Der „Märchengarten“ in der Hospitalstraße. Foto: Dirk Andresen

Wie eine Schichtarbeiterin in der Hospitalstraße mit Liebe, Fantasie und Fabelwesen Kinder, Kranke und Obdachlose glücklich macht

 

Manchmal wohnt die Gute Fee tatsächlich direkt nebenan. Entführt junge und ältere Menschen in ihren Zauberwald, erzählt Geschichten mit märchenhaften Figuren wie Zwergen, Prinzessinen, dem Froschkönig, oder – wie gerade geschehen – dem Weihnachtsmann, Rentieren und Gnomen. Und wenn sie überwiegend auch noch Kinder, arme Leute oder kranke und behinderte Menschen mit in ihre Fabelwelt nimmt, dann werden Märchen tatsächlich manchmal wahr. So wie jetzt wieder geschehen – im tiefsten Altona.

Dort, im Vorgarten des Mietshauses an der Hospitalstraße 43, teilt eine der Mieterinnen ihren Traum von Zauberwesen und guten Taten schon seit längerer Zeit mit den Buttjes und Deerns der benachbarten Kita. Aber auch mit vielen Zeitgenossen ohne festen Wohnsitz, die täglich an der Tafel um die Ecke ein Essen und ein bisschen Geborgenheit finden.

Und es gibt Larissa Karelina, einer durch Multipler Sklerose an den Rollstuhl gefesselten 62-Jährigen, die fast täglich mit ihrer sie pflegenden Mutter Tamara Pitkowsky (86) den Märchengarten vor dem Nachbarhaus bestaunt.

„Wir sind immer wieder begeistert, mit welcher Liebe, Fantasie und Hingabe in diesem Vorgarten durch Figuren und Arrangements die faszinierendsten Geschichten erzählt werden“, sagt Tamara Pitkowsky. Ihre schwer erkrankte Tochter Larissa schöpft schon seit einiger Zeit aus den Besuchen im benachbarten Märchengarten Kraft im Kampf gegen ihr heimtückisches Leiden: „Genau wie etliche andere kranke oder auch behinderte Menschen, die in unserem Haus wohnen“, sagt sie. Und findet: „Die Frau, die diese Welten schafft, ist für mich eine Heldin, etwas wirklich ganz Besonderes.“

Aber wer ist die Fee, die mit immer wieder neuen Kreationen ihre inzwischen beachtliche Fanschar beglückt? Sie heißt Manuela Wlocka, arbeitet im stressigen Schichtdienst als Verkäuferin in einem Outlet-Kaufhaus – und möchte unsichtbar bleiben. „Ein Foto von mir muss ich nicht unbedingt in der Zeitung sehen“, lehnt sie den Wunsch nach einem Bild von sich bescheiden aber auch konsequent ab. „Mir ist es wichtiger, dass die Menschen, die sich meinen Garten ansehen, freuen.“ Auf die Idee zu ihren optischen Märchengeschichten kam die Mutter eines 20-jährigen Sohnes während des ersten großen Corona-Frustes vor gut eineinhalb Jahren. „Viele Menschen – und gerade die Kinder – haben unter den Lockdowns seitdem leiden müssen, waren oft allein und eingesperrt in den eigenen vier Wänden. Ich bin einfach froh, wenn ich einigen wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann.“ Und wer könnte so etwas Schönes wohl eher schaffen, als eine Gute Fee.

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