Impfangebote gibt es überall in Hamburg. Zum Beispiel hier im roten Impfbus in Wilhelmsburg. Foto: André Lenthe

Corona-Pandemie: Infektionszahlen steigen weiter steil an – Stadt fährt mobile Impfangebote zurück – PCR-Tests bald nur noch für besondere Gruppen und Berufe

Die Inzidenz erreicht täglich neue Rekordhöhen. In Schulen gehen die Zahlen längst durch die Decke. Gesundheitsämter kommen mit dem Zählen der Infizierten, Labore mit der Auswertung der PCR-Tests nicht hinterher. Kontaktnachverfolgungen sind weitgehend eingestellt. Die vierte Corona-Welle lässt sich nicht mehr eindämmen.
„Das Virus hat freie Bahn“, sagt Deniz Celik, Gesundheitsexperte der Hamburger Linken. „Wir bekommen eine Durchseuchung“, erklärte Walter Plassmann, Chef der Kassenärztliche Vereinigung Hamburg, in einem Interview auf „Hamburg1“. Weil die Lage in Krankenhäusern, bei Polizei und Feuerwehr aber bislang noch stabil ist, werden die Corona-Regeln aktuell aber nicht verschärft.

Wir bekommen eine Durchseuchung

Walter Plassmann,
Kassenärztliche Vereinigung Hamburg

Neu: PCR-Tests, mit ihnen können Infektionen sicher nachgewiesen werden, bleiben demnächst gefährdeten Berufsgruppen und Risikopatienten vorbehalten. So soll die Lage in den Laboren entspannt werden. Bundesweit fehlt es hier an Testkapazitäten. Nicht so in Österreich: In Wien werden pro Tag 800.000 PCR-Tests ausgewertet – in Deutschland im gleichen Zeitraum rund 400.000.

Wie Genesene ohne den bislang erforderlichen PCR-Test nachweisen können, dass sie die Infektion überstanden haben, steht noch nicht fest. „Eine bundesweit einheitliche Teststrategie ist in Arbeit“, so Senatssprecher Marcel Schweitzer.

In Hamburg melden alle bezirklichen Impfstellen freie Kapazitäten, mit und ohne Terminvereinbarung. Die mobilen Impfangebote in den Stadtteilen wurden von der Sozialbehörde deutlich zurückgefahren.

„Derzeit legen wir den Fokus auf die Ausweitung der städtischen Impfangebote im Rahmen der Impfzentren“, teilt Martin Helfrich, Sprecher der Sozialbehörde, mit.
In vielen Quartieren werden die Menschen leichter über besondere Impfangebote erreicht: So hatten bei der von Integrationsrat, Insel e.V. und DRK gemeinsam organisierten Impfaktion im Phoenix-Viertel alle Besucher die Möglichkeit, in ihrer Muttersprache Fragen zu stellen und diese beantwortet zu bekommen. Insgesamt wurden 194 Menschen geimpft, darunter auch 37 Kinder zwischen fünf und elf Jahren.

In Wilhelmsburg gibt es nur wenige Impfangebote. Jetzt ist zum zweiten Mal der „Rote Impfbus“ von Hermann Schuster zum Stübenplatz gekommen. Zu normalen Zeiten veranstaltet Schuster mit seinen roten Doppeldeckerbussen Stadtrundfahrten für Touristen, inzwischen unterstützt er ehrenamtlich die stockende Hamburger Impfkampagne. Diesmal haben am Stübenplatz über 100 Menschen einen Piks von Impfarzt Jan Franz erhalten.
Ob der „Rote Impfbus“ nochmal nach Wilhelmsburg kommen oder sein Angebot sogar auf weitere benachteiligte Stadtteile ausdehnen wird, ist ungewiss. Für die „Sondernutzung des Stübenplatzes“ im Dezember hatte der Bezirk Mitte Hermann Schuster eine Rechnung über 244,20 Euro geschickt. Für aktuelle Impfaktion ist eine weitere Rechnung angekündigt. „Als Veranstalter müssen wir noch Geld mitbringen, um unseren Beitrag zur Pandemiebekämpfung zu leisten“, schimpft Schuster. Nachdem sich Mitte-Bezirksamtsleiter Neubauer an die Finanzbehörde gewandt hat, scheint diese nun auf die 244,20 Euro verzichten zu wollen. „Es sieht gut aus“, so Bezirksamtssprecherin Sorina Weiland.

In Eimsbüttel bietet der ETV weitere Testmöglichkeiten (PCR- und Schnelltests) an: im Sportzentrum Bundesstraße 96 und im Sportzentrum Hoheluft am Lokstedter Steindamm 75. Einen Termin erhält man online unter: https://test4you.hamburg

Auch in Wilhelmsburg wurden auf dem Marktplatz in Kirchdorf-Süd und im Luna-Center zusätzliche Teststationen eingerichtet. Auch die Apotheke (mAVI-Apotheke) am Kirchdorfer Damm bietet nun Bürgertestungen an.

 

Hintergrund

Die Sieben-Tage-Inzidenz (sie gibt an, wieviele von 100.000 Einwohnern sich in den vergangenen sieben Tagen mit Corona infiziert haben) liegt in Hamburg laut Sozialbehörde bei 1999 (Stand 25. Januar) – weil nicht allen Daten ausgewertet sind, aber vermutlich deutlich höher. Auf Hamburger Intensivstationen befinden sich 76 Corona-Patienten (Stand 24. Januar). An/mit Corona sind in Hamburg 2.085 Menschen gestorben (Stand 24. Januar).

Was bedeutet Durchseuchung? Bei einer unkontrollierten Durchseuchung stecken sich große Teile der Bevölkerung in kurzer Zeit mit dem Virus an. Auf diese Weise könnte eine „Herdenimmunität“, eine Grundimmunisierung der Bevölkerung, erreicht werden. So eine schnelle Durchseuchung kann aber zu einer Überlastung der Krankenhäuser führen.
Deswegen soll eine Immunisierung vor allem durch Impfungen geschehen.

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