicklung einen schweren Rückschlag. Mit Consus hatte sich der Bezirk bereits auf einen städtebaulichen Vertrag geeinigt. In der Bezirksversammlung hatte Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg noch am 27. Januar gesagt, dass man sich mit dem Projektentwickler in ständigem Austausch befinde. „Wir reden nicht nur nett mit denen“, so von Berg. Dennoch könne man ein unseriöses Geschäftsgebaren des Verhandlungspartners nicht erkennen. Um sich rechtlich nicht über den Tisch ziehen zu lassen, habe man externen Sachverstand durch eine Anwaltskanzlei zu Rate gezogen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten
Seitdem der ehemalige Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) gegenüber der Carlsberg Brauerei auf das städtische Vorkaufsrecht auf das Grundstück der Holsten-Brauerei verzichtete, wurde das Gebiet zur Spielfläche für Spekulanten. Heute, so Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg (Grüne), würde die Stadt nach diesen Erfahrungen ihr Vorkaufsrecht nutzen.

Wie weit ist das Holsten-Quartier?
Consus lässt momentan die ehemalige Brauerei abreißen. Der städtebauliche Vertrag zwischen Investor und Bezirk, auf den man sich nach zähen Verhandlungen im Juni 2021 geeinigt hatte, ist noch nicht unterschrieben.

Kommen die Zahlungsprobleme des Investors überraschend?
Nein. Im Februar hatte Christoph Twickel in der „Zeit“ analysiert, was der Einstieg der Vonvovia bedeutet, die mit 20,5 Prozent nun größter Aktionär der Adler Group ist. Vonovia sei nicht freiwillig Hauptaktionär des Skandalunternehmens geworden. Der Wohnungsgigant habe den Zusammenbruch von Adler verhindern wollen, der „womöglich die ganze Branche in den Abgrund gezogen hätte“, so Twickel. Andere Bauprojekte habe Adler bereits verkauft, um an frisches Geld zu kommen.

Dürften auf dem Gelände momentan Wohnungen gebaut werden?
Nein. Der Bebauungsplan wurde noch nicht geändert. Die Änderung müsste die Bezirksversammlung beschließen.

Was passiert, wenn der Investor dem Bezirk keine Finanzierungszusage vorlegen kann?
Im NDR-Interview sagte Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg dazu: „Dann müssen wir uns gemeinsam mit dem Senat die Karten legen, was uns rechtlich zur Verfügung steht. Ich kann nur sagen: ,Wir haben den Faustpfand Bebauungsplan.‘ Wenn kein Bebauungsplan da ist, gibt es auch kein Baurecht.“

Was bedeutet das für den Stadtteil?
Aus einer der begehrtesten Flächen der Stadt droht eine jahrelange Brachfläche zu werden. Geplant sind laut städtebaulichem Vertrag der Bau von mehr als 1.200 Wohnungen (370 Eigentumswohnungen, 335 freifinanzierte 365 geförderte Mietwohnungen und 170 Wohnungen für Baugemeinschaften).

Wie steht die Anwohnerinitiative „Knallt am dollsten“ zum Bauprojekt?
Sie lehnt es in dieser Form ab. Sie begrüßt aber, dass das Bezirksamt dem Investor gegenüber „Zähne zeige“. Damit bewege man sich endlich ein wenig auf die Initiative zu. „Knallt am dollsten“ lehnt den städtebaulichen Vertrag mit dem Investor ab. Theo Bruns von der Initiative sagte dem Elbe Wochenblatt dazu: „Der Vertrag veranschaulicht in krasser Weise, dass der freie Markt nicht geeignet ist, menschengerechtes Bauen und Wohnen zu verwirklichen.“

Was schlägt die Initiative vor?
Die Lösung könne nur eine Kommunalisierung (Überführung in Gemeinschaftseigentum, Anm. d. Red.) des Geländes sein. Alle zur Verfügung stehenden Instrumente (Baugesetzbuch, Artikel 14/15 Grundgesetz) müssen dazu in Anspruch genommen werden. Das städtische Vorkaufsrecht muss gestärkt werden und auch bei sogenannten „Share Deals“ gelten. Bei diesen erfolgt der Unternehmenskauf durch den Erwerb von Anteilen der zum Verkauf stehenden Gesellschaft. So kam auch die Adler Group an das Grundstück, als sie dessen Eigentümer Consus übernahm. Ursprünglich war das Areal in bester Lage von Carlsberg an die Düsseldorfer Gerchgroup für rund 150 Millionen Euro verkauft worden. Mittlerweile soll es mehr als 320 Millionen Euro wert sein.

1 KOMMENTAR

  1. Seit wieviel Jahren ist Frau Doktor von Berg jetzt schon im Bezirksamt? Die Frau hat einfach alles schleifen lassen, bis auf ihre Lieblingsobjekte Ottensen und Blankenese. Meint jetzt aber das Recht zu besitzen, den Senat vorzuwerfen nicht vom Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht zu haben? Sie soll endlich sich um die Altonaer Bürger kümmern und die Hirngespinste anderen überlassen, die etwas davon verstehen..!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here