Es war Winter: Damals fuhr der 37er-Schnellbus noch durch den Osdorfer Born: Ein Archivfoto aus dem Februar 2021. Foto: mg

Böse Überraschung: Versprochene Verbindung nach Stellingen coronabedingt
weiter „zunächst ausgesetzt“, kein Ersatz für eingestellten Schnellbus

Matthias Greulich, Osdorfer Born

Vor der Bundestagswahl war der grüne Verkehrssenator Anjes Tjarks zu Gast im Bürgerhaus Bornheide. Der Altonaer Kreisverband verschickte im Anschluss eine Pressemitteilung, die er „Grüner Schwung für die Mobilität in Osdorf und Lurup“ betitelte. Das Wahlkampfversprechen, die vom Schnellbahnnetz seit Jahrzehnten abgehängten Stadtteile besser anzubinden, hat sich von der Realität weit entkoppelt. Der Osdorfer Born ist mit dem Winterfahrplan noch schlechter an das Busnetz angebunden als zuvor. Die geplante Schienenanbindung mit der S32 wird – wenn überhaupt – frühestens Mitte der 2030er-Jahre fertig werden (das Elbe Wochenblatt berichtete mehrfach). Aus der Verkehrsbehörde ist seit anderthalb Jahren nicht zu erfahren, wann durchgängige Busspuren gebaut werden, um die Fahrzeit zur Holstenstraße verkürzen.

Welche Linien fallen weg? Die Schnellbuslinie 37 wurde eingestellt. Der 37er kostete Zuschlag, hielt aber zuverlässig an der Station Achtern Born/Kindermuseum. Außerdem musste man den Zuschlag von 2,10 Euro nicht zahlen, wenn man Inhaber einer Zeitkarte oder im Preis reduzierten Teilzeitkarte ist, wozu auch das Sozialticket zählt.

Vorsicht Demo: Zuletzt kam der X3 vor allem an Samstagen nicht rechtzeitig, weil er im Stau in der Innenstadt stand. Foto: mg

Wie wird der Schnellbus ersetzt? Durch die Metrobuslinie 16, der vom Elbe Einkaufszentrum über Blomkamp bis Nienstedten verlängert wird. Der 16er hält aber nicht mehr am Osdorfer Born, der nächstgelegene Halt am Blomkamp ist für Bewohner der Großsiedlung zu weit entfernt. Den Verlust einer Buslinie sieht die Hochbahn durch die Einführung des Expressbusses X3 vor drei Jahren vorzeitig ausgeglichen. Mit dem X3 sei „bereits in Vorleistung zur Schnellbus-Einstellung eine schnelle und zuschlagsfreie Direktverbindung zur Innenstadt geschaffen“ worden, so die recht abenteuerliche Argumentation. „Die Linie 16 verkehrt überall dort, wo es keinen XpressBus-Ersatz gibt“, sagt Hochbahnsprecherin Lena Steinat. Es ist kurios: Der 16er fährt nun im Zehn-Minuten-Takt durch das mit der S-Bahn verhältnismäßig gut angebundene Groß Flottbek Richtung Nienstedten – und den Bewohnern der „äußeren Stadt“, die Tjarks mobiler machen will, wird eine Busverbindung ersatzlos gestrichen. Das betrifft 12.000 Menschen, von denen viele nicht im Homeoffice arbeiten können, sondern darauf angewiesen sind mit dem Bus zur Arbeit zu fahren. Für sie bleibt jetzt noch der X3, der zur Hauptverkehrszeit oft im Stau steht, und die Metrobuslinie 21 übrig.

Warum profitiert der Osdorfer Born nicht von der „Angebotsoffensive“, die der HVV im Winterfahrplan werbewirksam angekündigt hatte? Im Stadtteilmagazin „Westwind“ hatte Verkehrsexperte Gerhard Sadler daran erinnert, dass die Hochbahn in der Borner Runde angekündigt hatte, dass der Expressbus X22, der bisher von Hagenbecks Tierpark über Eppendorf, Barmbek bis nach Jenfeld fährt, „nach dem Jahr 2020“ auch zum Osdorfer Born fahren solle. „Angesichts der deutlich zurückgegangenen Fahrgastzahlen durch die Corona-Pandemie wurde die Umsetzung allerdings zunächst ausgesetzt“, so Hochbahnsprecherin Steinat. Der X22 sollte am Immenbusch abfahren. Ob die Linie nun zum Start des Sommerfahrplans verlängert wird, sagt die Hochbahn nicht.

Wann kommen durchgängige Busspuren? Aus der Verkehrsbehörde gibt es dazu folgende wortgleiche und nichtssagende Sätze im Februar 2022, April 2021 und Juli 2020 zur Antwort: „Bedarfsermittlungen zum Ausbau der Infrastruktur sind Gegenstand der weiteren Überlegungen im Rahmen des ,Hamburg-Takts‘. Zum jetzigen Zeitpunkt können daher noch keine Angaben zu separaten Busspuren erfolgen.“

Bei Senator Tjarks‘ Besuch im Born hatte das noch so geklungen: „Wir haben auch gesagt, wir wollen die ganze StreBaLu – Stresemannstraße, Bahrenfeld und Luruper Hauptstraße – angucken, auch gemeinsam hier mit den Leuten vor Ort, um zu schauen, wie kann man die Mobilitätswende hier her bringen.“

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