Beliebt: Der Aussichtsturm bei den Wildschweinen. Foto: J.-J. Sturzenbecher

RISSEN. Ein breites Bündnis aus Umweltinitiativen hat einen neuen Vorschlag gemacht, was aus dem sanierungsbedürftigen Wildgehege im Klövensteen werden soll. Zu dem Bündnis gehören nicht weniger als neun Initiativen, darunter die Nabu-Gruppen West und Wedel, die Initiative Klövensteensollleben, der Botanische Verein und Vier Pfoten. Zentraler Punkt: Das Erleben von Natur soll im Mittelpunkt stehen, keinesfalls die wirtschaftliche Nutzung als Zoo.
Das Konzept fußt auf drei Säulen: Dem Naturerleben, der Beobachtung heimischer Tierarten in ihrer natürlichen Umgebung und einem „naturpädagogischen Angebot“.
Dazu wollen die Natur- und Tierschützer fest montierte Ferngläser, Gucklinsen und große Hörrohre aufbauen. Dazu sollen „Forschungskoffer“ verliehen werden. Tiere sollen zwar auch weiterhin gehalten werden, doch man möchte sich auf wenige einheimische Tierarten wie zum Beispiel Rotwild oder Damwild beschränken. Tiere sollen möglichst nicht mehr in Käfigen gehalten werden.
Das naturpädagogische Angebot soll Besuchern ermöglichen, die verschiedenen Ökosysteme Wald, Moor, Wiese und Kleingewässer besser zu verstehen. Dafür soll auch weiterhin mit dem Zentrum für Schulbiologie und Umwelterziehung, den Naturschutzverbänden und dem Regionalpark Wedeler Au zusammengearbeitet werden, um teure doppelte Angebote zu vermeiden. Auch ohne Führungen soll man an „Lernstationen“ Interessantes über die Natur erfahren.
Außerdem wollen die Naturschützer eine WC-Anlage, Fahrradständer und Wegweiser von der S-Bahn Rissen und der Haltestelle des 388er Busses aufstellen.
Es ist nicht die erste Idee, wie es mit dem beliebten Wildgehege weitergehen könnte: Erst im November hatte eine österreichische Expertin ein Gutachten mit den drei Alternativkonzepten „Wildtierzoo“, „Waldschule mit Kino oder Naturtheater“ und „Wildgatter mit Fleischproduktion“ vorgestellt. Vorangegangen waren andere Ideen, darunter 2018 ein vor allem kommerziell orientierter Masterplan für einen Zoo namens „Naturwildpark Klövensteen“ mit Hotel und Bildungseinrichtungen.
Die Naturschützer hatten vor allem an der kommerziellen Nutzung durch einen Zoo Anstoß genommen. „Wir brauchen keine spektakulären Zoogehege“, sagt Barbara Meyer vom Nabu West, „es sind die kleinen, alltäglichen Beobachtungen, die es zu entdecken gilt.“

Bisher ein schlichter Eingangsbereich und naturnahes Gelände: das Wildgehege im Klövensteen. Foto: JM

Das Wildgehege Klövensteen

Das Wildgehege Klövensteen gibt es seit 1972. Träger ist die Stadt Hamburg beziehungsweise das Bezirksamt Altona. Besucher müssen keinen Eintritt zahlen. Derzeit werden auf 32 Hektar Fläche 86 Tiere gehalten.
Planungen für einen großen, auf Gewinn ausgerichteten Wildtierzoo – der sogenannte „Masterplan Naturwildpark Klövensteen“ – wurden 2018 gestoppt.
Die Bezirksversammlung Altona gab daraufhin ein Gutachten zur Zukunft des Wildgeheges in Auftrag, das seit November vorliegt. Vorgaben waren: Gehege und Parkplatz bleiben öffentlich, der Zugang bleibt kostenfrei, die Fläche wird nicht vergrößert, Wildtiere sollen vorbildlich gehalten und keine neuen Arten aufgenommen werden. Tiere sollten nicht getötet werden, um Einnahmen zu erzielen. Wichtiger sei der Erhalt der Natur. Diese Vorgaben waren nicht alle im Gutachten berücksichtigt worden.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here