Mit dem schwer beladenen Kleinlaster unterwegs: Margarete Aurichs Geschäft entwickelte sich gut. Foto: Privat

HAMBURG-WEST. Ihr „Revier“ waren Altona und die Elbvororte: Hier sammelte die 1915 geborene Altonaerin Margarete Aurich, eine geborene Wolfrum, nach dem Krieg Altmetall, um sich und ihre Familie durchzubringen. Aus dieser Arbeit in einer bis dahin eher ruppigen Männerdomäne entwickelte die patente Witwe in einer schwierigen Zeit ein erfolgreiches Familienunternehmen, das sie bis in die 1970er-Jahre selbst leitete. Ihr Sohn Julius hat das Leben seiner zupackenden Mutter mit Hilfe des kommerziellen Ahnenforschungsunternehmens Ancestry.com erforscht und dabei herausgefunden: „Sie war eine taffe Frau, die auch noch heutzutage als Vorbild fungieren kann.“
Margarete war eine Trümmerfrau der ersten Stunde. Auf dem Weg vom Hafen zu ihrer Altonaer Wohnung sah sie, wie Männer in den im Krieg zerstörten Häusern nach Altmetall suchten. Margarete, die bis dahin arbeitslos und ohne Einkommen war, erkannte ihre Chance in einer klassischen Männerdomäne: Anfangs zog sie noch mit Kohlesäcken los, um Altmetall zu sammeln, später mit dem Handkarren. Schon Ende der Vierziger machte sie den Führerschein und kaufte sich ein motorisiertes Dreirad, machte Prüfungen und erwarb die Lizenz als offizielle Schrotthändlerin.
Einmal blieb ihr Kleintransporter im alten, einspurigen Elbtunnel stecken – hoffnungslos überladen und mit gerissener Kette. Einige kräftige Männer schoben das zwei Tonnen schwere Gefährt unter dem Kommando von Margarete zum Aufzug am Tunnelende. „Das war typisch meine Mutter“, lacht Aurich.

In der Fahrschule fast allein unter Männern: Margarete Aurich (vo.re.) machte Ende der 1940er-Jahre den Führerschein. Foto: privat

Geschäftstüchtig, charmant und chic
Und: Auch in schwierigen Zeiten sei sie eine verständnisvolle Mutter gewesen, „wusste sehr wohl ihre Geschäftstüchtigkeit mit weiblichem Charme und Chic zu verbinden“: Noch auf dem Weg zum Abtanzball der Tochter in den 1970er Jahren dachte sie ans Geschäft: Sie sah an der Elbchaussee eine ausrangierte Waschmaschine stehen. Margarete hielt an und lud sie mit Hilfe der Tochter ein – im Abendkleid und mit Stöckelschuhen. Denn Margarete legte gern selbst Hand an, war wegen ihrer hilfsbereiten und verlässlichen Art beliebt.
Ab den Fünfzigern transportierte sie auch Personen und Gepäck – darunter zum Beispiel die Koffer von Schauspielerin Hildegard Knef, die damals gerade im Hotel Atlantic an der Alster logierte. Nach dem frühen Tod des zweite Ehemanns musste Margarete dann erneut neue Einnahmemöglichkeiten finden: 1959 nahm sie den zwischenzeitlich eingestellten Schrotthandel wieder auf und presste zusätzlich Papier. Erst in den 1970er Jahren, nach über 20 Jahren als Schrotthändlerin, übergab sie das Geschäft dann dem Mann ihrer Tochter.

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