Sabine Tengeler vom Luruper Forum setzt sich für eine öffentliche Nutzung des Gebäudes ein. Foto: cvs

„Schulkate“ droht zu verfallen: Anwohner fordern öffentliche Nutzung

Ch. v. Savigny, Lurup

Das reetdachgedeckte Fachwerkhaus an der Ecke Lüttkamp/Luruper Hauptstraße hat schon bessere Tage gesehen: Wände und Dach sind von Moos überzogen, die Fenster von innen zugeklebt, damit man nicht hineinblicken kann.

An der Außenwand zur Hauptstraße hin lagert in Säcken abgefüllter Bauschutt. Der Schornstein im First wurde abgebrochen und das entstandene Loch notdürftig mit einer Plane abgedeckt.

Wir haben jetzt die Möglichkeit, ein Schatzkästchen zu bergen – oder aber es bleibt uns am Ende nur ein Schandfleck!
Kaja Steffens,
CDU

Blick ins Innere der Kate (Juni 2021): Der Himmel im oberen Teil ist eine Spiegelung – es wurde durchs Fenster fotografiert. Foto: Tengeler

Im Jahr 2019 hatten die bisherigen Eigentümer das geschichtsträchtige Gebäude, in dem zuvor ein Optiker, eine Schneiderei und die Redaktion der „Luruper Nachrichten“ zuhause waren, an einen Hamburger Investor verkauft. Dieser wollte in dem schmucken Häuschen, das auch unter dem Namen „Schulkate“ bekannt ist, ein „Eventhaus“ machen. Im vergangenen Jahr begannen die Bauarbeiten.

Allerdings hatte der Bauherr die Rechnung ohne die Luruper gemacht: Diese demonstrierten im vergangenen Sommer öffentlichkeitswirksam für den Erhalt des denkmalgeschützten Kleinods, in dem noch bis in die 1920er-Jahre hinein Kinder unterrichtet worden waren. Doch den Vorwurf, das Gebäude werde nicht sachgerecht und viel zu rabiat umgebaut (aufgrund der großen Mengen an Bauschutt, die aus dem Haus getragen wurden, war sogar von „Entkernung“ die Rede) wies das Denkmalschutzamt zurück: Die bisher vorgenommenen Arbeiten hätten nur dem Entfernen nachträglicher Einbauten gedient. Dafür sei keine denkmalrechtliche Genehmigung nötig gewesen, antwortete der Senat seinerzeit auf eine Bürgerschaftsanfrage des Luruper SPD-Abgeordneten Frank Schmitt.

Der Kulturbehörde liegt nach eigener Auskunft noch kein Konzept für eine denkmalgerechte Sanierung der Kate vor.

Baustopp zu spät verhängt?

So sah es einmal aus: die Schulkate mit Optikergeschäft „Geißler“ im Erdgeschoss. Foto: Tengeler

Im Dezember 2021 wurde der von Anwohnern und verschiedenen ansässigen Institutionen geforderte Baustopp schließlich doch noch verhängt – vielleicht zu spät? Denn seither tut sich vor Ort nichts mehr, Regen und Kälte nagen an der „Schulkate“, die nächstes Jahr ihren 200. Geburtstag feiern würde – wenn sie dann überhaupt noch steht. Denn bei vielen macht sich die Befürchtung breit, dass der Eigentümer das Haus absichtlich verfallen lässt, um den Denkmalschutz auszuhebeln.

„Es besteht schon ein gewisser Zeitdruck“, sagt die Altonaer Kulturpolitikerin Kaja Steffens (CDU). „Wir haben jetzt die Möglichkeit, ein Schatzkästchen zu bergen – oder aber es bleibt uns am Ende nur ein Schandfleck!“ Wie viele im Stadtteil setzt sie sich für eine öffentliche Nutzung ein – Stichwort „Heidbarghof in Klein“. Es sei traurig, mitansehen zu müssen, wie die Schulkate verkomme, sagt auch Sabine Tengeler, Geschäftsführerin des Luruper Forums. „Das hat Lurup nicht verdient!“

 

Das sagt das Bezirksamt

Nach Auskunft von Sprecher Mike Schlink befindet sich das Altonaer Bezirksamt derzeit in Gesprächen mit dem Eigentümer. „Dabei geht es um eine mögliche perspektivische Nutzung der Schulkate in Lurup für soziale und stadtteilkulturelle Angebote“, so Schlink. Mehr will das Amt mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen nicht sagen. Nach Informationen des Elbe Wochenblatts geht es um eine mögliche Kooperation mit dem Inhaber – ein Kauf der Immobilie kommt für die Stadt aus finanziellen Gründen offenbar nicht in Frage. CVS

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