Helfen anderen nach ihrer Flucht: Die Ukrainerinnen (v.l.) Maria, Amelia und Ariana aus Kiew. Foto: ML

Von Maren Langenbach

Übersetzen, Tee ausschenken oder nur zuhören – für Maria gibt es in der Kleiderkammer viel zu tun. Die 18-Jährige mit den leuchtend roten Haaren und dem gewinnenden Lächeln erzählt: „Im Moment kann ich noch nicht weiterstudieren. Ich komme also jeden Tag hierher, um zu helfen.“
Eine Tasche mit „dem Nötigsten“ und ihre geliebte Ukulele hatte die Studentin der Theaterwissenschaften dabei, als sie Anfang März nach Hamburg kam. Erst wohnte sie bei Verwandten, dann zog sie in ein Hostel. Hinter Maria, die hier alle wegen ihrer unermüdlichen Fröhlichkeit lieben, liegen Wochen des Schreckens. Mit ihrem Freund suchte sie in der Ukraine Schutz in U-Bahnhöfen, schlief im Auto, flüchtete zu Fuß. „Wir hörten die Bomben und wussten nie, ob die nächste uns treffen würde.“ Ihr Freund ist in der Ukraine geblieben, weit ab von Kiew. „In einer Stadt, die sicher ist“, hofft Maria, deren Eltern und Geschwister in Israel leben.
Die 13-jährige Amelia ist mit Mutter Leila und zwei Geschwistern ein paar Tage nach Kriegsbeginn nach Hamburg gekommen. Auch sie hilft in der Kleiderkammer. „Wir haben noch keine Schule gefunden, die uns aufnimmt. Solange arbeiten wir gern hier.“ Amelia singt, hat montags Zoom-Unterricht durch ihre ukrainische Musikschule. „Sie möchte den Platz nicht verlieren, damit sie ihn noch hat, wenn wir zurück kommen“, sagt Mutter Leila.
Kurz vor Kriegsbeginn, erzählt die 40-Jährige, hat sie neben ihrer Arbeit als Dolmetscherin zwei Coffee-Shops eröffnet. Die Shops gibt es noch, Leila hält täglich Kontakt zu ihrem Team. „Ich bin sehr dankbar, dass uns geholfen wird“, betont die studierte Philologin. „Doch ich schäme mich, hierher kommen zu müssen. Wir haben zuhause ja alles, hier sind wir praktisch obdachlos.“ Bei dem Gedanken kommen Leila dann doch die Tränen. „Ich bin das zweite Mal auf der Flucht. Mein Vater kommt aus dem Libanon, damals bin ich mit meiner Familie auch nach Deutschland geflüchtet, für fünf Jahre, dann wurden wir ausgewiesen.“

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