Zeitzeuge Günter Zint, der zur Star-Club-Eröffnung 21 Jahre alt war und bald zum Hausfotografen wurde. Fotos rs/Stahlpress

Vor 60 Jahren öffnete der Star-Club seine Pforten

REINHARD SCHWARZ, ST. PAULI

1962 war das Jahr der Kuba-Krise, in Bonn regierte der 85-jährige Bundeskanzler Konrad Adenauer bereits im 13. Jahr. Die Hitparaden wurde von Schlagergrößen wie Gerhard Wendland und Peter Alexander dominiert. Doch etwas war in Bewegung geraten. Amerikanische und britische Sänger wie Pat Boone, Petula Clark und Joey Dee & the Starliters machten dem Schlager die Plätze in der Hitparade streitig. Und auf St. Pauli eröffnete am 13. April unter dem Motto „Die Not hat ein Ende! Die Zeit der Dorfmusik ist vorbei!“ der Star-Club in der Großen Freiheit 39. Angekündigt wurde eine „Rock‘n‘Twist-Parade 1962“ mit den Bands The Beatles, Tex Roberg, Roy Young, The Graduates und The Bachelors.

Sensationelles Musikangebot

„Die Idee des Star-Clubs war die, dass nicht eine Gruppe sieben Stunden lang überstrapaziert wird, sondern dass man etwa sieben Gruppen jeweils eine Stunde lang spielen lässt“, zitiert Fotograf und Autor Günter Zint in seinem Buch „Große Freiheit 39“ den Gründer Manfred Weissleder. Bisher war es üblich gewesen, dass die Bands in Clubs auf dem Kiez bis zur Erschöpfung spielten, unterbrochen von kurzen Pausen, wach gehalten durch die Aufputschdroge „Preludin“.

Ray Charles
erhielt für seinen Auftritt
60.000 Mark

Der Musikclub entwickelte sich bald zu einem Geheimtipp für unangepasste Teens und Twens. Einer von ihnen war der 21-jährige Günter Zint: „Die Jugendlichen damals machten sich zum Ausgehen fein, trugen meist Schlips und Kragen, wie man auf meinen Bildern aus dieser Zeit sehen kann. Wir, die im Star-Club verkehrten, legten darauf keinen Wert. Das war das Besondere am Star-Club, den die Eltern damals gehasst haben.“ Zint wurde zum Hausfotografen des Clubs.

Mit diesem Plakat wurde die Eröffnung Star-Club beworben. Foto: rs/Stahlpress

Das Musikangebot des Star-Clubs war zu jener Zeit sensationell. So verpflichtete Weissleder unter anderem Rock‘n‘Roll-Größen wie Bill Haley, Brenda Lee, Chuck Berry, Jerry Lee Lewis, Fats Domino und Bo Diddley. Ray Charles erhielt für seinen Auftritt 60.000 Mark. „Eine damals unvorstellbare Summe”, so Zint. Weissleder konnte die Auftritte solcher Künstler nur über sein übriges Imperium aus Strip- und anderen Lokalen finanzieren.
1969 übernahmen Achim Reichel, Frank Dostal und Kuno Dreysse die Leitung des Clubs. Doch im Gegensatz zu Weissleder konnten sie Verluste nicht durch andere Einnahmen ausgleichen. Zudem war mit den Discos eine Konkurrenz aufgetaucht, die keine teuren Livebands bezahlen musste. Am Silvesterabend 1969 war nach dem Auftritt des Duos Hardin & York pünktlich um 22 Uhr Schluss.

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