Immer mehr Mädchen spielen an der Grundschule Windmühlenweg begeistert und sehr erfolgreich Schach. Foto: Langenbach

Von Maren Langenbach

Konzentriert geht es zu an diesem Dienstagnachmittag im Klassenraum der 4a der Grundschule Windmühlenweg, in dem acht Zweitklässlerinnen gerade ihre Schachpartien ausspielen. Trainer Gerhard Bissinger geht von Tisch zu Tisch, lobt, gibt Tipps, wenn´s mal hakt. Schach ist an der Groß Flottbeker Schule ein echter Renner: Über 180 Kinder spielen in 25 Kursen – und immer mehr Mädchen sind vom „Spiel der Könige“ begeistert.
„Wir haben gemerkt, dass sich Mädchen in reinen Mädchengruppen wohler fühlen“, erzählt Gerhard Bissinger, Vorsitzender der Social Business Stiftung. Die Stiftung bietet die Schachkurse in der Schule an, zusammen mit der Ballin Stiftung, die Nachmittagsbetreuung am Windmühlenweg organisiert.
„Den Mädchen geht es natürlich auch ums Gewinnen, wie die Jungs sind auch sie ehrgeizig, nur auf eine andere Art. Sie sehen es vielleicht weniger verbissen, sondern geben sich auch mal gegenseitig Tipps und genießen es, beim Schach mit den Freundinnen eine gute Zeit zu haben.“

Niederlagen akzeptieren lernen
So wie Martha, die gegen Charlotte antritt: „Ich möchte schon gern die Siegerin sein, aber beim Schach lernt man auch, Niederlagen zu akzeptieren. Wenn man verliert, ist man dann nicht gleich böse“, weiß schon die Siebenjährige.
Schon seit über zehn Jahren gab der pensionierte Lehrer Henning Jungblut immer mal wieder Schachlektionen bei Unterrichtsausfall. „Seit vier Jahren fand immer vor den Frühjahrsferien in der Aula ein großes Schachturnier mit 40 Kindern statt – mit nur eine Handvoll Mädchen. „Das mussten wir ändern“, erinnert sich der 75-Jährige.
Dann starteten Kurse nur für Mädchen. Im Lockdown 2020 trainierte man online über die Plattform Lichess. Henning Jungblut hielt telefonisch Kontakt, damit alle am Ball blieben. Vielleicht tat auch der Netflix-Miniserienhit „Das Damengambit“, bei dem sich eine junge Frau in der Männerdomäne behauptet, Ende 2020 ein Übriges.

Selbst ein Übungsheft erarbeitet
Heute stellen die Mädchen jedenfalls fast die Hälfte aller schachspielenden Kinder der Schule. Weil es kein Unterrichtsmaterial gibt, das Mädchen anspricht, erarbeitet man selbst ein Übungsheft, sagt Silke Schwartau, die schon mit Vorschulkindern Schach spielt.
Auch die Schachvereinigung Blankenese freut sich über immer mehr Mädchen vom Windmühlenweg: „Wir haben erst im August 2021 mit den Mädchengruppen begonnen. Trotzdem waren einige beim Hamburger Jugendeinzelturnier schon sehr erfolgreich und unter den Besten“, sagt Trainer Berthold Riering, der am Lise Meitner-Gymnasium Kurse gibt. So stellten die Mädchen beim Schulschachpokal 2021 die zwei besten Mannschaften der Hamburger Grundschulen und schafften es bei den Deutschen Meisterschaften auf Platz vier.

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