2.082 Unterschriften gegen zusätzliche Häuser im Eisenbahnerviertel – jetzt geht es in die zweite Runde

Reinhard Schwarz, Eidelstedt

Erfolg für das Bürgerbegehren gegen die Nachverdichtungspläne der Vonovia im Eisenbahnerviertel von Eidelstedt: Die Bürgerinitiative „Eisenbahnerviertel retten – Vonovia stoppen“ konnte mehr als 2.082 Unterschriften sammeln. Damit liegt das Bebauungsplanverfahren erst einmal auf Eis. „Dies ist nur der erste Schritt. Nun wollen wir auch den Bürgerentscheid erreichen“, erklärte Sprecher Horst Becker.

Worum geht es? Die Vonovia will zusätzlich zu den bereits existierenden 737 Wohnungen des Unternehmens im Eisenbahnerviertel weitere 292 errichten. 83 Wohnungen, rund 30 Prozent, sollen mit öffentlichen Mitteln gefördert, 209 sollen frei finanziert werden. Vonovia will vor allem Wohnungen für Alleinstehende und kleine Familien bauen. Das klingt zunächst ganz gut. Allerdings genießt das Unternehmen bei Mietern keinen guten Ruf. Viele klagen über undurchsichtige Kostenabrechnungen und darüber, dass ihnen notwendige Sanierungen aufgebürdet würden.

 

Das Eisenbahnerviertel in Eidelstedt ist durch größere Häuserblocks aus den 1960er und 1970er Jahren geprägt. Foto: rs

In einem nächsten Schritt müssen die Gegner der nachträglichen Bebauung bis 19. April 6.245 gültige Unterschriften sammeln, damit der Bürgerentscheid zustande kommt. In seltener Eintracht haben sich in der Initiative Mitglieder von CDU, zum Beispiel Frank Döblitz, und der SPD wie Peter Schreiber zusammengefunden. Mit von der Partie ist mit Horst Becker auch ein ehemals grüner Bürgerschaftsabgeordneter, nunmehr parteilos.
Warum unterstützt die Eimsbütteler SPD die Vonovia-Kritiker, wo doch sonst das Motto – entsprechend den Senatsvorgaben – lautet: bauen, bauen, bauen? „Wir stehen weiterhin zu den Wohnungsbauzielen Hamburgs“, stellt Fraktionschef Gabor Gottlieb klar. „Der Bezirk hat bisher seine Ziele erfüllt und wird es auch zukünftig tun.“ Aber: „Nur können wir uns eine Nachverdichtung im Eisenbahnerviertel nicht vorstellen, und erst recht nicht mit der Vonovia, die einfach kein guter Partner ist.“

Warum unterstützen die Grünen die Initiative nicht? „Wir sehen das Vorhaben der Vonovia auch in diesem Umfang zwar kritisch, lehnen die Pläne aber nicht grundsätzlich ab“, positioniert sich Fraktionschef Ali Mir Agha. „Wenn es um Wohnungsbau auf bereits versiegelten Flächen, wie auf heruntergekommenen Garagenhöfen, geht: Da sind wir offen. Zudem wollen wir erstmal abwarten, was die öffentliche Auslegung bringt.“ Aber man will auch CDU und SPD die Tür nicht vor der Nase zuschlagen: „Wir halten auch Kontakt zur Initiative.“

 

Wohnungen für Eisenbahner

Die ersten Wohnhäuser westlich der Elbgaustraße entstanden bereits in den 1920er Jahren. Vor allem Eisenbahner und ihre Familien zogen dort ein. Die damals noch großen Grundstücke dienten vor allem der Selbstversorgung der Bewohner. In den 1960er und 1970er Jahren wurden weitere Wohnhäuser gebaut. Sie wurden von der Deutschen Bundsbahn an die Gagfah verkauft. Die Gagfah verwandelte sich später in die Vonovia SE, ein an der Börse geführtes Unternehmen. Wer es sich leisten konnte, kaufte damals seine Mietwohnung.

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