Ruben Jonas Schnell hat ByteFM 2008 gegründet und ist Redaktionsleiter des Radios. Foto: Josefine harms

Josefine Harms, Hamburg. Ed Sheeran und Taylor Swift in Dauerschleife wird es hier nicht geben: ByteFM versorgt seine Hörer vom Medienbunker in der Feldstraße aus mit Musik abseits des Mainstreams. Seit Jahresbeginn ist das Webradio auch 24 Stunden am Tag auf den UKW-Frequenzen 91,7 und 104,0 zu hören.
Gegründet wurde ByteFM 2008 von Ruben Jonas Schnell. Der Musikjournalist, der bis vor Kurzem auch noch für den NDR arbeitete, wollte einen Sender schaffen, der sich durchgehend tiefgründig mit Musik beschäftigt. Bei dem auch Songs gespielt werden, die anderswo nicht zu hören sind (siehe auch Infotext). Bei ByteFM spielen und erklären die Moderatoren die Musik, die ihnen selbst gefällt. Hier bestimmt kein Computer Auswahl und Reihenfolge der Songs.
„Wir haben uns den Sender mit wenig Geld selbst aufgebaut. Zunächst hatten wir einen Sponsor, der uns geholfen hat, die Server und die Miete zu bezahlen. Unser erstes Equipment haben wir bei eBay gekauft“, erzählt Schnell.
Neun fest angestellte und zehn freie Mitarbeiter bereiten verschiedene Programme vor. Zum Beispiel das „Stadtmagazin“, in dem Gäste aus Hamburgs Kulturbranche über ihre Arbeit und ihren Bezug zur Musik sprechen. Außerdem werden Konzerte und Veranstaltungen angekündigt und besprochen. Rund 90 Moderatoren sitzen unentgeltlich am Mikro. „Einige sind auch für öffentlich-rechtliche Sender tätig. Sie machen die Sendungen bei uns dann eher als Hobby“, erklärt der ByteFM-Chef. „Mein Anspruch ist die respektvolle, professionelle Aufarbeitung musikjournalistischer Themen. Ich sehe mich in einer Vermittlerrolle zwischen der Musik und dem Hörer.“
Ungewöhnlich: Auf ByteFM läuft keine Werbung. Der private Sender wird ausschließlich über einen Förderverein finanziert. „Knapp 8.000 Mitglieder unterstützen uns mit durchschnittlich 60 Euro im Jahr“, so Schnell.
Bisher ließ sich ByteFM nur online streamen. „So haben uns vor allem Hörer gefunden, die ohnehin sehr stark von Musik begeistert waren.“ Im letzten Jahr waren das über 500.000. „Das Webradio hat sehr gut für uns funktioniert.“ Aber warum dann der Schritt vom digitalen Radio der Zukunft hin zum „Radio der Vergangenheit“ auf UKW? Warum hat sich ByteFM um die beiden UKW-Frequenzen beworben und dabei unter anderem gegen Rock Antenne Hamburg, Radio Next Generation, Hamburg FM oder Radio Hamburg durchgesetzt?
„Wir glauben nach wie vor an das Internet als idealen Verbreitungsweg für ByteFM im gesamten deutschen Sprachraum und strahlen unser Signal natürlich weiterhin online aus“, erläutert ByteFM-Chef Schnell. „Aber nach wie vor hören die meisten Menschen über UKW Radio. Durch die beiden UKW-Frequenzen werden uns viele Leute zufällig kennenlernen und so können wir die Reichweite schlagartig enorm vergrößern.“
Und vielleicht auch neue Mitglieder für den Förderverein gewinnen, damit ByteFM auch in Zukunft werbefrei bleiben kann.

Nachgefragt
EW: Was macht das Programm von ByteFM einzigartig?
Rubens Jonas Schnell: „Bei ByteFM gibt es jede Art von Musik. Wir müssen sie nur gut finden. Aber von Rock über Hip-Hop und Techno bis zu Jazz und Klassik ist hier alles zu hören. Neue Künstler. Alte Künstler. Außerdem berichten wir jetzt auch über kulturelle Entwicklungen und Ereignisse in Hamburg, jenseits von der Musik. Und wir laden immer wieder Musiker, die gerade auf Tour sind, zu uns ins Studio ein.“

EW: Was ist die Zielgruppe von ByteFM?
Rubens Jonas Schnell: „Da für ByteFM zunächst nicht das Marketing im Vordergrund steht, sondern die Umsetzung eines Ideals, mussten wir zunächst keine Zielgruppe bestimmen. ByteFM richtet sich an jeden, der sich für Musik und Kultur interessiert. Die meisten unserer Hörer sind aber zwischen 25 und 55 Jahre alt.“

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