Der ausgewählte Entwurf sieht neben dem Quartierssporthaus inklusive Dreifeldhalle und Fitnessstudio für die Hamburg Towers ein Hotel, ein Sporthostel sowie Büroflächen vor. Grafik: Robertneun Architekten

Olaf Zimmermann, Wilhelmsburg. Sportlich läuft es bei den Hamburg Towers weitgehend nach Plan. Der Wilhelmsburger Basketball-Bundesligist hat gute Chancen, die Play-off-Runde zu erreichen. Schwieriger gestaltet sich der Bau des Quartierssporthauses im Rathausviertel. Ende 2023 könnte die künftige sportlichen Heimat des Clubs fertiggestellt sein, hieß es im Frühjahr 2020 – als der Entwurf des Berliner Büros „Robert Neun Architekten“ vorgestellt wurde. Das wird nicht klappen. Einige Hürden mussten überwunden werden. Jetzt wird ein Baustart in 2024 angestrebt.
Zwei wichtige Schritte sind gerade getan: Ende 2021 hat die Stadt das vorgesehene Quartierssporthaus-Grundstück dem Projektentwickler Home United „anhand gegeben“. Jetzt können Details zum Planungsrecht und zur Finanzierung des Projekts geklärt werden, ohne den Verkauf des Grundstücks an Dritte befürchten zu müssen. Der Hamburger Unternehmer Tomislav Karajica, geschäftsführender Gesellschafter von Home United, ist auch Hauptgesellschafter der Hamburg Towers GmbH.
Karajica hat vor wenigen Tagen die Towers-Stiftung gegründet, die als Bauherr des Quartierssporthauses auftritt und bei Bund und Land Fördermittel beantragen kann. Das Grundstück geht ins Stiftungsvermögen. Das fertige Quartierssporthaus wird die Stiftung an den Verein Hamburg Towers vermieten. Mit der Anhandgabe des Grundstücks und der Stiftungsgründung sind zwei Forderungen des Bundes für eine Förderung erfüllt.
Stand 2020 sollte das Bauvorhaben rund 18 Millionen Euro kosten, von denen die Stadt Hamburg 5,5 Millionen und der Bund 4,5 Millionen Euro tragen wollen. „Die restlichen Kosten werden über Kredite finanziert“, sagt Matthias Linnenbrügger, Sprecher der Think United-Gruppe, zu der auch Home United gehört. Ist der Kostenrahmen noch realistisch? „Eine Schärfung der Gesamtprojektkosten erfolgt im weiteren Planungsverlauf und unter Maßgabe des aktuellen Marktgeschehens“, so Linnenbrügger.
Wenn die Banken bestätigen, dass das Projekt finanziell in dieser Form umsetzbar ist, gibt‘s grünes Licht für die Förderung. Bis die Towers ihr neues Zuhause im Rathausviertel nutzen und sich zum Wilhelmsburger Großverein entwickeln können, wird noch einige Zeit vergehen. „Die Fertigstellung des Quartierssporthauses ist nach Absprache mit dem Bund für 2027 vorgesehen“, sagt Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirksamts Mitte.

Interview mit Towers-Geschäftsführer Jan Fischer
Wie kommen die Hamburg Towers in der Pandemie zurecht? Im Wochenblatt-Interview nimmt Geschäftsführer Jan Fischer Stellung.

Die Macher der Hamburg Towers: Jan Fischer (l.) und Marvin Willoughby. Beide stehen auch für die Idee, mit Sport Gutes zu tun – besonders für die Kinder im Quartier. Foto: towers

EW: Wie setzt sich der Saisonetat der Hamburg Towers zusammen? Welchen Anteil haben Zuschauereinnahmen? Jan Fischer: Zuschauereinnahmen machen bei uns in diesem Jahr etwa 30 Prozent des Gesamtetats aus. Der Anteil war aufgrund höherer Hallenauslastung vor Pandemie höher. Darüber hinaus zählen vor allem Sponsoreneinnahmen dazu, Antrittsgelder im europäischen Wettbewerb machen einen weiteren kleinen Anteil aus.

Nach den Corona-Bestimmungen muss die Besucherzahl in der Edel-Optics.de Arena deutlich reduziert werden. Was fehlt deswegen in der Vereinskasse? Zwischen einer Spielzeit in zwei Wettbewerben ohne Einschränkungen, und bestmöglich unter Vollauslastung, und einer Saison wie der jetzigen, mit einer deutlichen Reduzierung der maximalen Zuschauerkapazität, liegt ein siebenstelliger Betrag. Wir merken den Rückgang der absoluten Zuschauerzahlen schon deutlich.

Gibt’s einen Rettungsschirm von Stadt oder Bund, von dem auch die Towers profitieren? Auf Bundesebene erhalten wir Unterstützung über die „Corona-Überbrückungshilfe des Bundes für den Profisport“. Hier werden Ticketausfälle kompensiert, in Höhe von 90 Prozent der Einnahmen im Vergleichszeitraum 2019. Diese Unterstützung hilft – gleichzeitig ist der Vergleichszeitraum für uns sehr ungünstig (Die Towers stiegen im Sommer 2019 in die Erste Liga auf, Anm.d.Red.). Denn eine Anpassung der Ticketpreise vom Zweitliganiveau und die Mehrzahl der Spieltage durch die Teilnahme an der BBL und im EuroCup werden nicht berücksichtigt. Das stellt für uns einen erheblichen Wettbewerbsnachteil dar. Auf Länderebene erhalten wir dazu Förderung als Unterstützung für zusätzliche Hygienekosten und als Soforthilfe.

Wo musste bislang der Rotstift angesetzt werden? Einsparungen waren vor allem beim Spieleretat notwendig. Der aktuelle Etat ist mit Blick auf den europäischen Wettbewerb nicht konkurrenzfähig. Hier konnten wir nicht die gewünschte Entwicklung nehmen. Gleiches gilt auch für den organisatorischen Bereich, unser Backoffice. Hier konnten wir ebenfalls nicht wachsen, weil die Personalkosten nicht gesteigert werden konnten.

Reicht diese Unterstützung aus, um über die Runden zu kommen? Ist professioneller Sport unter diesen Rahmenbedingungen auf Dauer möglich? Es reicht, um über die Runden zu kommen. Auf Dauer ist professioneller Sport unter diesen Gegebenheiten aber nicht möglich. Das gilt für den nationalen aber auch vor allem für den internationalen Wettbewerb.

Mit dem Bau des Quartierssporthauses im Rathausviertel wird frühestens Ende 2024 begonnen. Ursprünglich sollte die neue Heimat der Towers Ende 2023 fertiggestellt sein. Geraten die Towers auf dem angestrebten Weg zum Großverein mit 5.000 Mitgliedern jetzt ins Straucheln? Nein, lediglich der Startschuss verschiebt sich zeitlich nach hinten.

Die Hamburg Towers stehen für soziales Engagement im Stadtteil. Welche Projekte mussten angesichts der Corona-Pandemie auf Eis gelegt werden? Was für Angebote für Kinder und Jugendliche laufen noch? Was geht und was nicht, das war und ist an die Gegebenheiten der Verordnung zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 in der Freien und Hansestadt Hamburg gekoppelt. Es gab Zeiten, in denen mussten wir alle unsere Angebote pausieren. In den Zeiten, in denen es Einschränkungen für die Ausübung des Sports gab, haben wir versucht, andere Lösungen zu finden – Sportangebote im Freien, Sportangebote über digitale Kanäle. Derzeit laufen alle Projekte weiter – Sport an Schule, im Verein, Feriencamp-Angebote werden unter den aktuellen Maßnahmen weiterhin durchgeführt.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here