Harald Vieth zeigt sein neues Buch „Echte Hamburger: Rekordbäume, eindrucksvolle Baumgestalten, blühende Schönheiten“. Foto: pr

Interview: Autor Harald Vieth über Bäume in Hamburg

Jenifer Calvi, Hamburg

Der Frühling ist endlich da. Höchste Zeit für einen Spaziergang an der frischen Luft! Gut, wenn man dabei auf die Kenntnisse von Harald Vieth zurückgreifen kann, denn mit ihm macht das Draußensein noch viel mehr Spaß. Vieth ist der „Baumpate von Hamburg“. Er kennt sie alle: die mächtigen alten Bäume, aber auch die Skurrilen oder am schönsten Blühenden, die Stärksten und die Einzigartigen. In seinem neuen Baumbuch „Echte Hamburger: Rekordbäume, eindrucksvolle Baumgestalten, blühende Schönheiten“ nimmt der Nabu-Baumführer seine Leser mit hinaus in die Baumwelt, vorbei an markanten Lebewesen zwischen Blankenese, Ohlsdorf und Horn. Ein Interview.

Jeder Baum sollte etwas zu bieten haben: Nektar und Pollen für Insekten, Beeren,
Nüsse, Fallobst als Nahrungsquelle für
Vögel oder Würmer, die dann wiederum gern der Igel futtert
Harald Vieth,
Autor

Zierapfelbaum Vorgarten Bundesstraße 60/Ecke Beim Schlump. Foto: Harald Vieth

Elbe Wochenblatt: Herr Vieth, warum sollten Bäume von uns Menschen gut behandelt und respektiert werden?
Harald Vieth: Bäume, vor allem die großen und mächtigen, sind enorm wichtig im Kampf gegen den Klimawandel. Sie filtern das schädliche CO2 aus der Luft. Bäume spenden Schatten in trockenen Perioden, sie liefern Nahrung für Insekten und Vögel, sie bieten Wohnraum für viele Tierarten und leisten so enorm viel für die Biodiversität (Artenvielfalt, Anm. d. Red.).

Herr Vieth, wie nutzt der Leser Ihr neues Buch am besten?
Bereits in meinem ersten Bäumebuch (siehe Infos unten) habe ich den Leser eingeladen, mit dem Buch in der Hand einen Spaziergang zu unternehmen, der sich ganz und gar auf die Bäume Hamburgs konzentriert. Nach Stadtteilen sortiert kann man so auf Entdeckungsreise gehen. Man muss allerdings dabei nach oben gucken! Ein Tipp von mir: Fangen Sie jetzt in Planten un Blomen an, da blüht als einer der ersten Bäume im Jahr schon: die Zaubernuss.

Stammt aus den 40ern: der Trompetenbaum Grindelallee/Schlump. Foto: Harald Vieth

Haben Sie einen Hamburger Lieblingsbaum?
Nein, nicht direkt, aber es gibt einige, die ich jedem ans Herz legen möchte. So sollte der Weg beispielsweise einmal zu dem alten Trompetenbaum zwischen den Straßen Grindelallee und Beim Schlump vorbeiführen. Er wurde in den 1940er-Jahren gepflanzt und hat schon viel gesehen. Aber auch die Kuchenbaumallee auf dem Ohlsdorfer-Friedhof ist in der herbstlichen Jahreszeit ein tolles Highlight. Wer dann an einem Blatt schnuppert und eine gute Nase hat, merkt: Es duftet nach Kuchen …

Soll ich jeden Tag einen Baum umarmen?
Im China umarmen alte Menschen manchmal alte Bäume und erzählen ihnen ihre Sorgen – so der Brauch. Ich finde das schön. Ich persönlich umarme Bäume nicht, aber ich finde, jeder, der es will, sollte es einfach tun und sich am Baum erfreuen.

Wenn ich einen Garten habe, welchen Baum soll ich pflanzen?
Jeder Baum sollte etwas zu bieten haben: Nektar und Pollen für Insekten, Beeren, Nüsse, Fallobst als Nahrungsquelle für Vögel oder Würmer, die dann wiederum gern der Igel futtert. Nehmen Sie Abstand von immergrünen Bäumen, die keine Samen, Pollen oder Nektar bieten. Auch ein Ginkgobaum als Beispiel ist zwar ein imposanter Anblick, aber er hat nichts, was den Tieren nutzt.

Was wünschen Sie sich von der Umweltbehörde, wenn es um Baumleben geht?
Ganz klar: Mehr Bedacht und Achtsamkeit, wenn es um das Fällen geht. Bedenken Sie: Ein Baum muss Jahrzehnte bis Jahrhunderte wachsen, wenn er für den Klima- und Artenschutz etwas bringen soll. Bäume fallen mir zu schnell, um etwa Velorouten oder Bushaltestellen Platz zu machen. Wir brauchen die Verkehrswende, ja – aber nicht zu Lasten der Bäume.

>> Harald Vieth, „Echte Hamburger: Rekordbäume, eindrucksvolle Baumgestalten, blühende Schönheiten“, 19,95 Euro Bestellung per E-Mail an
Harald@viethworld.net
www.viethverlag.de

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here