Kaja Timm und Sven-Jan Schmitz (r.) wollen zusammen mit Jugendlichen Unterstände bauen. Als Projektpartner ist Gero Goroncy von der BI (Beruf und Integration) Elbinseln dabei. Foto: pr

Im Bunkerpark nördlich und südlich der Neuhöfer Straße entstehen demnächst zwei überdachte Unterstände für junge Leute

Ch.v. Savigny, Wilhelmsburg. Wenn sich Wilhelmsburger Jugendliche in ihrer Freizeit irgendwo draußen treffen wollen, gestaltet sich das oft gar nicht so einfach: Auf der Straße ist man womöglich unerwünscht, im Park sind die Bänke alle schon besetzt. Vielerorts gibt es keine Beleuchtung, außerdem ist meist keine Toilette in der Nähe. Und was tun, wenn es regnet?
Aus aktuellem Anlass hatte das Bezirksamt im vergangenen Jahr eine Untersuchung in Auftrag gegeben, in der die jungen Leute nach ihrem Freizeitverhalten gefragt wurden. „Seinen Ursprung findet das Projekt in der Zeit der starken Beschränkungen während der Corona-Pandemie. Soziale Einrichtungen waren geschlossen oder mit hohen Zugangsschwellen versehen“, sagt Sprecherin Sorina Weiland. Zeitgleich habe eine Gruppe Jugendlicher begonnen, im Stadtteil zu randalieren und Personengruppen zu belästigen. „Aus dieser Lage heraus entwickelte sich die Projektidee, aufsuchende Arbeit in der Region zu stärken“, so die Sprecherin.
Umgesetzt wurde das Forschungsprojekt von Kaja Timm, Studentin der Sozialen Arbeit, und von Pädagogikstudent Sven-Jan Schmitz. Beide befragten insgesamt rund 200 Jugendliche im Alter von 14 bis 22 Jahren. Mit dem Ergebnis, dass im Bunkerpark demnächst zwei hölzerne Unterstände entstehen sollen. „Die Idee, selbst etwas zu bauen, hat sich erst während der Interviews entwickelt“, berichtet Timm, die mittlerweile – ebenso wie ihr Kommilitone – weitgehend ehrenamtlich arbeitet.
Noch in diesem Frühjahr soll es losgehen – möglichst mit tatkräftiger Unterstützung der beteiligten Jugendlichen. Am Donnerstag, 7. April, stellen die beiden Initiatoren ihr Projekt im Sozialraumentwicklungsausschuss des Bezirks Mitte vor. „Aktuell fehlt uns noch die offizielle Genehmigung für den Bau der Unterstände“, erklärt die Studentin.
Unterstützt wird die Aktion von der Wilhelmsburger Bürgerschaftsabgeordeten Sonja Lattwesen (Grüne). „Die meisten Treffpunkte in Wilhelmsburg sind stark männerdominiert“, sagt die Politikerin. Frauen zum Beispiel sehe man selten irgendwo zusammen sitzen – höchstens mal bei einem gemeinsamen Spaziergang. „Ich finde es daher wichtig, dass bei dem Projekt die Wünsche derjenigen berücksichtigt werden, deren Stimme man sonst nicht so hört“, so Lattwesen.

Drei Fragen an Kaja Timm, die rund 200 Wilhelmsburger Jugendliche zu deren Freizeitverhalten befragt hat

EW: Was kam bei der Befragung eigentlich heraus? An welchen Orten trifft man sich zurzeit?
Kaja Timm: Am häufigsten genannt wurden Bunkerpark, Sanitaspark, die umliegenden Straßen vom Stübenplatz und alles rund um die Skateanlage im Inselpark. Auch das Luna-Center ist oft erwähnt worden, weil es dort warm und hell ist, und weil Sitzmöglichkeiten und Toiletten zur Verfügung stehen. Dieser Ort fiel aber wegen der Pandemie und der möglichen Ansteckungsgefahr mehr oder weniger als Treffpunkt weg.

Wie weit sind Sie mit den Planungen für die Unterstände? Der erste Entwurf zeigt zwei hölzerne Rotunden mit Sitzbänken…
Ganz konkret ist das noch nicht. Es hängt auch davon ab, wie viel Geld wir zusammenbekommen. Auf jeden Fall wollen wir nachhaltige, ökologische Materialien nutzen.

Besonders wichtig ist Ihnen, dass bei dem Projekt „benachteiligte“ Jugendliche gefördert werden – gemeint sind junge Frauen, Lesben, Schwule, sowie Menschen, die sich weder dem einen, noch dem anderen Geschlecht zuordnen. Wie wollen Sie das bewerkstelligen?
Die Untersuchung hat ergeben, dass sich diese Gruppen meist viel zu wenig wahrgenommen fühlen. Im öffentlichen Raum fühlen sie sich oft unsicher. Das wollen wir mit unserem Projekt ändern! Wie? Zum Beispiel können sie sich am Bau der Unterstände beteiligen.

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