Die Wilhelm-Dähn-Stiftung bietet Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen. Foto: Marwedel

Von Jörg Marwedel

Fast 1.500 Stiftungen gibt es in Hamburg, aber nur wenige sind so alt wie die Wilhelm-Dähn-Stiftung in Rissen. 1934 gründete Unternehmer Dähn sie zum 25-jährigen Bestehen seiner 1908 gegründeten Firma, die Seegüter kontrollierte. Die gemeinnützige Einrichtung sollte langjährigen Mitarbeitern und unverschuldet in Not geratenen Menschen helfen. 1960 baute Dähn in der Hobökentwiete sechs Mietshäuser auf einem 13.648 Quadratmeter großen parkähnlichen Areal. Es entstanden 114 Wohnungen für Leute ab 54 Jahre, die auf dem freien Wohnungsmarkt meist keine Chance haben.
Nach über 60 Jahren wird die Unterkunft jetzt saniert. Das Ziel: Die etwa 200 Mieter sollen nicht viel mehr als jetzt zahlen. Stiftungsvorstand Oliver Moll, im Zivilberuf Geschäftsführer der Firma „Moll&Moll“, die Zinshäuser verkauft, vermakelt und betreut, hat zusammen mit der Firma Frank ein Konzept erdacht, mit dem das gelingen soll.
Ab Juni oder Juli soll die Anlage energetisch nachhaltig (also CO2-sparend), wirtschaftlich und weitgehend barrierefrei renoviert werden. Es werden neue Heizungen eingebaut, viele Wohnungen bekommen einen Balkon. Eine umfassende Wärmedämmung soll zusammen mit einer Fotovoltaikanlage so viel einsparen, dass die Mieten (etwa 450 Euro für eine Zweizimmer-Wohnung) trotz des 11,5 Millionen Euro teuren Projektes kaum angehoben werden müssen.

Im Grünen: Die Häuser der Wilhelm-Dähn-Stiftung müssen dringend saniert werden. Foto:Marwedel

Menschen mit oft schweren Lebenswegen
Während der Umbauphase sollen die Bewohner teilweise in die derzeit 30 leeren Wohnungen umziehen. Etwa die Hälfte der Menschen mit oft „schweren Lebenswegen“, so Moll, wohnt dort seit über 20 Jahren. Einige Studenten haben ebenfalls ihr Zuhause dort, denn die Stiftung des inzwischen aufgegebenen Betriebes soll auch Lehre und Forschung fördern.
Stolz ist Moll darauf, dass mit Hilfe der „Rissener Runde“ aus Lokalpolitikern und Bürgervereinsvertretern durchgesetzt werden konnte, dass seit 2018 ein Bus 180 Meter von den Dähn-Häusern hält. Denn die Hobökentwiete liegt im Grünen, weit vom Ortskern entfernt – für die zumeist älteren Mieter ein erhebliches Problem.
Ein kleines Fragezeichen gibt es aber noch bei dem Projekt: Die staatliche Förderung ist noch nicht in trockenen Tüchern. In den nächsten Wochen erwartet man die offizielle Antwort auf den Antrag. Zuletzt hätten vor allem Neubauprojekte das ökologische Fördergeld abgeschöpft. Deshalb sei „die Hoffnung das Prinzip“, sagt Moll. Sollte es wider erwarten deutlich weniger Geld geben, müsste die Sanierung zusammengestrichen werden. Dann würden die Balkone wegfallen, ebenso manche ökologische Verbesserung. Im schlimmsten Fall müsste die Stiftung ein Haus verkaufen.

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