Die „Russische orthodoxe Kirche im Ausland“ von St. Prokopj wurde zwischen 1961 und 1965 gebaut. Foto: wikimedia.org

Was denken in Deutschland lebende Russen über den Krieg gegen die Ukraine? Das Elbe Wochenblatt fragte nach

Ch. v. Savigny, Hamburg

„Man kann es gar nicht mit Worten beschreiben!“ Joseph Wowniuk, Erzpriester der russisch-orthodoxen Kirche des heiligen Prokopj in der Hagenbeckstraße, ringt hörbar um Fassung, als er mit dem Wochenblatt telefoniert. Seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs vor gut zwei Wochen sei die Gemeinde in großer Sorge.

Es ist traurig, dass so etwas passiert – die Leute, auch unsere Gemeindemitglieder, leiden sehr unter der Situation

Joseph Wowniuk,
Erzpriester der
Russisch-orthodoxen Kirche
des heiligen Prokopj

„Viele haben Verwandte in der Ukraine und bangen natürlich um deren Leben“, berichtet der Geistliche. „Es ist traurig, dass so etwas passiert – die Leute, auch unsere Gemeindemitglieder, leiden sehr unter der Situation“, fügt er hinzu.

Keine politischen Kommentare

Zwar will Wowniuk unter allen Umständen vermeiden, einen politischen Kommentar abzugeben („Die Kirche sollte nicht politisch sein!“), aber wenigstens helfen wolle man. Und zwar nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten: „Über Beziehungen konnte jemand aus der Gemeinde ein Busunternehmen engagieren, das jetzt geflüchtete Ukrainer von der Grenze abholt. Wir wissen noch nicht, wo wir sie unterbringen werden“, berichtet Wowniuk. „Es kommen entweder Hamburg oder Flensburg oder auch ein anderer Ort in Norddeutschland in Frage.“

Viele haben Verbindungen in die Ukraine

Die Prokopj-Kirche feiert ihre Gottesdienste üblicherweise mit rund 150 Besuchern – wegen der Pandemievorschriften ist der Zutritt zurzeit jedoch auf 50 Personen beschränkt. „Etwa die Hälfte von ihnen hat Verbindungen in die Ukraine“, so Wowniuk. „Sie versuchen, per Telefon oder über soziale Netzwerke miteinander in Kontakt zu bleiben.“ Die Gemeinde bete unterdessen weiter für den Frieden.
Auch die deutsch-russische Pfingstgemeinde in Harburg hat schon Flüchtlinge aufgenommen. „Bei uns sind gerade zwei ukrainische Familie angekommen, die quartieren wir hier ein“, sagt Pastor Robert Berscheminski. An der Stader Straße, dem Standort der Gemeinde, sei der Krieg natürlich ein großes Thema. „Wir beten und hoffen“, so der Kirchenmann.

Sie nehmen Flüchtlinge auf

Noch direkter betroffen ist die ukrainisch-katholische Allerheiligenkirche in Neuwiedenthal, da die ukrainischen Mitglieder fast durchweg enge Verbindungen in ihr Heimatland pflegen. Hier sind nach Auskunft von Pfarrer Pavlo Tsvok bislang acht Kriegsflüchtlinge aufgenommen worden – weitere sollen folgen.

 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here