Binnen zehn Tagen landeten 34 Mäuse in der „Nutella-Falle“. Foto: Oliver Lück

Neues vom Nachbarn – Wochenblatt-Kolumne
von Oliver Lück

Es ist wie mit dem Koalabären oder dem Mond – jeder kennt es, jeder mag es: Aber wie sagt man denn nun eigentlich? Die oder das Nutella? Egal, Nutella ist ein Teufelszeug – was wohl weitreichend bekannt ist. Und immer, wenn man irgendwo eingeladen ist, muss man ja bloß den Kühlschrank öffnen und weiß sofort Bescheid, mit wem man es da zu tun hat: Sieht man dort ein Glas gekühlte Haselnusscreme stehen, kann man eigentlich sofort wieder gehen und braucht auch gar nicht mehr nett oder irgendwas sein. Denn was macht es bitte schön für einen Sinn, einen Brotaufstrich, der zu zwei Dritteln aus Zucker besteht, vor dem Verderben schützen zu wollen? Die Welt teilt sich trotzdem in zwei Lager: Die, die die Zuckercreme kühlen und lieber hart essen. Und die, die das braune Gold dickflüssig tropfend wie frisch gefördertes bahrainisches Rohöl aufs Brot schmieren.

Warum ich das schreibe: Letzte Woche erzählte ich an dieser Stelle von dem immer größer werdenden Mäuseproblem, das wir nun seit knapp drei Wochen in unserer Küche haben. Ich rief einen Bekannten an, der sich mit Mausefallen auskennt. Achtung, Wortwitz: Ein Mann für alle Fallen! Frank empfahl mir einen Drahtkäfig mit dem schönen Namen RatzFatz, in dem die Tiere lebend gefangen werden. Und dazu einen Köder, der zu 100 Prozent wirkt, dem wirklich gar keine Maus – und auch kein Kind – widerstehen kann: Nutellabrot.
Was soll ich sagen – die Falle machte ihrem Namen alle Ehre: Kaum zehn Minuten waren vergangen, da saß der erste Nager im Gefängnis. Süß! Nach zehn Tagen hatten wir nicht weniger als 34 Mäuse gefangen. Krass! An manchen Tagen waren es fünf oder sechs. Echt? Meine Söhne haben die Mäuse dann übrigens jeden Morgen im Dunkeln an der drei Kilometer entfernten Schule wieder rausgelassen. Haha!

Seit zwei Tagen aber ist es auffallend ruhig geworden bei uns im Haus. Kein Getippel oder Genage mehr. Auch die Fallen bleiben überraschend leer. Aus die Maus! Und danke, Nutella! Bitte, die Rezeptur niemals ändern. Wobei, macht noch mehr Zucker rein!

 

Oliver Lück.
Foto: www.heiderose-gerberding.com

Oliver Lück

… ist Journalist und Buchautor. Jede Woche erzählt er an dieser Stelle von seinen Beobachtungen und Begegnungen. Aktuell im Handel sind von ihm:

Der Strandsammler
(Rowohlt Verlag, 144 Seiten)

Buntland – 16 Menschen,
16 Geschichten
(Rowohlt Verlag, 256 Seiten plus 32 Fotoseiten)

> www.lueckundlocke.de

 

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