Vor der Pandemie besuchtet Wilhelm Simonsohn (r.) regelmäßig Schulen im Hamburger Westen: Dieses Bild entstand im Februar 2020 in der Geschwister Scholl Stadtteilschule. Foto: Archiv/mg

Seit Wilhelm Simonsohn (102) einst die Sahara bereiste, macht er sich für
Solarenergie stark – bislang vergeblich

Matthias Greulich, Bahrenfeld

Alle paar Jahre schreibt Wilhelm Simonsohn Briefe an Menschen in Politik und Wirtschaft, denen er zutraut, etwas an der althergebrachten Energiepolitik zu ändern. Den Bahrenfelder faszinieren die gigantischen Möglichkeiten, in der Sahara aus Solarenergie Strom zu erzeugen. „Als ein weiteres Standbein neben Wind und Wasser“, wie der 102-Jährige am vergangenen Samstag an Robert Habeck schrieb.

Frau Dr. Merkel war wohl zu sehr
beschäftigt
Wilhelm Simonsohn über seinen unbeantworteten Brief an die damalige Kanzlerin

Als der Brief von Bahrenfeld nach Berlin unterwegs war, weilte der grüne Wirtschafts- und Klimaminister als Bittsteller in Katar, „da es sich ja herumgesprochen hat, dass wir die Gasimporte aus dem Putin-Russland kompensieren müssen, damit wir im nächsten Winter ,keine kalten Füße‘ bekommen“, so Simonsohn.

„Nicht wirtschaftlich“

Einige Male hat Simonsohn die Sahara durchfahren, und die Erinnerung an die hohe „Intensität der Sonneneinstrahlung“ auch in seinen Memoiren „Ein Leben zwischen Krieg und Frieden“ beschrieben.

Vor zwei Jahren fragte er deshalb den Vorstand von Siemens, warum man sich nie weiter dauerhaft an solarthermischen Kraftwerken im südlichen Marokko beteiligt habe. „Dies schreibt Ihnen ein 100-jähriger in Sorge um die Zukunft seiner Urenkel.“ Das Büro von Vorstandschef Joe Kaeser antwortete mit einigen freundlichen Zeilen, dass sich Siemens aus wirtschaftlichen Erwägungen aus diesem Projekt zurückgezogen habe. „Leider wurde damals diese Chance der Stromgewinnung nicht weiter verfolgt, weil angesichts des relativ niedrigen Ölpreises bestimmte Renditevorstellungen nicht realisierbar waren“, findet der Bahrenfelder, dem 2019 für seine zahlreichen Besuchen als Zeitzeuge an Schulen das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde.

Simonsohn gehört zu den Menschen, die schon aus Höflichkeit auf einen Brief zu antworten pflegen. Eine Antwort auf sein Schreiben über die Chancen der Solarenergie, das er 2009 an die damalige Kanzlerin Angela Merkel schickte, hat er zu seiner Verwunderung nie bekommen. „Frau Dr. Merkel war wohl zu sehr beschäftigt“, vermutet er. Gerade bei ihr als Naturwissenschaftlerin hatte er gehofft, „offene Türen einzurennen“.

Mit seinen Töchtern, Enkeln und Urenkeln war Simonsohn auf einigen Demonstrationen von Fridays for Future. Wenn Verantwortliche von Politik und Wirtschaft schon nicht auf den Rat älterer Menschen gehört haben, sollen sie wenigstens die Generation, der sie den Schlamassel eingebrockt haben, ernst nehmen, fordert der 102-Jährige.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here