Leckerer Saft aus Nachbars Garten: Geschäftsführerin Nancy Menk mit ihren Mitarbeitern Andreas Schuppert, Stefan Möller und Simon Riedel (v. l.). Foto: cvs

Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg. Der Weg zu den Wilhelmsburger Obstrettern führt bis in den ländlichen Ostteil der Elbinsel: Südlich des Energiebergs in Georgswerder hat die Firma „Das Geld hängt an den Bäumen“ seit Anfang letzten Jahres ihr Zuhause.
Ein Betrieb mit einer ungewöhnlichen Geschäftsidee – in zweierlei Hinsicht: Das 2009 gegründete Unternehmen erntet ungenutztes Obst aus Privatgärten und Streuobstwiesen und keltert daraus eigenen Fruchtsaft, der in Hamburg und Norddeutschland verkauft wird. Zudem haben die Mitarbeiter – derzeit rund 20 – unterschiedliche Handicaps, mit denen sie auf dem normalen Arbeitsmarkt kaum eine Chance bekommen würden. „Wir bringen zwei Ressourcen zusammen: ungenutztes Arbeitskraft und ungenutztes Obst!“, so fasst es Geschäftsführerin Nancy Menk zusammen.

Die Etiketten der Saftschorlen sind mit Mitarbeiter-Portraits bedruckt. Foto: cvs

Geerntet wird vornehmlich auf Wiesen, die von den Eigentümern nicht bewirtschaftet werden – manchmal aber auch dort, wo Obst nur zur Zierde angebaut wird. Auf Golfplätzen zum Beispiel. Die Flächen befinden sich unter anderem in Wasserschutzgebieten, an Deichen oder in der freien Natur. Gedüngt und gespritzt wird nach Aussage der Firma nicht. Rund 60 bis 120 Tonnen Obst beträgt die jährliche Ausbeute – zum überwiegenden Teil Äpfel. Das Saftpressen übernimmt eine Mosterei in Aurich. Abgefüllt wird in 0,2- und 0,7-Liter Flaschen – als Saft, Saftmischung oder in Form von Schorlen.
Mittlerweile hat die Firma auch eigene Flächen dazugepachtet und Bäume angepflanzt. Auf rund 15 bis 20 Hektar wachsen nun alte Apfelsorten wie Finkenwerder Herbstprinz, Notarisappel und der Horneburger Pfannkuchen.
Ein zweites Standbein hat sich der Betrieb mit seinem Garten- und Landschaftsteam aufgebaut, das gegen Auftrag unter anderem Rasen mäht, Hecken schneidet und Bäume pflanzt. Die Säfte von „Das Geld hängt an den Bäumen“ können entweder im Internet bestellt oder vor Ort im Hofladen, Niedergeorgswerder Deich 196, gekauft werden (Mo-Do 9-16 Uhr, Fr 9-14 Uhr).
Eine weitere Besonderheit: Als gemeinnützige GmbH darf das Unternehmen keine Gewinne machen und keine großen Rücklagen bilden. „Alles, was wir einnehmen, wird in die Firma investiert“, sagt Menk. Die Bilanz nach einem Jahr Wilhelmsburg fällt durchweg positiv aus: „Wir mögen das Ländliche, das Inseldasein“, so die Geschäftsführerin.

Der dienstälteste Mitarbeiter: Vertriebsleiter Andreas Schuppert

Andreas Schuppert (60) ist Vertriebsleiter bei „Das Geld hängt an den Bäumen“. Foto: cvs

 

Andreas Schuppert (60) arbeitet bei der gemeinnützigen GmbH „Das Geld hängt an den Bäumen“ als Vertriebsleiter. Er ist seit 2010 dabei und damit dienstältester Mitarbeiter.

Elbe Wochenblatt: Wie haben Sie den Job damals eigentlich bekommen?
Andreas Schuppert: Ursprünglich habe ich eine Ausbildung zum Buchhändler gemacht – zu der Zeit war ich allerdings arbeitslos. Die Firma „Das Geld hängt an den Bäumen“ ist mir aufgefallen, weil es nach einer sinnvollen Beschäftigung klang. Ich habe mich initiativ beworben und bin auch gleich genommen worden. Erst als Praktikant, später als Vertriebsleiter.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Mir ist es wichtig, Kontakt zu anderen Leuten zu haben. Wir beliefern ganz Hamburg und das Umland, ein- oder zweimal im Monat fahren wir bis nach Hannover und nach Göttingen. Allmählich hat sich ein fester Kundenstamm herausgebildet, da entsteht mit der Zeit schon ein Vertrauensverhältnis.

Wie wichtig ist Ihnen der Nachhaltigkeitsgedanke?
Sehr wichtig! Als Vertriebsleiter bei Coca-Cola könnte ich mich nie und nimmer vorstellen.

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