Hier am Eingang zum Unnapark könnte ein stilles Örtchen entstehen. Foto: Andresen

Behörde gibt Bezirksamt die Schuld: „Acht Standorte vorgeschlagen – alle wurden abgelehnt!“

Dirk Andresen, Eimsbüttel

Dieser Klo-Krach entwickelt sich immer mehr zum unappetitlichen Dauerbrenner: Im Streit um die Errichtung einer öffentlichen Toilette im Bereich Osterstraße/Heußweg/Unnapark wurden bisher die zuständige Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) und das ebenfalls involvierte Bezirksamt Eimsbüttel von Kritikern und Lokalpolitikern, die für das Projekt kämpfen, unter Beschuss genommen.

Jetzt schieben sich die attackierten Institutionen gegenseitig die Schuld dafür in die Schuhe, dass der dringende Bürgerwunsch bisher schlicht ignoriert und immer wieder auf die lange Bank geschoben wurde.

Die BUKEA, die mehrfach massiv angegriffen worden war, schiebt den Schwarzen Peter dem Bezirksamt zu: Behörden-Sprecherin Renate Pinzke: „Wir haben als zuständige Behörde insgesamt acht Standorte im Bereich Osterstraße und Heußweg sowie am Unnapark vorgeschlagen und geprüft. Alle wurden abgelehnt.“

Warum die zuständigen Entscheider beim Bezirksamt alle Behörden-Vorschläge in den Wind schlugen? Bisher schleierhaft! Auf eine entsprechende Anfrage des Elbe-Wochenblattes reagierte die Bezirksamts-Pressestelle jetzt mit folgendem Statement: „Das Bezirksamt hat hierbei auch gar keine maßgebliche Rolle. Richtig ist, dass seit Jahren über eine Toilettenanlage in den Gremien der Bezirksversammlung diskutiert wurde und bislang aus unterschiedlichen Gründen kein Standort gefunden werden konnte.“

Der Eimsbütteler Linken-Politiker Peter Gutzeit will es ganz genau wissen: „Ich habe aktuell eine entsprechende Anfrage gestellt – da stimmt doch etwas nicht.“ Möglicherweise, so vermutet er, wolle das Bündnis der Ladenbesitzer in der Osterstraße ein solches Klo in seinem Revier nicht – und übe vielleicht entsprechenden Druck aus…

Die BUKEA geht in der Sache indes noch weiter in die Offensive, lobt die eigenen Planungen und Umsetzungen zum Thema nachdrücklich: „8,25 Millionen Euro werden für Neubau- und Sanierungsmaßnahmen an öffentlichen Toiletten zur Verfügung gestellt. Damit sollte ein leistungsfähiges und attraktives Angebot an zentralen und vielfrequentierten Orten in der Stadt gesichert sein.“

In den Ohren der oftmals Druck-geplagten Eimsbütteler klingt das wohl eher wie Hohn. Findet auch die langjährige CDU-Kommunalpolitikerin Ellen Schuttrich: „Ich bin bei diesem ganzen Hickhack nur noch entsetzt. Das ist ein Armutszeugnis für die Politik – in Hamburg und in Eimsbüttel. Viele Menschen gehen hier schon in ihrer Not beim Einkaufen in eines der Dixie-Klos auf den Baustellen.“ Sie verspricht, auch weiter für den stillen Ort in der geschäftigen Gegend zu kämpfen: „Als nächstens werden wir eine Aktion in der Osterstraße starten, um noch mehr Menschen für unseren Kampf zu gewinnen.“

2 KOMMENTARE

  1. Bei diesem Hickhack wird leider anscheinend vergessen, dass es in dem Gebiet insbesondere an barrierefreien Toiletten mangelt. Damit werden Menschen im Rollstuhl von der Teilhabe ausgeschlossen und endlos hingehalten. Was ist so schwierig daran moderne Toilettenanlagen aufzustellen? In Blankenese stehen sie zentral auf dem Bahnhofsvorplatz zwischen Café und Geschäften. In der Osterstraße könnten sie ebenfalls auf eh versiegelten Flächen aufgestellt werden. Einfach zwei Parkplätze weg und schon ist Platz da. Warum also in einen Park, der abends dunkel ist?

  2. Ein entspanntes Bummeln durch die Osterstraße ist für mich als Rollstuhlfahrerin nicht möglich. Auch der Besuch eines der vielen Restaurants in der Osterstraße fällt flach, da sie ihre Toiletten meistens im Keller haben. Auch wenn Rollstuhl nutzende Freunde fragen, was sie in Eimsbüttel unternehmen können, rate ich eher von einem Besuch ab. Geschäftsleute schädigen sich damit eher selber. Und Inklusion ist wohl ein Fremdwort.

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