Das Projekt „Ottensen macht Platz“ startete im September 2019 mit einem Straßenfest auf grünem Kunstrasen. Foto: cvs

Aus Enttäuschung: Intiative „Ottensen Bewegt“ verlässt Beirat

Ch. v. Savigny, Ottensen

Falsche Themen, fehlende Bürgerbeteiligung: So lauten die Vorwürfe der Stadtteilinitiative „Ottensen Bewegt“, die jetzt ihren sofortigen Austritt aus dem Beirat des Verkehrsprojekts „freiRaum Ottensen“ bekanntgegeben hat. Damit schrumpft das vom Bezirksamt installierte Beteiligungsgremium von 17 auf nunmehr 16 Mitglieder.

Es wird eine
Chance vertan
Ina Licari,
Initiative „Ottensen Bewegt“

„Ottensen Bewegt hat die Einladung zur Mitarbeit angenommen, weil wir hofften, in einem offenen und konstruktiven Gestaltungs- und Beteiligungsprozess für uns wesentliche Aspekte einbringen zu können. Leider mussten wir erkennen, dass dies nicht möglich ist“, sagt Ina Licari. Die Ini-Sprecherin hatte selbst an den Sitzungen teilgenommen. „Bei ‚freiRaum Ottensen‘ handelt es sich zu unserem Bedauern um ein Verkehrsprojekt, in dem es einzig darum geht, Ottensen ‚autoarm‘ zu gestalten“, so Licari weiter. „Ein zukunftsgerichtetes, gleichberechtigtes Mit- und Nebeneinander der Verkehrsteilnehmer*innen und aller Menschen, für die Ottensen ein Wohn-, Arbeits- und Freizeitort ist, wird nicht gefördert und nicht unterstützt. Es wird eine Chance vertan.“

Der Schritt der vor rund drei Jahren gegründeten Bürgerbewegung kommt nicht ganz aus heiterem Himmel: Bereits im Februar 2020 – kurz nachdem die Bezirksversammlung für eine Fortsetzung des Projekts „Ottensen macht Platz“ gestimmt hatte – waren die Stadtteilaktiven auf die Barrikaden gegangen.

Die Themen sind nach wie vor dieselben wie damals: Unter anderem befürchtet die Initiative eine „Zweiklassengesellschaft“, da Autofahrer ohne Tiefgaragenplatz in einem verkehrsberuhigten Ottensen Probleme haben würden, einen Parkplatz zu finden. Ebenso wenig geklärt seien die Fragen nach dem Durchgangsverkehr und der Zukunft des Kopfsteinpflasters. „Beim Thema Autoverkehr ist eine Veränderung nötig – das sehen wir auch so“, erklärt Licari. Insgesamt sei die Planung jedoch zu einseitig. „Nur autoarm – das ist uns zu wenig ganzheitlich“, so die Sprecherin, die betont, man habe sich die Entscheidung „nicht leicht gemacht“.

Das Bezirksamt Altona reagierte auf die Ankündigung von „Ottensen Bewegt“ wie folgt: „Es ist bedauerlich, dass die Initiative im Rahmen des Beirats nicht mehr an einem konstruktiven Dialog zur künftigen Gestaltung des Verkehrsprojekts mitwirken möchte“, so Sprecher Mike Schlink. „Das Bezirksamt Altona akzeptiert diese Entscheidung und ist darüber hinaus davon überzeugt, dass der Beirat mit den verbliebenen 16 Mitgliedern das Projekt weiterhin gut begleiten wird und alle Perspektiven im Blick behalten wird.“

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