Sozialberatung, politische Diskussionen, Küche für alle: der „Infoladen“ in der Fährstraße. Foto: cvs

Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg. Lebensmittel, Strom und Heizöl – und langfristig wohl auch die Miete: Vieles ist aufgrund von Corona und dem Ukraine-Krieg in den letzten Wochen deutlich teurer geworden. 5,1 Prozent betrug die Teuerungsrate im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat nach Angaben des Statistischen Bundesamts, für März sind es sogar 7,3 Prozent.
Für Hartz-IV-Empfänger ist die Situation besonders prekär: „Im Supermarkt muss ich jetzt ganz genau darauf schauen, was ich mir leisten kann und was nicht“, berichtet Marcel Heimarkt* (Name geändert). Mit Hilfe der Initiative „Wilhelmsburg Solidarisch“ bemüht sich der 41-jährige Arbeitslose derzeit, ein Extrageld für FFP2-Masken herauszuhandeln. Die kosteten zwar im günstigsten Fall nur einen Euro pro Stück, doch selbst das sei für ihn kaum zu schaffen. Hintergrund ist der Hamburger Sonderweg („Hotspot-Regelung“), nach dem auch im HVV weiterhin Masken getragen werden müssen.
Die Initiative „Wilhelmsburg Solidarisch“ ist einer der Nutzer des „Infoladens“ in der Fährstraße. Die vor rund 15 Jahren gegründete Einrichtung veranstaltet Diskussionsrunden und Workshops zu gesellschaftspolitischen Themen. Unter anderem gibt es ein Café, eine Computerwerkstatt und eine wöchentliche „Küfa“ (Küche für alle), bei der gemeinsam gekocht und gegessen wird.
Jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat zwischen 16 und 18 Uhr bietet die Ini eine Sozialberatung an. Besprochen werden Themen wie Arbeitslosigkeit und Mietärger. Schwerpunkt sind jüngere Erwachsene – die Altersspanne reicht vom Jugendlichen bis zum (Vor-)Ruheständler. Die Nutzung ist kostenlos.
Über ein auf der Webseite der Initiative erhältliches Antragsformular (wiso.noblogs.org) können sich Betroffene ab sofort direkt ans Jobcenter wenden.
Die geforderte Erhöhung liegt bei 40,79 Euro – das entspricht 20 günstigen FFP2-Masken plus einer Anhebung um die derzeitige Inflationsrate. Ein erster Antrag von Heimarkt wurde Mitte März abgelehnt. Der 41-Jährige hat Widerspruch eingelegt.

Das sagt das Jobcenter
„Die derzeit zum Schutz vor dem Coronavirus vorgeschriebenen Gesichtsmasken sind aus dem Regelbedarf zu finanzieren und können nicht als Mehrbedarf geltend gemacht werden“, erklärt Heike Böttger, Pressesprecherin von team.arbeit.hamburg (Jobcenter). „Dies ist eine vom Gesetzgeber vorgegebene Regelung, die inzwischen bundesweit von verschiedenen Sozialgerichten bestätigt wurde.“
Zum Ausgleich der „pandemiebedingten Mehraufwendungen“ habe das Jobcenter an die Leistungsberechtigten im vergangenen Jahr 150 Euro ausgezahlt. „Auch in diesem Jahr – voraussichtlich im Juli 2022 – ist es beabsichtigt, an alle erwachsenen Jobcenter-Kundinnen und -Kunden eine Einmalzahlung in Höhe von 100 Euro und für die in den sogenannten Bedarfsgemeinschaften lebenden Kinder und Jugendliche ein Kindersofortzuschlag in Höhe von monatlich 20 Euro auszuzahlen“, so Böttger. Zudem biete das Jobcenter vor Ort kostenlos Masken für Besucher an.

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