Als Heidi Boelke, Wirtin vom Knobel-Eck in der Denickestraße, ihren Wagen entladen hat, erhielt sie einen Strafzettel. Foto: sl

Sabine Langner, Harburg. Seit 27 Jahren ist Heidrun Boelke die Wirtin vom „Knobel-Eck“ an der Ecke Denickestraße /Weusthoffstraße. Nie war es ein Problem, mal für eine halbe Stunde das Auto direkt vor der Kneipe abzustellen, um das Leergut ein- und die neue Ware auszuladen. Doch jetzt ist die Denickestraße hier eine Fahrradstraße. Viele Parkplätze gingen verloren. Einfach mal eben kurz zum Be- und Entladen den Wagen parken, ist verboten. Weil Heidi Boelke das einmal trotzdem machte, muss sie jetzt 55 Euro berappen.
Unmittelbar nachdem sie das Strafmandat entdeckt hatte, fuhr sie zum Polizeirevier in der Lauterbachstraße. „Dort haben mir die Beamten gesagt, ich solle Widerspruch einlegen, und dann würde ich wohl nichts mehr von der Sache hören“, berichtet die Wirtin. Doch stattdessen bekam Heidi Boelke einen Brief von der Bußgeldstelle. Der Mitarbeiter zeigte zwar Verständnis, drohte aber gleichzeitig mit einem Bußgeld, falls die 55 Euro nicht umgehend bezahlt würden.
„Corona macht uns Wirten schon das Leben schwer“, ärgert sich die Harburgerin. „Aber das ist der Gipfel! Ich kann doch die Getränkekisten nicht einfliegen lassen. Ich bin 68 Jahre alt, mein Mann ist verstorben, und ich muss das hier alles allein machen. Es ist ohnehin schon anstrengend, die schweren Kisten mit der Sackkarre vom Straßenrand bis in die Kneipe zu karren, aber wenn ich auch noch kilometerweit laufen muss, bis ich einen legalen Parkplatz finde, kann ich auch gleich aufgeben. Die Stadt muss doch bei solchen Umbaumaßnahmen auch die Gewerbetreibenden im Blick haben.“

Die Harburger Polizei verweist darauf, dass die Denickestraße in dem bestreffenden Teil schon seit August als Fahrradstraße gilt. „Für mehrere Wochen wurden von dem zuständigen Stadtteilpolizisten viele Informationsgespräche geführt und gebührenfreie Hinweiszettel an falsch parkenden Fahrzeugen angebracht.
Parallel dazu gab es Veröffentlichungen in der Presse und den Medien. Somit dürfte jeder Anlieger ausreichende Möglichkeiten gehabt haben, sich an die neue Verkehrssituation zu gewöhnen oder bei Unklarheiten das Gespräch zu suchen“, sagt Ralf Geissler, Leiter Prävention und Verkehr im PK 46.
Das Bezirksamt rät, eine Ladezone in der Nähe zu nutzen (es gibt nur keine) oder den Wagen in einem Bereich, in dem eingeschränktes Halteverbot herrscht, zu be- und entladen.

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