Einer der Gestaltungsvorschläge der Architekten Limbrock und Tubbesing.

Weil der Bund die Förderung für Niedrig-Energiebauten stoppte, drohte „Wohnen hoch drei“ an der Elfenwiese das Aus. Jetzt will der Staat doch Geld locker machen

Andreas Göhring, Harburg. Ende Januar schien der Lebenstraum von 33 Erwachsenen und 24 Kindern über Nacht geplatzt. Sie hatten erfahren, dass Klimaminister Robert Habeck die staatliche Förderung für Niedrig-Energiebauten kurzfristig gestoppt hat. Damit stand das Mehr-Generationen-Wohnprojekt „Wohnen hoch drei“ auf der Elfenwiese in Marmstorf vor dem Aus.
Inzwischen ist die Bundesregierung ein Stück zurückgerudert, die Aufregung hat sich gelegt, vorsichtiger Optimismus macht sich breit. „Wahrscheinlich wird die Förderung geringer ausfallen“, sagt Wiebke Hansen vom Wohnprojekt. „Wir wissen es noch nicht, hoffen aber auf eine Zwischenlösung. Damit wir mit dem Bau beginnen können.“ Auf jeden Fall sei sie – und mit ihr alle Mitstreiter – erleichtert. Sie lässt sich sogar auf die Frage nach dem frühesten Einzugstermin ein: „Sommer 2023.“
„Wohnen hoch drei“ ist eine genossenschaftliche Baugemeinschaft von Familien und Singles mit zum größten Teil geringen Einkommen. Sie will auf der Elfenwiese zwei Holzhäuser mit 24 Wohnungen bauen – mit gedeckelten und staatlich geförderten Mieten. Mit einer hohen Energieeffizienz, einer Photovoltaik-Anlage und einem Energiespeicher erfüllen die Häuser den Standard „Effizienzhaus 40plus“ – das heißt, gegenüber einem Bau in herkömmlicher Weise brauchen sie nur 40 Prozent Energie. Da sie zum Teil sogar selbst erzeugt wird, gibt es obendrauf noch das „plus“.
Der Staat wollte das belohnen und bot an, 13 Prozent der Gesamtkosten zu fördern. Das wären in diesem Fall 920.000 Euro. Auch Harburgs Politiker zeigten sich beeindruckt und zeichneten das Projekt mit dem Harburger Nachhaltigkeitspreis 2020 aus.
Inzwischen ist die Politik auffallend still geworden, inzwischen ist nämlich auch bekannt, wie der Förderungsstopp wirklich zustand gekommen ist. Es soll sich nämlich um eine gemeinsame, schon im Sommer 2021 getroffene Entscheidung von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und dem damaligen Finanzminister Olaf Scholz (SPD) handeln. Diese Entscheidung blieb zunächst vertraulich, man wollte zunächst die Bundestagswahl abwarten. Nun müssen Robert Habeck (Grüne) und Finanzminister Christian Lindner (FDP) in aller Eile Geld für eine neue Förderung von klimafreundlichen Wohnprojekten locker machen.

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