Schüler demonstrierten gegen den Krieg in der Ukraine - hier auf dem Spielbudenplatz. Schwierige Frage: Wie sollte der Ukraine geholfen werden? Foto: André Lenthe Fotografie

HAMBURG. Der Schrecken steckt den meisten noch in den Gliedern, die seelische und materielle Not ist groß: Geschätzte 20.000 Menschen aus der Ukraine suchen in Hamburg Schutz. Jetzt kommen nicht mehr ganz so viele Menschen, wie in den ersten Tagen nach Putins Überfall auf die Ukraine: Am vergangenen Wochenende haben sich 580 Ukrainer in Hamburg registrieren lassen, insgesamt inzwischen 14.147 Menschen. Das ist wichtig für Arbeitserlaubnis, Sozialleistungen und Schulbesuch.
Hatte es in den ersten Tagen lange Schlangen in eisiger Kälte vor der Registrierungsstelle im Wandsbeker Amt für Migration gegeben, hat sich die Lage beruhigt: Es gibt keine Schlangen mehr und es stehen genug Notunterkünfte für die ersten Nächte zur Verfügung, sodass die mit Feldbetten ausgestatteten Hallen, zum Beispiel im früheren Fegro-Markt in der Harburger Schlachthofstraße, nicht bezogen werden mussten. In der Schanze können in einem weiteren Hotel 130 Menschen untergebracht werden.

Viele unterstützen mit tatkräftigem Einsatz
Die Ukraine-Solidaritätsdemos schrumpfen zwar: Am vergangenen Wochenende trafen sich noch etwa 500 Menschen am Jungfernstieg zur Demo. Aber stattdessen helfen mittlerweile viele Hamburger ganz praktisch: Studenten schmieren Brote für gerade Angekommene, in Lurup hat eine Kirchengemeinde sechs Frauen mit behinderten Kindern untergebracht, viele Privatleute haben Ukrainer in ihre Wohnungen aufgenommen. Der Verein MenscHHamburg hat eine WG für Geflüchtete eingerichtet, ehrenamtliche Hilfsorganisationen wie die Rettungshundestaffel in Wilhelmsburg sammeln laufend Spenden vor Supermärkten und organisieren Hilfstransporte in die Ukraine. Die Schachvereinigung Blankeneser lädt ukrainischen Kinder kostenlos zum Schachtraining ein.

36 Umzugskartons mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln spendeten Handelshof-Kunden in zwölf Stunden der Rettungshundestaffel. Sie bringt die Spenden am Donnerstag an die ungarisch-ukrainische Grenze. Foto: BRH

Ein Angebot, von dem beide Seiten profitieren: Die Asklepios-Kliniken bieten Ukrainern mit Pflege- oder IT-Ausbildung Arbeitsmöglichkeiten (Kontakt Pflege: org-ham-Nord-int3399@asklepios.com; Kontakt IT: manue.werner@asklepios.com). Mit diesen Jobs möchte Asklepios schon länger bestehende Lücken in der Pflege schließen. Allerdings werden gute Deutschkenntnisse erwartet.

Bürgerverträge wurden verlängert
Außerdem hat der Senat Vereinbarungen, so genannte „Bürgerverträge“, verlängert. Sie waren zum Beispiel in Eidelstedt mit Bürgern geschlossen worden, um die Unterbringung von Geflüchteten nach der Flüchtlingswelle 2015 zeitlich zu begrenzen.
Trotzdem gingen bei der Innenbehörde viele Beschwerden über schlimme Zustände in den Notunterkünften ein. Senator Andy Grote beteuerte, man sei jedem Hinweis nachgegangen, vor Ort habe sich aber keiner bestätigen lassen. Er vermutet gezielte Falschmeldungen dahinter, um den Ruf der Stadt zu schädigen.
Sorgen macht aber noch immer der Impfstatus vieler Geflüchteter: Nur wenige Ukrainer sind gegen Corona und Masern geimpft. Kinder, die in Hamburg zur Schule gehen wollen, müssen aber gegen Masern geimpft sein.
Wie soll der Unterricht organisiert werden?
Jetzt geht es darum, Unterricht für die ankommenden Kinder zu organisieren. Die ukrainische Generalkonsulin Irina Tybinka hält nichts von schneller Eingliederung der Kinder in die hamburgische Gesellschaft, zum Beispiel durch Deutschunterricht. Stattdessen sollten die Kinder auf Ukrainisch unterrichtet werden, da sie möglichst schnell wieder in ihre Heimat zurückkehren sollten. Dort würden nach dem Krieg schließlich viele junge Leute für den Wiederaufbau gebraucht. Schulsenator Ties Rabe sieht das anders. Sein Ziel: Den Kindern in Integrationsklassen die „Chancen des deutschen Bildungssystems“ eröffnen und ihnen Deutsch beibringen. Schließlich wisse niemand, wie lange es dauere, bis sie in ihre Heimat zurückkehren könnten. Inzwischen bietet das Generalkonsulat Unterricht auf Ukrainisch an: Samstags können die Kinder Völkerkunde, Geschichte und ihre Sprache lernen. Mehr als 150 Kinder und Jugendliche sind angemeldet.

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